Unsere-Enquete-Kommission am 19. März 2026

Eine Rezension
Unsere-Enquete-Kommission am 19. März 2026

Ein Theaterstück. Grundkonzept: Es soll dargestellt werden, wie zwei Parallelwelten in einer Posse Dialog spielen. Mit jeder neuen Aufführung wird erkennbarer, dass es sich eigentlich um zwei Stücke in einem handelt. Vorlage für das Drehbuch wohlmöglich der Ablauf eines Schau-Prozesses. Regie: Mitarbeiter der Demokratie-Simulation. Konzept: In jeder neuen Aufführung treten zum Teil bekannte, aber auch neue Akteure auf, das hält die Spannung.

Immer wieder neue Variationen des Ensembles „Wir haben im Großen und Ganzen alles richtig gemacht“, bei gleichzeitigem Freeze des Erkenntnisstands von ungefähr Anfang 2020. Seitdem hat die Zeit gefälligst stehen geblieben zu sein, denn es gibt kein Zurück mehr. Wir haben die Inszenierung mit so viel Steuergeld subventioniert, dass es unser kultureller Tod wäre, wenn wir jetzt zugeben würden, dass wir uns so sehr wie nie zuvor verrannt haben.

Das andere Ensemble darf aus einem schier unerschöpflichen Vorrat an Personen, die erkannt haben, dass sich Erkenntnisse erweitern und sogar belegen lassen, immer neue und aktualisierte Fakten liefern. Und die Aufgabe des anderen Ensembles ist, diese mit aller Kraft zu leugnen. Dadurch entsteht Spannung und Dramaturgie.

Wissenschaft ist immer nur eine Momentaufnahme. Was heute noch gilt, kann morgen schon überholt sein. Das zu widerlegen, dem zu widersprechen, ist Sinn, Aufgabe und Handlungsstrang der Aufführung.

Altes Wissen dient dazu, im Nachhinein zu rechtfertigen, wovon heute schon längst das Gegenteil bewiesen ist. Das erklärt, warum das Stück in zwei unterschiedlichen Zeiten spielt. Die eine Seite befindet sich lichtvoll in der Gegenwart, die andere Seite im finsteren Mittelalter, in dem Alchimisten, die vorgeben Blei zu Gold machen zu können, uneingeschränkter Glaube geschenkt wird, weil sie den dunklen Kräften näherstehen, als der hellen Wahrheit, die das widerlegt.

Dramaturgische Aufgabe der Systemlinge ist es, darzustellen, wie erfolgreich man sich vor der Realität verweigern kann. Ziel des Ignorierens der Realität soll wohl sein, durch fortwährendes Lügen und Bestreiten jede Aussicht auf ein Wiedererringen einer gewissen Glaubwürdigkeit zu verhindern.

Im Konzept der eng getakteten Sprechzeiten weht nicht der leiseste Hauch des Geistes der Freiheit, wie er sich in einer Demokratie, die ihren Namen verdient hätte, ungehindert ausbreiten sollte. Das ist ein innovatives Konzept einer modernen Aufführung, in dem gezeigt werden soll, das sprachliche Äußerungen auch in vorgegebenen Schablonen möglich sind.

Oberlehrerschaft, in Form des Vorsitzes wacht mit anwesender Polizei (Dein Freund und Helfer) darüber, dass private Aufnahmen und Mitschnitte der Aufführung nicht erfolgen. Die Steuerung der Verbreitung dieser Live-Übertragung, nach einer Idee eines norddeutschen Theaters in den 50-er Jahren, liegt allein im Ermessen derer, die die Urheberrechte an diesem Stück haben.

Dem Konzept nach könnte die Bundespressekonferenz-Show aus der gleichen Feder stammen.

Bei einigen Systemdarstellern konnte man sich die Frage stellen, was sie eigentlich sonst noch von Beruf machen, außer zu behaupten, dass man ohnehin schon zu den besten Darstellern gehöre, das einen jedoch nicht davon abhalten sollte, noch besser zu werden und die Perfidität in ihren Nuancen durchaus noch Optimierungspotenzial enthalten würde, was wesentlich zur Steigerung der Glaubwürdigkeit der Darstellung in der Rolle beitragen könnte.

Ein weiterer Staatsschauspieler bekleidete die Rolle des Vertreters für lebensrettende Maßnahmen als Wohltäter der Menschheit. Er hatte die Aufgabe darzustellen, wie wichtig es sei, zuerst sein eigenes Leben und dann das anderer zu retten. Beides sei fabelhaft gelungen, wobei auch die Darstellung von Selbstlob nicht zu kurz kam und die indirekte Aufforderung, man möge doch sein Ensemble baldmöglichst aufstocken.

Eine Staatsschauspielerin hatte die Aufgabe, die Kompetenz eines Scheinwerfers in Frage zu stellen, weil die Behauptung des verbotenen, milliardenfachen Menschenversuchs so natürlich nicht im Raum stehen bleiben durfte.

