Wir haben eine Empörungskultur
- Empörung – verbales Auskotzen über Kleinigkeiten
- Was ist nun eine Empörungskultur?
- Lautstark wird empört
- Wie widersteht man der Empörung?
Empörung – verbales Auskotzen über Kleinigkeiten
Zuerst müssen wir uns wieder die Definition von Empörung ins Gedächtnis rufen. Warum? Um eine klare Differenzierung in unsere Gedanken zu kriegen und damit Orientierung und Klarheit erhalten über unterschiedliche Nutzung von Wörtern.
Empörung besitzt gemäss Definition zwei unterschiedlich starke Bedeutungen. Einerseits ist das die «von starken Emotionen begleitete Entrüstung als Reaktion auf Verstösse gegen moralische Konventionen.» Als Beispiele seien hier genannt:
- ihn erfüllte eine tiefe Empörung über dieses Treiben
- die Äusserung des Ministers löste [bei der Opposition] Empörung aus
Die zweite Definition besitzt eine «härtere» Erläuterung. Sie beschreibt Empörung als «Aufstand, Rebellion, Meuterei». Beispiele hierbei sind:
- eine offene Empörung
- die Empörung der Unterdrückten wurde niedergeschlagen
Was ist nun eine Empörungskultur?
Wer die Sozialen Medien durchforstet wird schnell fündig. Der User XY schickt einen Beitrag über den Klimawandel ins Netz. Er findet, dass der Klimawandel nicht menschengemacht ist. Es dauert nicht lange und Antworten zeigen die Empörung. «Bist du dumm?» fragt einer. Ein anderer «Studien belegen den menschengemachten Klimawandel. Du bist sowas von ungebildet.»
Dieser oder ähnliche Dialoge sind in den Sozialen Medien an der Tagesordnung. Fern des virtuellen Raumes finden solche Diskussionen weniger statt da eine direkte Konfrontation vermieden wird. Dennoch findet eine Empörung auch in der realen Welt statt. Nämlich dann, wenn sich Gruppen zusammen finden und dann lautstark ihre Parolen verkünden. Grundsätzlich ist das gut. Es ist ein Ventil für die Psyche und zeigt, dass nicht alle einverstanden sind mit einer Situation.
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Doch die Gesellschaft empört sich seit ein paar Jahren über alles und jeden. Angeheizt durch, in der Hauptsache, Politik und Medien werden Narrative gepflanzt. Die Vielzahl der Narrative führt zu einer starken Fragmentierung der Gesellschaft und somit zur Spaltung. So findet ein jeder eine Gruppe welche seine Ansichten teilt und er sich verstanden und aufgehoben fühlt. Und alle, welche diese Ansichten nicht teilen und eine andere Meinung dazu haben, über diese werden dann lautstark Empörungen geäussert.
Durch den Gruppendruck und die herrschenden negativen Vorurteile werden Menschen die anders denken diffamiert oder gar ausgeschlossen. Das ist eine sehr emotional geladene Situation. Die meisten machen sich keine Gedanken dazu, ob das richtig oder falsch ist. Sie sind eingebettet in ihre Gruppe und das Narrativ stimmt mit ihren Gedanken überein.
Lautstark wird empört
Die Dynamik der Gruppe und die durch Propagandamethoden überlieferten Narrative dienen als Orientierungshilfe. Jeder der gegen diese Überzeugung ist muss daher bekämpft werden. Das ist nicht rational. Das läuft emotional. Empörung ist das Ventil. Und die Empörung hat eine kurze Zündschnur. Dadurch, dass es massenweise unterschiedliche Narrative gibt, gibt es auch unzählige Gruppierungen und jede Gruppe und jedes Individuum in dieser Gruppe glaubt, seine Überzeugung ist wichtiger als jene einer anderen Gruppierung. Zusammen mit der kurzen Zündschnur wird in der Folge über alles und jeden Empörung geäussert.
