Wenn Zwei sich streiten freut sich der Dritte
- Disput, Fehde, Streit
- Die Medien als Kino für Streitigkeiten
- Streitereien unter dem Volk freut den Verursacher des Streits
- Die Masse hinterfragt nicht
- Meinungsbildung führt zu ungleicher Meinung
- Der Dritte freut sich
- Wie entgeht man einem Streit
Disput, Fehde, Streit
Auslöser für einen Streit können bereits kleine Dinge sein. Als Klischee-Beispiel sei an dieser Stelle der Apfelbaum genannt, der mit einem Ast über den Zaun zum Nachbarn wächst und die Früchte auf der anderen Seite des Zauns sieht der Nachbar gerne als seine Früchte an. Der Baumbesitzer sieht das natürlich anders – der Streit wird vom Zaun gebrochen (ein weiteres Sprichwort).
Bei diesem Beispiel scheint es keinen Dritten zu geben. Offensichtlich scheint das so. Schaut man näher, finden sich Schaulustige ein, welche sich über diesen banalen Streit köstlich freuen. Dieser Artikel soll jedoch nicht auf dieser banalen Ebene bleiben.
Die Medien als Kino für Streitigkeiten
Wir Menschen sind sehr leicht beeinflussbar. Und wir merken es nicht einmal, dass wir beeinflusst werden. Von Natur aus ist der Mensch neugierig. Neugier meint nicht nur Neues entdecken oder Fragen nachgehen, Neugier meint auch, sich bei Streitereien aus Distanz zuschauen was abgeht.
Neugier geht jedoch noch weiter. Eine andere Art der Neugier nennt sich Voyeurismus – in der Tat. Voyeurismus ist, per Definition - das heimliche Betrachten von Personen, im weiteren Sinne aber auch jegliche Form der Lust am Betrachten. Meist wird der Voyeurismus mit dem sexuellen Empfinden und Verhalten in Verbindung gebracht.
Doch der Voyeurismus hält, seit in den 1990-Jahren im Fernseher begonnen wurde mit den Talkshows, Einzug in das Leben jedes Menschen und füttert den Voyeurismus täglich.
»Asoziales Verhalten! Hier sind gerade derartig Grenzen überschritten worden!« So kommentierte einst Moderatorin Britt in ihrer gleichnamigen Talkshow den handgreiflichen Ausraster einer Teilnehmerin. Auch wenn die Grenzüberschreitung vordergründig moralisch geächtet wird, so ist es doch genau diese, warum viele Menschen diese Format überhaupt anschauen. Es ist ein hämischer, lustvoller Voyeurismus, der Streitigkeiten auf dem TV-Bildschirm von der sicheren Couch aus so unterhaltsam macht. Dies kennzeichnet die Faszination in den boomenden TV-Talkshows aus.
Bei solchen Shows handelt es sich um eine ausgeklügelte »Industrialisierung der Kommunikation« (Plake 1999), bei der eine vermeintlich sozialmoralische Botschaft in eine Sensations- und Provokationsdramaturgie eingepasst wird.
Schaut man jedoch genau hin, so dokumentieren all die Streitszenen vor allem eines: den hohen Grad an Inszenierung und Stereotypisierung unserer heutigen Streitpraktiken durch die Medienkultur. Deshalb gilt es in besonderer Weise, genau und kritisch hinzuschauen, wie die Bilder auf den Bildschirmen unsere tatsächlichen Formen des Streitens prägen. Freuen dabei tun sich neben den Zuschauern auch die TV-Sender durch hohe Einschaltquoten.
Streitereien unter dem Volk freut den Verursacher des Streits
Wenn Konflikte medienwirksam in Talkshows über den Äther ziehen, so ist der Schaden vordergründig bei den zwei Streithähnen vor der Linse auszumachen. Hintergründig, damit wenig offensichtlich, zeigen solche voyeuristischen Darstellungen die gesellschaftlichen Triebe und damit auch Wege, wie Menschen in der Masse gesteuert werden können. Schon immer haben es mächtige Menschen verstanden, die Masse durch Spiele abzulenken und in der Folge auch zu steuern.
Zu Zeiten der Römer war der Circus Maximus – heute noch als Ruine in Rom zu bewundern – wo blutige Spiele mehrere hunderttausend Schaulustige unterhalten haben, das Werkzeug, die Masse bei Laune zu halten und zu steuern.
Heute ist anstelle des Circus Maximus der Fernseher, Smartphone, Tablet, Computer etc getreten. Der Masse werden an den Bildschirmen Szenen präsentiert, worüber sich die Menschen einerseits unterhalten fühlen, andererseits aufgeschreckt werden und der Voyeurismus genährt wird.
Die Sensationslust der Masse wird täglich gefüttert mit Schlagzeilen, sodass sich die Menschen untereinander unterhalten können. Ein Thema zu diskutieren haben, welches sie entrüstet, entsetzt, aufschreckt und beschäftigt. Es sind meist Themen die von Gewalt, Geld oder politischem Inhalten handeln.
Die Masse hinterfragt nicht
Jeder Konsument der die inszenierten Talkshows schaut, tägliche Nachrichten als wichtig betrachtet, politische Themen verfolgt, bemerkt nicht, wie er in seiner Meinung beeinflusst wird. Diese Beeinflussung bildet eine Meinung. Je nach Persönlichkeit, Lebenserfahrung oder, einfach nur was das nähere soziale Umfeld des Betrachters an seiner Meinung äussert, führt zu einer Meinungsbildung. Diese ausgebildete Meinung kann konträr sein, zu der Meinung einer anderen Person. Damit ist eine Grundlage für Gespräche, Diskurse und Diskussionen gegeben.
