Hilfe, die Amis gehen!
Es ist wirklich zum Piepen komisch, wenn den Vertretern zweier, in der Spätpubertät feststeckender Länder, immer und immer wieder nichts besseres einfällt, als ein Schwanzvergleich.
Zwei Wetterhähne auf der Kirchturmspitze, oder besser anders, zwei aufgeblasene Gockel, unterhalten sich so, als seien sie die Herren des Windes, dabei richten sie sich nur sekündlich nach ihm aus.
Heute wird morgen schon gestern sein. Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern? Wird alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Man muss im Gespräch bleiben. Die Menschen müssen weiterhin den Atem anhalten. Ungewissheit lässt Platz für Spekulationen. Nur nicht festlegen. Alles kann, nichts muss. Es wird, wenn die Stunde gekommen ist. Das sind nur einige Redewendungen, die einem zu diesem Affentheater einfallen.
Ach ja, und um immer im Gespräch zu bleiben, zwischendurch auch noch ein Atten-Imitat.
“Die Vereinigten Staaten prüfen derzeit eine mögliche Reduzierung ihrer Truppen in Deutschland. Eine Entscheidung soll in Kürze getroffen werden.” Diese Meldung von Trump reicht, um die deutschen „Qualitäts-Nachrichten-Verbreiter“ in Aufruhr zu versetzen. Man könnte natürlich auch erst darüber berichten, wenn Fakten vorlägen, aber bis dahin wird es vielleicht ein wenig langweilig, darum lieber schon mal was Ungewisses raushauen.
Diese Meldung erinnert auch ein wenig daran, dass der Iran seit mindestens 1984 ständig kurz davor ist, eine Atombombe zu bauen. Vielleicht hat er ja auch schon eine, aus Lego?
Oh je, ohne die souveränitätsneutrale Besatzertruppe ist Deutschland ja vollkommen schutzlos, und dann kommt der böse Russe wohlmöglich doch schon vor 2029 und macht auch den Rest kaputt, den die deutsche Regierung bislang noch nicht geschafft hat.
Schließlich sind ja die US-Truppen zu einem festen Wirtschaftsfaktor geworden und sichern Tausende von Arbeitsplätzen! Wie würde wohl Deutschland heute aussehen, wie würde es heute wirtschaftlich dastehen, wenn die US-Truppen nie auf deutschem Boden stationiert gewesen wären? Deutschland hätte ständig Tausende von fehlenden Arbeitsplätzen mit sich herumgeschleppt und diese armen Menschen durchfüttern müssen. Ist das eine realitätsbezogene Einschätzung? Was ist mit den vielen Tausenden Arbeitsplätzen, die durch eine fehlgeleitete Wirtschaftspolitik, unter anderem in der Autoindustrie und durch steigende Firmenpleiten verloren gehen? Sagt da jemand, wir müssen an „Bewährtem“ festhalten, die vielen kleinen Mittelständler müssen unter allen Umständen erhalten bleiben, weil sie das Rückgrat der Wirtschaft bilden, weil wir dankbar sein müssen, dass sie das Land wiederaufgebaut haben?
Nach den erfahrungsgemäß vorübergehend gültigen Äußerungen des Reisekanzlers zum Iran-Konflikt sagte der US-amerikanische Ahnungslose über den deutschen Ahnungslosen: „Er hat keine Ahnung, wovon er spricht!“. Das sind wirklich politisch gehaltvolle Aussagen, und wenn das der US-amerikanische Präsident sagt, dann muss es ja stimmen.
Bereits in seiner ersten Amtszeit drohte der von Evangelikalen fast heiliggesprochene Vertreter Jesu auf Erden (oder war es ein Arzt?) mit einer Reduzierung der US-Truppe in Deutschland. Hätte er diese entspannungsbildenden Maßnahmen doch nur mal durchgezogen, dann hätten wohlmöglich Ramstein, Wiesbaden und Frankfurt, weder im Ukraine-Konflikt, noch im Iran-Konflikt als Informations- und Logistik-Zentrum auf deutschem Boden dienen können und Deutschland so herrlich militärisch uninteressant gemacht.
Leider aber stoppte sein autopenischer Nachfolger diese Pläne.