Ganz wenige halten es noch aus nicht in die Empörungsspirale zu fallen. Resilienz scheint eine schwindende Eigenschaft der Gesellschaft zu werden. Angeheizt wird diese Kultur und die Spaltung durch Reden der Politiker, wie jüngst die Aussage des deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier belegt.
https://www.youtube.com/watch?v=2hIAXsemNJ8
“Rede von Frank-Walter Steinmeier zu den Gefahren für die Demokratie am 10.11.25”
In dieser Rede muss nur einmal die Zahl der Nennungen des Wortes «Demokratie» gezählt werden und wir stellen fest, wie einseitig seine Rede gestaltet ist. Das nährt den Boden für die Empörungskultur da sich jene bestätigt sehen, welche selbst das Wort Demokratie ständig wiederholen, jedoch nicht im Ansatz wissen, was das überhaupt bedeutet. Frank-Meier Steinmeier nutzte das Wort «Demokratie» in seiner Rede 41 mal. Nicht mitgezählt sind Worte welche den Begriff «Rechts» und «Extremismus» beinhalten.
Wie widersteht man der Empörung?
Um der Empörung zu widerstehen, ist es wichtig, zunächst eine Phase der inneren Ruhe einzulegen und sich nicht sofort von emotionalen Reaktionen leiten zu lassen. Bei akuter Empörung wird im Allgemeinen geraten, sich zunächst zu beruhigen und dann so rational wie möglich mit der Situation umzugehen, da die Zeiten, in denen schnelle emotionale Reaktionen lebensnotwendig waren, vorbei sind. Eine hilfreiche Strategie ist es, über eigene Motive und mögliche blinden Flecken nachzudenken, um zu prüfen, ob die Empörung tatsächlich gerechtfertigt ist und ob die Informationen verifiziert werden können. Es kann sinnvoll sein, die Gedanken aufzuschreiben und die Nacht darüber zu schlafen, um am nächsten Tag eine klarere und konstruktivere Perspektive zu haben.
Ein weiterer Ansatz ist die Entwicklung einer humorvollen Gelassenheit, die als Korrektiv gegen übermässige Ernsthaftigkeit wirkt. Der englische Philosoph Shaftesbury forderte sogar einen „Lächerlichkeitstest“ für alle Dinge, um deren Sinn und Vernunft zu überprüfen. Humor und Lächeln können dabei helfen, die Perspektive zu wechseln, innere Spannungen abzubauen und alternative Sichtweisen zu entdecken, die der Wahrheit näherkommen als reine Empörung. Ein Lächeln kann ausreichen, um innere Balance zu finden und die Dinge barmherziger zu beurteilen, ohne die Probleme zu leugnen.
Zudem ist es entscheidend, Respekt und Demut zu bewahren, insbesondere wenn man mit anderen über unangemessene oder ungerechte Handlungen diskutiert. Man sollte versuchen, die Perspektive des anderen einzunehmen und nicht nur die eigene Sichtweise zu verteidigen. Die Fähigkeit zur Empörung kann positiv sein, wenn sie auf sachlicher Kritik, Fakten und einem konstruktiven Dialog basiert und nicht zu einer destruktiven Angriffslust wird. Gesunde Empörung, wie sie Papst Franziskus in seinem Schreiben „Querida Amazonia“ beschreibt, richtet sich gegen Unrecht, insbesondere das Leiden der Armen, und findet ihr Fundament in ethischen und biblischen Werten.
Schliesslich kann eine bewusste digitale Auszeit, ein sogenannter Digital Detox, helfen, nicht ständig emotional ausgelaugt zu werden. Es geht dabei nicht darum, sich völlig von der Welt abzuschliessen, sondern eine Balance zwischen Information und innerer Ruhe zu finden. Durch diese Massnahmen kann man lernen, Empörung nicht als automatische Reaktion zu sehen, sondern als Signal, das man bewusst und konstruktiv nutzen kann.
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