Ist eine Meinung im Kopf einer Person verankert, so hinterfragen die wenigsten Menschen, ob ihre Ansicht zu einem Thema korrekt ist. Selbstreflexion kennen nur noch wenige Menschen, da die Kraft der Bilder durch die Medienwelt von heute bereits ein Vorurteil gestärkt haben.
Meinungsbildung führt zu ungleicher Meinung
Durch die präsentierten Bilder in den Medien haben sich Auffassungen durch Vorurteile zu einem Thema gebildet. Dieser Prozess der Meinungsbildung ist bei jedem Menschen gleich. Je nach den persönlichen Erfahrungen und dem Charakter einer Person richtet sich in der Folge die Gesinnung zu einem Thema aus. Dies führt bei jedem Menschen zu einer anderen Sicht der Dinge. Stehen sich zwei Menschen mit einer gegensätzlichen Meinung gegenüber, so findet ein Austausch der Ansichten statt. Im besten Fall wird ruhig und sachlich seine Meinung darüber geäussert. Ein Gespräch findet statt.
Im schlechtesten Fall führt der Austausch der gegensätzlichen Meinung zu einem Streit. In einem Streit kommen Emotionen hoch. Die Stimme wird lauter, kräftiger und die Wortwahl kann dann schon einmal unter die Gürtellinie fallen. In einem solchen Moment sind beide Personen nicht mehr in der Lage klar zu denken da die Emotionen die Menschen im Denken und Handeln beherrschen. Findet sich keine Dritte Person die den verbalen Streit schlichten kann, können dann auch handgreifliche Taten folgen.
Der Dritte freut sich
Ist ein Streit vom Zaun gebrochen, bilden sich zwei Positionen. Kommen diesen Positionen weitere Menschen hinzu, bilden sich zwei Gruppen mit gegensätzlicher Meinung zu einem Thema. Da jede dieser Personen in einer der beiden Gruppen ihre Vorurteile auf demselben Weg gewonnen hat wie die beiden Streithähne, nämlich über Massenmedien, liegt es auf der Hand, dass die Massenmedien die Meinungen gebildet haben.
Die Inhalte in den Massenmedien haben irgendwo einen Ursprung. Dem Ursprung der Worte und Bilder zu einem Thema sind Interessen vorausgegangen. Wer ein Interesse verfolgt, diese in Worte und Bilder umsetzt und entstandene Texte, Bewegtbilder und Fotos einem Publikationsorgan durch Bezahlung für die Veröffentlichung zuspielt, vervielfacht damit seine Interessen.
Durch die Vervielfachung seiner Interessen bildet der Urheber bei den Lesern, Hörern oder Zuschauern eine Meinung beziehungsweise ein Vorurteil aus. Dieses Vorurteil wird von der Masse übernommen ohne kritisches hinterfragen woher der Ursprung kommt. Gleichgesinnte bilden eine Gruppe. Gegensätzliche Ansichten formen ebenfalls eine Gruppe. Das Ziel des Urhebers bei der Erstellung der Texte und Bilder sind offenkundig nicht ersichtlich. Je nach emotionaler Aufladung der Texte und Bilder, bricht ein Streit vom Zaun und die beiden Gruppen stehen sich als „Feinde“ gegenüber.
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Beste karikative Darstellung des Themas - Urheber: Snickers für Linkshänder, Facebook
So kann ein Urheber seine Interessen durchsetzen, indem er auch falsche Informationen in die Massenmedien streut. Hat der Urheber genügend finanzielle Mittel, so kann er mit den entsprechenden Texten und Fotos über den Kanal der Massenmedien sehr viel Zwietracht in der Masse säen. Da meistens die Themen durch die Fotos emotional geladen sind, führen diese beim Betrachter zu einer emotionalen Entladung. Durch die emotionale Entladung führen Streitigkeiten ein Thema an. Verfolgt der Urheber das Ziel, gegensätzliche Meinung zu streuen, ist die Masse beschäftigt. Ist es nur ein Thema, ist die Anzahl der Personen in einer Gruppe sehr gross und kann damit auch eine Macht ausüben. Ist sich der Urheber eines Streitthemas bewusst, dass zwei grosse Gruppen sich auch einigen können und damit nur noch eine ganz grosse Gruppe entsteht, so wird der Urheber versuchen, möglichst viele kleinere Gruppen entstehen zu lassen.
In der Folge streut der Urheber viele Themen aus um die Bildung von vielen Gruppen zu ermöglichen. Ist eine hohe Fragmentierung von Gruppen erreicht, werden sich diese unzähligen Gruppen nicht finden und den Streit beenden. Sie erkennen weder das Interesse noch das Ziel des Urhebers. Die gruppierten Masse befinden sich im Streit, der Urheber kann seine Ziele und Interessen durchsetzen indem er durch Handlungen im Hintergrund seine Absichten umsetzen kann. Das Sprichwort „Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte“ ist in vollem Gange.
Wie entgeht man einem Streit
Jeder sollte sich fragen, wer der Urheber einer Nachricht ist oder wer das grösste Interesse hat, wenn zu einem Thema gegensätzliche Meinungen gebildet werden. Kritisch hinterfragen ist heute bei der Flut von Meldungen unumgänglich. Das Zersetzen und Fragmentieren in immer kleinere Gruppen ist nur möglich, wenn immer mehr Menschen den Massenmedien Beachtung schenken.
Die Frage „Cui bono – wem zum Nutzen“ sollte im täglichen Sprachgebrauch und Denken Einhalt finden. Selbstreflexion und Selbstkritik schaden nie und führen den Menschen aus der Emotion heraus und zu sachlichem Denken.
Glaube wenig. Hinterfrage alles. Denke selbst!
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