Was ist Weisheit

An Weisheit mangelt es in unserer heutigen Zeit. Viele Menschen verkünden nur ihre Meinung und glauben, dass sie weise Worte wählten.
Was ist Weisheit

Die Entwicklung von Weisheit dauert im Allgemeinen den grössten Teil des Lebens und entsteht durch formelle Bildung und die konstruktive Verarbeitung belastender Erlebnisse. Weisheit vermeidet Dogmen und führt zu Achtung vor eigenen und fremden Gefühlen sowie zum Akzeptieren unterschiedlicher Interessen und Lebensstile. Sie hilft auch bei der Lösung sozialer Konflikte.

Weisheit beschreibt ein tiefergehendes Verständnis von Zusammenhängen in Natur, Leben und Gesellschaft. Sie geht über blosses Wissen hinaus und basiert auf Lebenserfahrung. Weisheit ermöglicht es, ethisch und moralisch fundierte Entscheidungen zu treffen und bei Herausforderungen eine sinnvolle Handlungsweise zu erkennen. Sie ist eng mit ethischem Denken und Handeln verbunden und kann in verschiedenen Kulturen unterschiedlich interpretiert werden.

Wortherkunft

Der Begriff Weisheit leitet sich vom mittel- und althochdeutschen „wīsheit“ ab, das aus dem Adjektiv „wīs“ und dem Adjektiv „wīse“ abgeleitet wurde, was „verständig, erfahren, klug, kundig, gelehrt“ bedeutet. Weisheit misst sich nicht an Wissen allein, sondern an einer sogenannten Lebenserfahrung, die durch zahlreiche Fehler und deren Korrekturen sowie tiefgreifende Erlebnisse entsteht.

Einige Zitate zur Weisheit sind:

„Weisheit ist nicht so sehr das Wissen darum, was schliesslich zu tun ist, sondern darum, was zunächst getan werden soll.“ - Herbert Clark Hoover


„Weisheit ist die Anerkennung der eigenen Grenzen.“ - Paul Tillich


„Der Anfang aller Weisheit ist Verwunderung.“ - Aristoteles

Weisheit ist nicht notwendigerweise eine Funktion der Intelligenz oder des deklarativen (erklärend) Wissens, sondern eine besondere ethisch-moralische Grundhaltung, die durch die Fähigkeit zur Komplexität, Unbestimmtheit, Unterschiedlichkeit und Endlichkeit zu verstehen und zu akzeptieren geprägt ist.

Was unterscheidet Weisheit von Wissen

Höher als Wissen ist Weisheit. Alles Wissen der Welt macht weder Weise noch glücklich. Durch das Internet können wir Wissen zu jedem beliebigen Thema sekundenschnell abfragen. Jedoch denken wir nicht einmal eine Minute darüber nach, was uns dieses Wissen bringt. Denn Wissen ohne Erkenntnisse zu erlangen, ist nur blosses Wissen – keine Weisheit.

Fachliches Wissen ist nützlich, wenn es der Schulung des Geistes dient, nicht aber, wenn es uns von höheren Aufgaben abhält.

Ein Beispiel: Du lehrst mich, wie hohe und tiefe Töne Harmonie ergeben, wie Saiten von verschiedenen Tonhöhen zusammenklingen. Besser wäre es jedoch, dafür zu sorgen, dass in meinem Inneren Harmonie herrscht. Und das meine Gedanken und Entschlüsse, Worte und Taten harmonisch zusammenklingen.

Oder das Beispiel eines Geometers. Er lehrt mich, grossen Landbesitz zu vermessen. Er sollte mich lieber lehren, wie ich erkenne, wann der Mensch genug hat.

Der Mathematiker lehrt mich den Gebrauch der Zahlen. Müsste er jedoch berechnen, was er an sich selbst hat, wäre er dazu kaum fähig. Du kannst den Kreisumfang oder die Entfernung der Sterne berechnen. Aber wenn du ein Meister dieser Kunst bist, lege deinen Massstab an den menschlichen Geist und sage mir, wie klein oder gross er ist.

Du verstehst was eine gerade Linie ist. Was nutzt dir dieses Wissen, wenn du nicht verstehst, im Leben eine gerade Linie einzuhalten?

Das alles lehrt uns Weisheit und darum ist Weisheit mehr als nur Wissen.

Das Streben nach Weisheit

Menschen streben nach Weisheit. Bereits Jahrtausende vor den antiken griechischen Philosophen fragten sich die Bewohner des Vorderen Orients, was Weisheit ist und was ein weises Leben ausmacht. Einige ihrer Überlegungen wurden auf Tontafeln festgehalten, die bis heute überdauerten. Seit etwa vierzig Jahren erforscht auch die Psychologie Weisheit.

1. Weises Denken

Der deutsche Psychologe Paul Baltes (1939–2006) und seine Kollegen und Kolleginnen am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung gelten als die Pioniere der Weisheitsforschung. Sie definieren Weisheit als „Expertenwissen in Bezug auf die fundamentalen Tatsachen des menschlichen Lebens“. Und wie macht sich dieses Expertenwissen im Alltag bemerkbar?

Ein weiser Mensch setzt sich sowohl mit kleinen Problemen als auch schwierigen Lebensfragen überlegt auseinander. Er verlässt sich dabei auf Einsichten aus seinen früheren Erfahrungen und auf das Wissen, das er im Laufe seines Lebens gewonnen hat. Ausserdem betrachtet er eine Situation aus verschiedenen Perspektiven. Auch lässt eine weise Person andere Meinungen und Überzeugungen neben der eigenen zu. Sie kann auch zugeben, wenn andere im Recht sind und sie selbst falsch liegt. Ein weiser Mensch weiss also um seine Grenzen – und akzeptiert sie. Weisheit ist in tiefgehender und anhaltender Selbstreflexion verwurzelt.

