Aufarbeitung und Gerechtigkeit
- Gesellschaftliche Aufarbeitung
- Aufarbeiten um Unrecht aufzudecken
- Warum stösst Aufarbeitung auf Widerstand
- Wahr oder unwahr
- Verschweigen, entdecken, aufklären
- Was lernen wir daraus
Gesellschaftliche Aufarbeitung
Aufarbeitung bei einem persönlichen Thema ist wichtig, wenn man sein Seele zur Ruhe bringen und seine Psyche nicht dem Teufelskreis „grübeln“ überlassen will. Aufarbeitung zu einem Thema das eine kleine Landgemeinde betrifft ist wichtig, damit das Dorfleben und die Hilfe und Unterstützung der Nachbarn auch in schwierigen Zeiten funktionieren kann. Aufarbeitung zu einem Thema das ein ganzes Land betrifft ist sehr wichtig, damit dieses Land sich erholen kann und die Menschen darin eine Perspektive und Zukunft sehen können. Aufarbeitung zu einem globalen Thema ist daher von allergrösster Bedeutung da sonst Schuldzuweisungen über Jahrzehnte und Generationen hinweg die Gesellschaft spaltet. Deutlich wird dies beim Thema „Holocaust“. Nach 80 Jahren ist dieses Thema immer noch präsent. Es gibt Gruppierungen die das leugnen. Noch lebende Augenzeugen können nicht verstehen, wie das geleugnet werden kann.
Befassen wir uns zu Beginn dieses Themas mit einer sachlichen Betrachtung des Wortes selbst. Was bedeutet genau Aufarbeitung? Zunächst schauen wir uns einmal die Synonyme an. Die allgemein verwendeten Synonyme sind: Ausbesserung, Auseinandersetzung, Beleuchtung, Erledigung.
Diese vier Synonyme verdeutlichen, dass Aufarbeitung ein ganzer Prozess darstellt. Hauptsächlich ein Prozess um zu lernen. Wer sich mit einem Thema auseinandersetzt, es von allen Seiten beleuchtet, findet Wege zur Erledigung des Themas. Ist dieses Ziel erreicht, kann ein Mensch, eine Gruppe oder ein Land lehren daraus ziehen und abschliessen.
Mitunter lassen sich beim Hauptwort „Aufarbeitung“ und seinen Synonymen einige Gemeinsamkeiten erkennen.
- a) Liegengebliebenes erledigen – Beispiel: die Rückstände, die Akten aufarbeiten
b) aufbrauchen, völlig verarbeiten – Beispiele: die Wolle aufarbeiten, die Bestände sind noch nicht aufgearbeitet - zusammenfassend betrachten, bearbeiten – Beispiel: er hat die jüngsten Forschungsergebnisse [kritisch] aufgearbeitet
- sich mit etwas auseinandersetzen, um Klarheit darüber zu gewinnen; etwas geistig verarbeiten – Beispiel: die Vergangenheit, die Kindheit, Konflikte aufarbeiten
- (alt und unansehnlich Gewordenes) erneuern, überholen, auffrischen – Beispiel: Polstermöbel, einen alten Schrank aufarbeiten [lassen]
- sich aufraffen, sich unter Anstrengung langsam erheben – Beispiel: der gestrauchelte Gegner konnte sich nur mühsam aufarbeiten
In diesem vorliegenden Text – konkret bei der Auseinandersetzung schwieriger Themen - liegt die Aufarbeitung bei der Bedeutung unter Punkt 3. Sich mit einer Thematik auseinandersetzen um Klarheit darüber zu gewinnen, was Fehlentscheide in der Politik und der Gesellschaft waren.
Aufarbeiten um Unrecht aufzudecken
Aufarbeitung soll vergangenes Unrecht aufdecken. Zu Beginn von gesellschaftlicher Aufarbeitung stehen die Erfahrungen der Menschen, die sie in ihrer jüngsten oder länger zurückliegenden Vergangenheit, gemacht haben. Dabei sind häufig Entscheide getroffen worden, welche für viele nicht nachvollziehbar sind. Entscheide, die teilweise gegen die Menschlichkeit und Grundgesetze umgesetzt wurden. Es wurde auf politischer Ebene Missbrauch betrieben, was für Aufmerksame klar war, war für die grosse Masse schwer zu erkennen. Aufarbeitung will klären, warum Missbrauch und Fehlentscheidungen vertuscht oder verschwiegen worden sind um Wege aus diesem Schweigen aufzeigen.
Aufarbeitung bei Themen die eine Gesellschaft betreffen, führen über eine juristische Aufklärung von Straftaten. Gesellschaftliche Aufarbeitung macht das Unrecht der Vergangenheit zum Thema der Gegenwart. Aufarbeitung zielt auf ein besseres Verständnis der Gesellschaft für die Dimensionen des Missbrauchs.
Sich mit einem Thema auseinandersetzen führt zu einer Analyse des Geschehens. Es wird dabei alles untersucht, wie es zu einem Entscheid gekommen ist, der für eine ganze Gesellschaft schwere Eingriffe zur Folge hatte.
