Philosophie als Spiritualität?

Die Frage, ob Philosophie spirituell ist, lässt sich nicht eindeutig mit „ja“ oder „nein“ beantworten – sie hängt vom Verständnis von „Philosophie“ und „Spiritualität“ ab.
Philosophie als Spiritualität?

Philosophie als spirituelle Praxis.

Historisch gesehen, insbesondere in der Antike, gab es kaum eine klare Trennung zwischen Philosophie und spiritueller Praxis. Denkrichtungen wie Platon, Aristoteles oder die Stoiker sahen Philosophieren als Weg zur Selbsterkenntnis, zur Lebensgestaltung und zur Erleuchtung. Für sie war Philosophie eine Lebensweise, die durch Übungen wie Selbstreflexion, Kontemplation und ethisches Handeln geprägt war – Merkmale, die auch spirituelle Praxis kennzeichnen. Der Philosophie-Überlieferung zufolge diente das Streben nach Weisheit nicht nur der Erkenntnis, sondern der Transformation des Menschen.

Philosophie als kritisches Denken.

In der modernen, wissenschaftlichen Philosophie dominiert hingegen ein analytischer, kritischer und systematischer Ansatz. Hier geht es um Begründung, Unterscheidung und Verwerfung von Gedanken. Philosophie basiert auf Vernunft, nicht auf Glauben oder transzendenten Erfahrungen. Sie unterscheidet sich von Spiritualität dadurch, dass sie ihre Autorität nicht aus „ausser- oder übervernünftigen“ Quellen (wie göttlicher Offenbarung oder mystischer Intuition) bezieht, sondern aus der kritischen Reflexion.

Philosophie als Lebensweiser.

Die Bedeutung des Wortes Philosophie ist “Lehre des Lebens”. Von Geburt bis zum Tod sind wir Menschen an ein Leben gebunden. Das ist einerseits das physische Leben, also unser Körper der uns jeden Tag, egal wohin wir gehen, begleitet. Er ist unser Transportgerät, unser Lastkraftwagen, unser Schiff, unser Wanderbegleiter. Vom Morgen beim Aufstehen bis am Abend, wenn wir zu Bett gehen und uns zur Ruhe legen, unser Körper ist da. Und er ist uns treu und loyal ergeben.

Dann ist da auch unser Gehirn. Ebenfalls eine physikalische Einheit. Ein Organ das unglaubliche Arbeit leistet. Es versorgt uns unbewusst mit Sauerstoff, ohne das wir daran denken müssen, dass wir atmen sollen. Das Gehirn sorgt auch dafür, dass wir nicht daran denken müssen wie eine Mahlzeit verarbeitet werden muss. Unser Verdauungssystem organisiert die Verarbeitung eines Mahles ganz alleine. Es zerkleinert Lebensstoffe und Bausteine in Moleküle, transportiert die Molkeküle über die Blutbahnen an alle, auch entlegene, Orte im Körper, sodass sie ihrer Bestimmung zum Erhalt des physikalischen Lebens nachgehen können.

Andererseits finden gesprochene oder gelesene Worte sowie gesehene Bilder den Weg in unser bewusstes Denken. Diese Informationen werden verarbeitet, je nach Neigung und Präferenzen eines Individuums und lösen wiederum biochemische Botenstoffe im Körper aus, sodass wir entsprechend denken und handeln. Die Natur ist dabei bedacht, den Körper in seiner gesamten Form, immer am Leben zu erhalten. So wird uns unser Körper, je nach erhaltener Information, entweder in Sicherheit bringen wollen, oder er stellt sich auf eine körperliche Begegnung ein.

So oder so, das Leben als solches, wird uns eine Lehre geben. Wir werden daraus Erkenntnisse gewinnen für die Zukunft.

Wenn wir uns aus einer solchen Begegnung in einem ruhigen, entspannten Moment reflektieren, also uns Gedanken über unser eigenes Verhalten machen, so können wir daraus eine Lehre ziehen. Machen wir uns Gedanken zu unserem Verhalten und ziehen daraus Erkenntnisse, so können wir für ein künftiges Ereignis, mit dem neu gewonnenen Wissen, uns besser verhalten. Das alles geschieht jedoch nur, also das Ziehen einer Lehre, wenn wir uns denn auch Gedanken machen.