2. Weises (Mit-)Fühlen

„Weise Menschen sind sich ihrer Emotionen bewusst.“ Weise Menschen verdrängen ihre Emotionen nicht. Sie setzen sich mit ihnen auseinander – nutzen sie gar als Hinweise und Denkanstösse, etwa um festzustellen, ob sie etwas an ihrem Alltag ändern möchten und wie sie sich verhalten sollten. Dies nennt sich auch Selbstreflexion. Weisheit bedeutet auch, wohlwollend gegenüber seinen Mitmenschen zu sein.

„Altruismus und Empathie scheinen eng mit Weisheit verbunden“. Diese und andere Beobachtungen gewinnen Forschende aus Umfragen und experimentellen Studien. Sie konfrontieren ihre Freiwilligen beispielsweise mit heiklen Szenarien wie diesem: Eine Fünfzehnjährige möchte von daheim ausziehen – was könnte man bedenken und tun? Die Freiwilligen denken laut über die fiktive Herausforderung nach. Die Forschenden werten dann diese Denkprotokolle nach vorher festgelegten Kriterien aus.

3. Weisheit und Alter

Es gibt extravertierte und introvertierte, verträgliche und rücksichtslose Menschen – aber gibt es auch einen weisen Persönlichkeitstypus? Das scheint eher nicht der Fall zu sein. Lebenserfahrung und Selbstreflexion ist die Basis für ein weises Denken und Handeln. Deshalb ist Weisheit eher eine Eigenschaft, die im Laufe eines Lebens allmählich entwickelt wird. Die meisten von uns betrachten Menschen von 50 bis 70 Jahren am ehesten als weise. Aber nicht jede Person wird es mit dem zunehmenden Alter tatsächlich.

Zu den von der Forschung ermittelten Faktoren, welche die Entwicklung zu einem weisen Menschen begünstigen, gehören die allgemeine und die soziale Intelligenz sowie Offenheit für neue Erfahrungen. Diese drei fördern die Selbstreflexion und den Erfahrungsschatz.

Leider scheinen diese drei Tugenden in der heutigen Gesellschaft zu fehlen. Eine allgemeine Intelligenz wird durch die Abgabe von Eigenverantwortung an den Staat verloren. Eine soziale Intelligenz ist durch die Kultur des „Individualismus“ beinahe nicht mehr vorhanden. Und Offenheit sind nur noch leere Worthülsen da die Gesellschaft tief gespalten ist.

4. Weisheit und Kultur

Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen teilen im Grossen und Ganzen dieselbe Vorstellung von Weisheit. Aber Forschende dokumentieren auch kleine Unterschiede: Je nach Tradition wird eine andere Facette der Weisheit hervorgehoben. Grundschulkinder im Iran und in Österreich empfinden weise Menschen als klug und gutherzig. Aber im Gegensatz zu den österreichischen erwähnten die iranischen Kinder, dass Weise sich an Normen und Regeln halten. In einer anderen Studie betonten jüdische Teilnehmer und Teilnehmerinnen, dass ein weiser Mensch viel weiss, während muslimische Freiwillige eine weise Person häufiger als fürsorglich beschrieben.

5. Weisheit und Wohlbefinden

Weisheit kommt Menschen aber nicht nur in schwierigen Lebenssituationen zugute – sie scheint auch zum Wohlbefinden einer Person beitragen zu können. Dafür haben Forschende mehrere Erklärungsansätze. Beispielsweise wissen weise Menschen ihr Leben womöglich stärker zu schätzen, als es ihre Mitmenschen tun – und empfinden Dankbarkeit, die wiederum das Wohlbefinden fördert.

Die Akzeptanz der Lebenssituation, auch wenn sie bisweilen nicht einfach ist, könnte ebenfalls ein wichtiger Grund für das Wohlbefinden sein: Weise Menschen hadern weniger mit Gegebenheiten, die sie nicht ändern können. Dadurch ersparen sie sich ängstigende und deprimierende Grübeleien, die zu nichts führen.

„Ein anderer Grund für die Zufriedenheit weiser Menschen ist vielleicht das Selbstmitgefühl“, schreibt Monika Ardelt von der University of Florida. Dazu gehört die Erkenntnis, dass Fehler machen und Scheitern grundlegende Bestandteile des menschlichen Lebens sind. So fällt es weisen Menschen leichter, ein gesundes wie hilfreiches Gleichgewicht herzustellen: Sie machen sich zwar Gedanken über ihre Fehler und Unzulänglichkeiten, ziehen jedoch eine Lehre aus ihnen und akzeptieren sie. So sind sie nicht nur gegenüber künftigen Herausforderungen besser ausgerüstet, sondern in sich selbst gefestigter – und zufriedener.

Was lernen wir für uns

Selbstreflexion und das Übernehmen von Eigenverantwortung führt zu Erkenntnissen und Erfahrungen im Leben. Weisheit erlangen ist ein lebenslanger Prozess. Weisheit hilft uns, alle erreichbaren Erkenntnisse unserer geistigen Höherentwicklung dienstbar zu machen. Das bedeutet in der Folge, dass wir uns bei Erlangen von Weisheit unabhängig machen von den Gesetzen die alle binden. Von den Denkmustern und Grenzen falscher Ansichten und Meinungen.

Ein Kennzeichen von weisen Menschen ist, dass Beeinträchtigungen, die andere niederwerfen, ihm nichts anhaben können und dass niemand ihm wirklich Schaden kann.

Glückliche Menschen verschwenden keine Zeit damit, anderen zu schaden. Das Böse gehört zu den unglücklichen, mittelmässigen und neidischen Menschen.


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