Worte einer Zeitzeugin aus einer Diktatur
Sie wissen nicht was Demokratie bedeutet.
Eine mir bekannte Frau ist in Rumänien geboren. Sie hat die Diktatur unter Ceaucescus erlebt. Lesen wir hier ihre Worte, Erfahrungen und vergleichen wir die aktuellen Geschehnisse mit dem Erlebten – das ist weit weg von Demokratie.
Worte von Angie
«Ich wurde in Rumänien geboren und wuchs auf unter der Diktatur Ceaușescus,
in einem Land, in dem Worte überwacht, Gedanken bestraft und Menschen gebrochen wurden.
Leise.
Systematisch.
Oft unsichtbar.
Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn Angst atmet, wenn Wahrheit nur flüstern darf und wenn man das Schweigen lernt, noch bevor man das Sprechen beherrscht.
Ich weiß auch, was es bedeutet, wenn sich plötzlich eine Tür öffnet …
eine Tür zu einem anderen Land.
Als ich vor über drei Jahrzehnten nach Deutschland kam, war es, als atmete ich zum ersten Mal bewusst.
Nicht, weil Deutschland ein Paradies war, sondern weil es ein Ort war, an dem man aufrecht gehen durfte. Ein Ort, an dem Denken keine Tarnung brauchte.
Ich habe dieses Land nicht gewählt, weil es makellos war, sondern weil es den Mut hatte, sich seiner Schuld zu stellen. Weil es nicht vergessen wollte, und weil es … trotz allem … an die Freiheit glaubte.
Hier habe ich gelernt:
Stolz ist keine Pose…
Stolz ist stille Dankbarkeit…
Er lebt in der Achtung vor jenen,
die dieses Land aus Trümmern erhoben nicht mit Worten,
sondern mit Schwielen.
Er lebt in der Sprache, die Raum schafft:
für Tiefe, für Nuancen, für Gewissen…
Und in einer geistigen Tradition,
die mit Bach, Schiller, Goethe und Kant nicht nur Kultur hinterließ, sondern Verantwortung.
Deutschland ist nicht das, was seine Gegner in ihm sehen.
Deutschland ist das, was du daraus machst wenn du es liebst.
Und Liebe heißt nicht: beschönigen.
Liebe heißt: sich nicht abwenden.
Ja … jedes Land trägt seine Schatten:
Frankreich,
Russland,
Rumänien,
USA,
Großbritannien,
China …
und viele Reiche, viele Eroberer:
– Mongolisches Reich
– Römisches Reich
– Osmanisches Reich
– Spanien & Portugal (Kolonialreiche)
– Japan (Shōwa-Zeit / Kaiserreich)
– Die katholische Kirche
– Nazi-Deutschland
– Sowjetunion unter Stalin
– China zur Zeit Maos
– Rote Khmer in Kambodscha
Aber kein Mensch ist verantwortlich für das, was geschah, bevor er geboren wurde.
Verantwortung beginnt nicht im Rückblick,
sie beginnt im Heute,
mit klarer denken,
mutiger sprechen,
menschlicher handeln …
und doch lehrt man heute viele, ihr Land zu verachten als sei Heimatliebe ein Symptom und Patriotismus eine Gefahr.
Wer sein Land verachtet, verachtet auch sich selbst.
Wer seine Herkunft verleugnet, kappt die Wurzel, die ihn trägt.
Ich komme aus der Diktatur und kenne sehr gut das Schweigen der Unterdrückten.
Ich habe erlebt, was es heißt, wenn Sprache zum Verrat wird und der Staat ins Herz greift,
und ich weiß: Deutschland war ein Geschenk.
Nicht perfekt , aber frei.
Ein Raum der Würde, des Rechts, der Hoffnung.
Diese Freiheit ist nicht selbstverständlich. Sie ist verletzlich. Und sie verdient Schutz, aber nicht durch Gehorsam, sondern durch Haltung.
Wir schulden diesem Land keine Unterwerfung, aber Respekt.
Keine Mythen, aber Wahrheit.
Keine Scham, sondern Bewusstsein.
Heimat ist kein Schlachtruf.
Heimat ist ein Band aus Erinnerung, Verantwortung, Weitergabe.
Es ist keine Schande, Deutschland zu lieben.
Die Schande liegt im Spott.
Im Zynismus.
In der Gleichgültigkeit.
Wer heute den Mut hat zu sagen: „Ich bin dankbar, hier zu sein“, der mag einsam stehen… aber er steht, und in einer Zeit, in der viele sich ducken, ist das Stehen ein stiller Akt der Ehre.»
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