Der Chefkoch des Roberts-Koch-Studios zauberte im Handumdrehen einen Windbeutel auf die Bühne. Das Rezept dafür hatte er aus einem in Weisungen gebundenen Kochbuch in einer schwer verständlichen Sprache, die verhindern sollte, dass man an den Kern, das Grundrezept mit klaren, handfesten Zutaten herankommt. In seiner Rolle glänzte er als brillanter Unterhalter und jedes Mal, am Ende seines Textes, hatte man weder eine Ahnung davon, was er denn nun sagen wollte, noch eine Erinnerung daran, ob er denn jetzt wirklich überhaupt etwas gesagt hatte, was vielleicht der Aufmerksamkeit entgangen sein könnte.

Höhepunkt und Hauptdarsteller in dieser Inszenierung, die viele tragisch-komische Momente hatte, war jedoch der Darsteller des Mister Lunatic, auf dessen verhaltensoriginelle Präsenz man nun schon so lange hatte verzichten müssen. Die Rolle des Besessenen, der jenseits von Gut und Böse den Segen der Impfung verkündete, bewies seine Resistenz gegen neue Erkenntnisse mit solch einer Bravour, dass sie Nichtkönnern vor Neid auf den Magen schlagen könnte. Es muss Jahre gedauert haben, sich in diese Rolle einzuarbeiten, wahrscheinlich so gelernt in Harvard, denn er redete wie ein aufgezogenes Uhrwerk. Seine Worte schossen förmlich wie aus dem Maschinengewehr eines im Blutrausch befindlichen Besessenen aus ihm heraus. Die Rolle verkörperte er so glaubhaft, dass man in der Realität geneigt gewesen wäre, ihm dringend den Besuch eines Facharztes anzuempfehlen. Absolut glaubwürdig stritt er Gegendarstellungen vehement ab und behauptete, diese seien dreiste, bösartige Lügen, ja, es würden sogar immer noch Fake-News verbreitet werden.  Nicht zu vergessen, auch die Glanzleistung seiner Darstellung als Meister der Verwirrung und Verdrehung. Für diese Rolle sind mindestens ein Grimme-Preis und alle steinmeierschen sonstigen Orden sofort fällig. Und jedes Mal, wenn seine Sprechrolle an der Reihe war, hielt er täuschend echt den Leierkastenton gleich einer Schallplatte mit Endlosschleife, die immer wieder von vorne anfängt und parodierte damit einen ehemaligen Gesundheitsminister, der bis heute weitgehend schmerzfrei in einem Fiebertraum wandelt.

Weniger imposant dagegen die Akteure, die Licht ins Dunkle bringen wollten. Ihr unbeirrtes Festhalten an dem Streben, der Wahrheit an die Oberfläche zu verhelfen, wirkte dagegen schon fast langweilig. Wer will denn heute noch mit der Wahrheit konfrontiert werden, vor allem dann, wenn sie auch noch stimmt? Das überwiegende Publikum schätzt viel mehr Weltbildbestätigungen, damit es sich nicht mit der eigenen Entscheidung befassen muss.

Laut einer Umfrage unter Theatergängern sind 80% mit der Aufführung des Stücks „Ein Gift und eine Krone“ der Meinung, dass das deutsche Staatstheater gut durch die Vorstellung gekommen ist. Jetzt kann man sich natürlich fragen, unter welchen Voraussetzungen dieses Ergebnis zustande gekommen ist, denn es könnte ja auch sein, dass sie sich über Jahre erfolgreich davor geweigert haben, auch einmal ein anderes Stück anzusehen. Und wenn man keinen Vergleich hat, weil man keinen Vergleich haben will, dann kann man ja nur das gut finden, was man kennt. Vielleicht soll diese Aussage auch etwas verbergen, dass man im Grunde genommen kulturell doch recht ungebildet ist.

Es gab durchaus auch helle Momente, in denen die Scheinwerfer der Wahrheit, zum Beispiel durch einen auf eine Leinwand projizierten Akteur, die Bühne in helles, grelles Licht tauchte. Doch gleichzeitig konnte man sehen, wie dieses Licht von den dunklen Darstellern förmlich absorbiert wurde, um im Nirwana zu verschwinden. Doch wer weiß, welche Kraft es dort entfaltet? Damit ist es jedoch den Theaterverantwortlichen gelungen, dem Publikum das Grausen zu lehren und ihnen immer wieder kalte Schauer ob der Abgebrühtheit und Frechheiten, die hier so glaubhaft dargestellt wurden, über den Rücken laufen zu lassen.

Die Aufführung dieser Inszenierung hatte auch, wohl eher zufällig, einen weiterbildenden Charakter. Man wollte erreichen, dass das Vertrauen, vor allem in die Qualität zukünftiger Stücke, beim Zuschauer wieder wachsen soll. Ob das mit diesem Theater gelungen ist, liegt im Auge des Betrachters.

 

 

 

 

(pareto und Friedenstaube auch auf telegram unter https://t.me/pareto_artikel und https://t.me/friedenstaube_artikel )

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(Dieser Beitrag wurde mit dem Pareto-Client geschrieben.)

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(Bild von pixabay)


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