Meide die Masse
Viele Menschen fühlen sich in der Masse wohl. Sie fühlen sich aufgehoben und verstanden unter Gleichdenkenden. Doch ein solcher Mensch ist nie Herr seiner eigenen Gedanken oder Gefühle. Der Einfluss der Masse schlägt seine Gedanken und Gefühle in die eine und in die andere Richtung – je nach dem – welches Thema gerade aktuell ist. So wird der Einzelne nie zur Ruhe finden und er wird sein Ich nie finden.
Senecas Rat
«Halte dich fern vom Menschengewühl und suche deinen Halt in dir selber. Denn noch kannst du dich dem Sog der Masse nicht mit Sicherheit überlassen. Selten bringst du dieselbe sittliche Haltung und Festigkeit, mit der du ausgingst, nach Hause zurück; immer wird etwas von dem, was du geordnet, in Unordnung gebracht; manches von dem, was du verscheuchst glaubtest, kehrt wieder.»
Nachteilig ist jeder Verkehr mit der Menge. Denn da ist keiner, der uns nicht irgendeinen Fehler empfiehlt oder unvermerkt anhängt. Je grösser die Masse, in die wir uns mischen, desto grösser ist die Gefahr auf die Seite der Masse zu wechseln.
Ein einziges Beispiel der Schwelgerei oder der Habsucht stiftet viel Unheil. Ein weichlicher Lebensgefährte entnervt und verweichlicht uns allmählich mit. Ein reicher Nachbar regt unsere Begierden an. Darum ziehe dich in dich selbst zurück, soviel du kannst und so häufig du kannst. Verkehre nur mit denen, die dich besser machen.
Epikurs Rat
«Dies schreibe ich nicht für viele, sondern für dich; denn wir sind einer dem anderen ein hinreichendes Publikum.» Dies muss du in deiner Seele verankern, um das aus dem Beifall der Menge entspringende Vergnügen zu verachten. Viele loben dich; aber welche Grund zum Zufrieden sein hast du, wenn du ein solcher bist, den die Menge versteht! Nach innen sollen deine Vorzüge schauen.
Es ist gut, mit Unähnlichen, Andersdenkenden, andere Ziele Verfolgenden nicht unnötig zu verkehren. Wenn sie dich auch nicht ablenken, können sie dich doch hindern am vorwärts kommen. Viel aber schadet schon, wer uns aufhält, zumal bei der Kürze des Lebens. Eile also und bedenke, wie sehr du deine Schritte beschleunigen würdest, wenn dich ein Feind vom Rücken her bedrängt. Dies geschieht wirklich: man setzt dir nach. Darum bringe dich in Sicherheit und suche lieber eine Freundschaft als tausend Verbindungen.
Die wenigsten gehören sich selbst. Ich aber wünsche dir den Besitz deiner selbst, damit dein von unsteten Gedanken getriebener Geist festen Fuss fasst und sicher steht, an sich selbst Gefallen findet und nach Erkenntnis der wahren Güter – die man besitzt, sobald man sie erkannt hat – eines Zuwachses an Jahren nicht mehr bedarf. Der ist über alle Notwendigkeit hinaus und frei, der den Sinn des Daseins erkannte.»
Fazit
Was können wir aus den Worten der alten Philosophen für unser Leben heute lernen? Die Masse zu meiden hilft unsere eigenen Gedanken und Gefühle wahrzunehmen. Wir müssen wieder lernen uns selbst zu vertrauen und vertrauen haben in unsere Fähigkeiten. Wenn wir immer nur auf die Meinungen anderer hören, werden wir verlernen unseren Instinkten zu folgen. Wir werden unser Bauchgefühl verlieren obschon uns genau dieses nicht in die Irre führt. Wir alle kennen den Spruch «Der erste Gedanke ist der Richtige.» denn erst nachdem wir Meinungen von anderen angehört haben und deren Sicht in unsere Gedanken eingeflossen sind, haben wir eine Entscheidung getroffen und haben häufig falsch gelegen weil wir den ersten Gedanken verdrängt haben. Im Nachhinein hat sich jedoch der erste Gedanke als der richtige herausgestellt.
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