Wir Menschen haben aus kommerziellen Gründen ganz viele Ablenkungen geschaffen. Ablenkungen, die verhindern, dass wir uns Gedanken machen, dass wir uns nicht selbst reflektieren. So lernen viele Menschen nichts über sich selbst und ihr Verhalten. Denn vielleicht war das Verhalten in einer bestimmten Situation nicht richtig. Man hätte es vielleicht besser machen können, würde man die gewonnenen Erkenntnisse überdenken und künftig anders handeln.

Jedoch wird das philosophische Nachdenken, also das Denken über das Lernen des Lebens, nicht geschult. Niemand erklärt dir, wie du über das Leben denken sollst. Du wirst davon abgelenkt oder du musst für deinen Beruf lernen. Inhalte aus Büchern auswendig lernen, von jemandem, dem du noch nie begegnet bist und meistens jedenfalls, nie begegnen wirst. Du weisst also nicht, ob das vorgelegte Wissen für dein Leben tatsächlich lebensfördernd ist. Es ist ganz sicher berufsfördernd. Doch ist das dein Leben?

Was ist denn nun Spiritualität?

Spiritualität ist die bewusste Hinwendung zu einer höheren Dimension des Lebens jenseits von Materie und Ego, die das Streben nach Wahrheit, Liebe und innerem Frieden beschreibt. Sie umfasst die individuelle Suche nach einem höheren Sinn und die Erfahrung einer immateriellen, transzendenten Wirklichkeit, die durch Gott, das Universum, eine höhere Macht oder die tiefe Verbundenheit mit dem Leben selbst definiert sein kann. 1, 2

Im Gegensatz zur Religiosität, die oft an traditionelle Glaubensgemeinschaften und Dogmen gebunden ist, ist Spiritualität eine persönliche, subjektive Lebensanschauung, die nicht zwingend religiös sein muss. Sie zeichnet sich durch eine Haltung der Transparenz aus, bei der das Denken durchlässig für das Göttliche wird und der Mensch sich als Instrument eines grösseren Ganzen versteht.

Zu den zentralen Merkmalen und Praktiken gehören:

Verbundenheit: Das Gefühl der Einheit mit der Natur, anderen Menschen und dem Kosmos. 3

Innere Erfahrung: Die Orientierung an Intuition, Gefühl und Achtsamkeit statt an rein rationaler Logik. 4

Praktiken: Methoden wie Meditation, Yoga, Dankbarkeitstagebücher oder Naturverbundenheit, um den Geist zu klären und die Verbindung zur eigenen Seele zu stärken.

Sinnfindung: Die ständige Auseinandersetzung mit existentiellen Fragen wie „Wer bin ich?“ und „Was ist der Sinn des Lebens?“.

Zusammenfassung:

Philosophie kann spirituell sein, wenn sie als Lebenspraxis verstanden wird, die persönliche Transformation, tiefe Verbundenheit und Sinnfindung anstrebt.

Philosophie ist nicht per se spirituell, wenn sie ausschliesslich als intellektuelle, analytische Disziplin betrieben wird.

Beide Bereiche ergänzen sich: Philosophie kann die Grundlage für eine kritische Spiritualität liefern, während spirituelle Erfahrungen das philosophische Denken bereichern können.

Ein tiefes Verständnis der Welt erfordert oft beides: die kritische Distanz der Philosophie und die Intimität der spirituellen Erfahrung.

Zentrale Erkenntnis: Philosophie und Spiritualität sind nicht identisch, aber sie können sich gegenseitig bereichern – besonders wenn Philosophie nicht nur „Denken“ ist, sondern auch Leben.

Und gerade beide Disziplinen, Philosophie wie auch Spiritualität, sind in der heutigen Gesellschaft kaum mehr vorhanden. Ablenkungen wie Konsum aller Art von Produkten, Spielereien mit jeglich erdenklichen Tools halten die Menschen auf Trab um auf keinen Fall über sich und sein Leben zu philosophieren. Es könnte dabei ja noch die eine oder andere Antwort geben, die die Masse von den teier und aufwendig inszenierten Manipulationen entfernt und die Menschen beginnen, zu hinterfragen und kritische Fragen stellen.

Philosophie und Spiritualität können erlernt werden wenn man sich für das Leben entscheidet. Entscheidet man sich für das blosse existieren, das funktionieren, dann wird der Mensch der Bauer auf dem Schachbrett bleiben. Eine Manipulier-Masse für wenige.


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