Herr der Dinge

Wir Menschen der westlichen Kultur orientieren uns sehr stark an Äusserlichkeiten. Uns ist es enorm wichtig, was andere über uns denken.
Herr der Dinge

Was andere von uns sehen in Form von teuren Autos, Markenkleider und dergleichen bestimmt unser Leben. Sind wir Herr der Dinge oder sind die Dinge unsere Herren?

Herr der Ringe

Die Geschichte im Film „Herr Der Ringe“ hält uns fantasievoll vor Augen, wie Dinge uns beherrschen in der alltäglichen Welt. Im Film wird uns eine Botschaft durch das Ringgedicht übermittelt. Das Ringgedicht lautet wie folgt;

Drei Ringe den Elbenkönigen hoch im Licht,
Sieben den Zwergenherrschern in ihren Hallen aus Stein,
Den Sterblichen, ewig dem Tode verfallen, neun,
Einer dem Dunklen Herrn auf dunklem Thron
Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn.
Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden,
Ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden
Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn.

In diesem Gedicht steckt eine Botschaft und Wahrheit. Der dritt und viertletzte Verse der da lautet: „Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden.“

Ein Ring steht hier für alle Dinge in unserem Leben, welche wir als besonders wichtig und erstrebenswert erachten. Was erachten wir als besonders wichtig? Die meisten Menschen streben, aus sozialer Sicht, einen möglichst hohen sozialen Status an. Das bringt Ansehen, Bewunderung, Sicherheit. Missgünstige Blicke werten wir als Neid und erheben uns sogleich mit dem Wissen darüber, etwas Höheres und besseres zu sein. Schliesslich haben es die anderen, die Neider, nicht auf dieses Niveau geschafft.

Der Ring steht jedoch auch für die besonderen und von vielen Menschen angestrebten materiellen Werte. Was sind materielle Werte? Das sind teure, schmucke Autos, ein grosses teures Haus, Schmuck, Kunstwerke, teure Weine, Markenkleider von Gucci, Armani, Boss etc. Dabei ist erstrebenswert was einen Markennamen hat. Möglichst global gleichermassen anerkannt ist. Für viele Menschen ist der Wert eines Autos sogar höher gewertet als seine Frau oder Freundin. Wehe hier wird ein Kratzer gemacht – der Typ kann völlig ausflippen. Wehe der teure Hilfiger-Pullover kriegt einen Weinfleck ab. Das teilweise theatralische Gebaren im Restaurant kann ausufern. Wir verteidigen die materiellen Werte mit höchster Kampfbereitschaft.

Grundlage falschen Denkens

Die Verteidigung banaler materieller Werte oder aufkommenden Neid oder Missgunst kommt von einer falschen Vorstellung von Werten. Die Werbung hat über Jahrzehnte hinweg dem Volk eingeimpft, dass es teure Autos braucht, schöne Markenkleider, teure Weine als Statussymbol, teuren Schmuck um die soziale Schicht öffentlich darzustellen, Kunstobjekte an den Wänden suggerieren kulturelles Interesse. Werbung und Marketing haben Bedürfnisse künstlich geschaffen um Begehren in die Köpfe der Masse zu bringen. Dieses Begehren kann unter Umständen sogar massive Handlungen in einzelnen Personen hervorrufen, dass diese kriminelle Taten ausüben. Beispiele hierzu gibt es zu Tausenden und jeden Tag. Warum geschieht dies?

Wir Menschen neigen dazu, durch materielle, soziale oder religiöse Dinge von uns selbst zu entfernen. Wir werden bei der Möglichkeit ein teures Auto in unseren Besitz zu bringen, von uns selbst abgelenkt. Die Chance eine höhere und verantwortungsvollere Stelle in einer Unternehmung zu erlangen, entfernt uns vom Wert der Familie weil wir für unsere Liebsten nur das Beste wollen merken dabei aber nicht, dass wir viel mehr Zeit bei der Arbeit verbringen werden als bei der Familie. Diese und ähnliche gelagerte Möglichkeiten führen uns von uns selbst und unserem Weg weg. Der Anruf an Gott durch ein Gebet mag für viele gläubige Menschen ein Hoffnungsschimmer wecken und Hoffnung schüren. Doch auch das Gebet an eine höhere Macht führt uns weg von uns selbst.

Keines dieser Beispiele lehrt oder bringt uns Weisheit. Wir klammern uns an eine Sache ohne das wir inne halten und unsere eigene Göttlichkeit in uns erkennen. Was meine ich mit unserer eigenen Göttlichkeit? Damit ist nichts religiöses gemeint sondern unser Unterbewusstsein. Wir werden uns hüten, wenn wir einen schimmligen Apfel vor uns liegen haben, dass wir diesen essen sollten. Ohne genau zu wissen was im Körper vor sich geht, werden wir keinen verschimmelten Apfel essen. Das sagt uns unser Unterbewusstsein, dass diese Frucht in dieser Form kein Genuss verspricht.

Schaffen wir alle äusseren Ablenkungen ab, so müssen wir uns mit uns selbst befassen. Viele Menschen fürchten sich davor, über sich selbst nachzudenken. Darum flüchten viele in Ersatzhandlungen und kaufen sinnlose Dinge, welche dann die Herrschaft über unser Tun und Handeln haben. Wir machen uns abhängig von den Dingen. Wir sind Sklaven der Dinge.

Gibt uns jemand diese vermeintlich notwendigen Dinge oder nimmt uns jemand diese Dinge weg, so befinden wir uns in einem Wechsel von Glück und Unglück. Um in diesem Wechsel der gleiche zu bleiben und aus allem zu lernen und an Weisheit zu gewinnen, sollten wir uns oft in uns selbst zurückziehen. In diesem Rückzug ins uns selbst, legen wir uns selbst Rechenschaft ab. Wir reflektieren uns. In der Selbsteinkehr streben wir dann das Gute an. Gut ist, was dich besser und tüchtiger und die Menschen um dich herum glücklicher macht. Wer so denkt, wird nicht mehr Sklave der Dinge sein sondern Herr der Dinge. Die Dinge haben keine Macht mehr über uns.

Es ist die Meinung die uns Sorgen bereitet. Eine Meinung zu Sachen zu haben deren Wert nur in materiellen Werten zu finden ist, darüber machen wir uns Sorgen. Wenn wir also im Denken den materiellen Dingen keinen grossen Wert geben, werden wir auch keine Sorgen haben, wenn uns diese Dinge weggenommen werden. Dieses Denken gelingt uns nicht von heute auf morgen. Es ist ein Prozess des Lernens. Wer diesen Prozess beschreitet, wird nicht länger Sklave der Dinge sein und nicht im Strudel von Glück und Unglück hin und hergerissen.


Write a comment