Warum stösst Aufarbeitung auf Widerstand
Häufig stösst Aufarbeitung auf Widerstand, denn eine Beleuchtung des Vergangenen führt zu einer Darlegung, wie sie vielleicht in den Massen der publizierenden Organe, gegenteilig veröffentlicht worden sind.
Gegenteiliges Beschreiben einer einschränkenden Situation die für die gesamte Gesellschaft Gültigkeit hat, wird von der grossen Masse als unwahr, als unrichtig aufgefasst. Warum? Die Macht und der Einfluss der sogenannten Leitmedien ist gross. Einerseits ist die Reichweite der Gebühren finanzierten Leitmedien ungleich grösser als jener von kleineren, Leser finanzierten Medien. Andererseits werden die Leitmedien von den Politikern als Sprachrohr benutzt was für die Gesellschaft meist einen vertrauenswürdigeren Charakter darstellt.
Die Artikel in den Leitmedien werden folglich von sehr vielen Menschen konsumiert, was wiederum für die meisten Leser, Hörer oder Zuschauer als die wahre Darstellung eines Ereignisses angenommen wird. Die Beschreibung von kritischen Artikeln, welche das Gegenteil von den Leitmedien behaupten, führen zu einem Konflikt in den Köpfen der Menschen. Da die Leitmedien häufig das erste Publikationsorgan ist, das in den Köpfen der Massen ankommt, besetzen solche Artikel Platz Nummer Eins im Hirn der Medienkonsumenten. Folglich führen andere Darstellungen zur Verwirrung, Desorientierung und werden gerne mal als unwahr katalogisiert. Eine Aufarbeitung wird daher einen schweren Stand haben gegen die Masse der Meinungen des Volkes.
Wahr oder unwahr
Eine Aufarbeitung teilt die Wahrheit und die Unwahrheit auf. Grundsätzlich ist der Mensch an Wahrheit interessiert. Kennt er jedoch nur eine Seite einer Geschichte, wird es diese als Wahrheit betrachten. Erstaunlich ist, dass das Vertrauen in Politiker gering ist, was in einer jüngeren Umfrage zu „Vertrauen in Berufe“ in der Schweiz 2022 aufgezeigt wird (https://www.moneyland.ch/de/vertrauen-studie-berufe-schweiz-2022).
Warum werden den Worten von Politikern, bei grossen Ereignissen wie Kriegen, Massenmigrationen, Pandemien etc., dennoch grosse Bedeutung beigemessen? Diese gar als Wahrheit akzeptiert? In einer Krise oder bei Geschehnissen die in kurzer Zeit ausbrechen, fühlt sich der Einzelne wie auch die breite Masse ohnmächtig und ist in Sorge. Somit wird jedes Angebot das Sicherheit verspricht angenommen. Politiker haben in solchen Situationen also leichtes Spiel mit der Bevölkerung. Kritisches hinterfragen findet nicht statt da die Lösung ja angeboten und Wege aus der chaotischen Krise angeboten wird.
Wie die Geschichte jedoch zeigt, haben sich viele Krisen im Nachhinein und bei kritischer Analyse, als unwahr geklärt. Ein Beispiel ist der Angriff auf Pearl Harbor. Glaubt man der Geschichte, so ist der Angriff der Japaner auf Pearl Harbor ein Überraschungsangriff gewesen der ohne Vorwarnung die amerikanische Flotte versenkt hat. Gemäss der öffentlichen Aussage des damaligen US Präsidenten Franklin D. Roosevelt, sei er und das amerikanische Volk völlig überrumpelt gewesen von diesem Angriff. Fakt ist, dass der Präsident sehr wohl von diesem Angriff wusste. Dies zeigen verschiedene historische Dokumente und Ungereimtheiten auf (https://www.deutschlandfunk.de/angriff-auf-pearl-harbor-vor-75-jahren-der-grosse-irrtum-100.html). Leider hat die Aufklärung mehrere Jahrzehnte gedauert bis aus der Lüge eine Wahrheit wurde. Und die Aufklärung fand nicht in der breiten Öffentlichkeit statt, sondern war eher eine Randerscheinung.
Beispiele dieser Art gibt es zuhauf. Eine Lüge wird mit grossem Tamtam in die Öffentlichkeit getragen, die Massen sind schockiert, verängstigt, traumatisiert. Es findet keine öffentliche Aufklärung statt. Wird dann eine Sache Jahre später aufgeklärt, findet diese Aufdeckung eines Skandals keine oder nur geringe Beachtung. Die Masse interessiert sich nicht für Vergangenes. Sie blickt nur auf das aktuelle Geschehen, bleibt jedoch untätig bei Gegenwehr oder Forderung zur Klärung einer Situation.
Bei verdeckten und geheimen Operationen kann das noch verstanden werden. Wie damals in den 1970er Jahren, als die Beeinflussung der Medien durch die geheime Operation „Mockingbird“ ausgeführt wurde. Beweise, dass Kräfte in Hinterzimmern die Massen beeinflussen, wurden erst in den Jahren 2000 bis und mit 2010 erbracht. Also rund 30 bis 40 Jahre lang wurden die Masse beeinflusst durch Manipulation. Als dies aufgedeckt worden ist, blieben die grossen Schlagzeilen aus. Keine Proteste der Massen oder Politiker. Keine Aufarbeitung und daher auch kein Lernen der breiten Masse für weitere Manipulationen. Wikipedia beschreibt die Operation „Mockingbird“ und führt Einzelnachweise auf. Wobei auch bei Wikipedia nicht alles für bare Münze genommen werden darf (https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Mockingbird).
Ebenso ist die Operation „Gladio“ als eine von der CIA durchgeführte geheime Operation aktiv gewesen. Diese Operation startete in den 1950er Jahren, wurde jedoch erst 40 Jahre später zum Beispiel in der Washington Post der breiten Öffentlichkeit präsentiert (https://www.washingtonpost.com/archive/politics/1990/11/14/cia-organized-secret-army-in-western-europe/e0305101-97b9-4494-bc18-d89f42497d85/).
Verschweigen, entdecken, aufklären
Im Alltag zwischen Arbeiten, Haushalt und Kinder gross ziehen eingebunden, geht der Mensch täglich seinen Verpflichtungen nach. Er ist eingespannt, abends meist müde und erschöpft und mag sich nicht mehr um weitere schwere Themen kümmern. Einerseits verständlich, andererseits, wenn viele Menschen und ihre Gesundheit oder Leben bedroht sind, unverständlich.
In der jüngeren Geschichte gibt es viele Geschichten die nach einer Aufklärung für Gerechtigkeit gesorgt haben. Obschon, wenn der Gerechtigkeit genüge getan wurde, diese niemals das geschehene Unrecht aufwiegen kann. So zum Beispiel in der Zeit des Kalten Krieges. Ohne Wissen der Bevölkerung, haben die US-Militärs ihre eigenen Landsleute vergiftet. Erst Jahrzehnte danach wurde dies publik und der deutsche Spiegel hat erst 1994 darüber berichtet (https://www.spiegel.de/wissenschaft/giftversuche-an-us-buergern-a-42cbb525-0002-0001-0000-000013692048).
Oder erinnern wir uns an den Oscar-Film „Erin Brokovich“. Der Film dokumentiert die Aufklärung einer Vergiftung der Bevölkerung durch das Trinkwasser (https://de.wikipedia.org/wiki/Erin_Brockovich).
Ein ebensolcher, auf Zelluloid gebrachter Skandal, wird im Film „Dark Waters“ von 2019 festgehalten. Darin geht es um den Anwaltspartner Robert Bilott von Kanzlei Taft, Stettinius and Hollister, welche mitunter einer der längsten Gerichtsprozesse der jüngeren Geschichte geführt hat. 19 Jahre hat es gedauert, bis die Firma DuPont zu einer Strafe von 16,5 Millionen US Dollar verklagt wurde. Erst nach jahrelangen Streitigkeiten war DuPont zu einer Einigung bereit und bezahlte 671 Millionen US Dollar als Entschädigung. Die Ursache war der krebserregende Stoff Perfluoroctansäure (PFOA) der unter anderem als Teflonbeschichtung in Bratpfannen zu finden ist (https://de.wikipedia.org/wiki/Vergiftete_Wahrheit).
Was lernen wir daraus
Eine Aufarbeitung muss vom Volk, bei grossen einschränkenden Ereignissen, gesundheitlichen Folgen oder gar dem Tod von Menschen, zwingend gefordert werden. Wird keine Aufarbeitung stattfinden, werden geheime Operationen oder gewinnversprechende Geschäftstätigkeiten weiterhin ausgeführt und zwingen die Menschen immer mehr in ein Korsett das die Freiheiten einschränkt, die Gesundheit schädigt und sogar Leben kosten kann.
Aufarbeitung führt zur Klärung und Verarbeitung von Traumatas. Wenn eine grosse Anzahl von Menschen durch Angsteinflössung, Gewalt oder Kriege in ein Trauma getrieben werden, muss diesem Treiben ein Ende gesetzt werden – und dies langfristig. Politiker, welche bei ihren Reden vor dem Volk oder in den Parlamenten, durch geschickte Rhetorik zu Unrecht oder Hetze aufrufen, sind von ihren Ämtern sofort zu entheben.
Aufarbeitung führt zu Klarheit und erschwert weitere Lügen. Lügen werden immer bestehen. Durch kritische Betrachtung aktueller Ereignisse und durch Aufarbeitung werden diese Lügen jedoch bereits früh im Keim erstickt. Aufarbeitung muss gefordert werden, wenn die Völker Frieden auf der Erde wollen. Nur durch Aufarbeitung kann das Unrecht, das Menschen angetan wurde, auch zu Gerechtigkeit verhelfen.
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