Aktuell wird Europa von rund 86.000 US-Soldaten besetzt, davon alleine rund 39.000 im unseredemokratischen Deutschland.
Wer glaubt heute noch daran, dass die Präsenz der US-Truppen in ganz Europa, in reiner US-amerikanischer Selbstlosigkeit erfolgt ist? Wir müssen den armen Europäern doch helfen! Oder haben die USA auch etwas davon gehabt, dass sie überall ihre Horch-und-Guck-Stationen platziert haben, um diese, wie in Ramstein, als Relais-Station für die Weiterleitung von Koordinaten für Angriffe, wie damals auch schon im Irak, zu nutzen? Hat Deutschland hierfür den USA jemals eine Rechnung geschickt? Wieviel wäre das wohl aus strategisch-militärischer Sicht für die USA wert gewesen?
Wenn es in Deutschland nicht so eine paranoide Bande von Geschichtsvergessenen, Waffen-Lobbyisten und Kriegsbegeisterten gäbe, dann würden in Berlin bereits die Champagner-Korken knallen: Hurra, die Amis verpieseln sich, am besten vollständig, und wir können endlich unsere Neutralität erklären, weil wir eingesehen haben, dass es weder militärisch sinnvoll, noch praktisch auf absehbare Zeit umsetzbar ist, dass Deutschland stärkste konventionelle Merz-Pistorius-Kraft in Europa wird. Wen ich nicht zu meinem Feind haben will, den mache ich zu meinem „Freund“, oder zumindest zu meinem Partner, wirtschaftlich, mit Völkerverständigung, mit Austausch, mit friedenssichernden Abkommen, mit der Annahme des putinschen Angebotes eines Nicht-Angriffs-Vertrages.
Genau das Gegenteil wäre zu tun, nämlich von deutscher Seite zu unterstützen, dass die Amis so schnell wie möglich in das Land ihrer unbegrenzten Möglichkeiten zurückkehren und dort in unbegrenzter Zahl Satelliten-Stützpunkte errichten, um auf eigenem Boden Krieg zu üben, wenn sie denn unbedingt wollen. Und die Tausenden von Arbeitskräften, könnten ja innerhalb eines Sozialplans noch eine Zeit lang dabei helfen, die Kartons zu packen, während andere sich schon mal Gedanken darüber machen würden, welche Wirtschaftszweige reanimiert werden sollten, um Abhängigkeiten von ausländischen Importen zu reduzieren, beispielsweise in der Kartoffelchips-Herstellung oder in der Destillierung von Klosterfrau Melissengeist oder Merz-Spezialdragees oder anderen pharmazeutischen Erzeugnissen. Bedarf gäbe es genug.
Und wenn wir schon mal dabei sind, Deutschland vom Kopf auf die Füße zu stellen. Haben wir wirklich ein aus Erdöl hergestelltes Düngerproblem? Deutschland hat keine Wasserknappheit, auch, wenn das einige gerne hätten, die heiße Sommerzeiten mit der sicheren Verwüstung Deutschlands verwechseln. Wie farblich grün, nicht politisch grünlich ist Deutschland, besonders im Frühling? Ist es richtig, dass Bauern Äcker und Wiesen brach liegen lassen müssen? Wenn ja, könnte man die nicht umpflügen und dort etwas anbauen? Was ist mit der über Jahrhunderte bewährten Fruchtfolge auf Anbauflächen? Was ist mit natürlichem Dünger, auch, wenn der dann mal zum Himmel stinkt? Dazu müssten jedoch die Bauern wieder das tun können, was sie am besten können, nämlich Landwirtschaft betreiben, statt Formularberge abzuarbeiten und Mengen zu melden, damit die EU-Idioten in Brüssel eine Daseinsberechtigung haben.
Wo ist der einst berühmte Erfindergeist der Deutschen? Wo ist die Innovationsfreude hingekommen? Wo der Pragmatismus und das Improvisationstalent? Oder ist das alles schon unter einer meterdicken Leimschicht begraben, die die geistlosen Hirne in Berlin über das ganze Land ausgeschüttet haben?
Man möchte morgens aufstehen und anfangen zu heulen, den ganzen Tag über weiter, um sich dann am Abend in den Schlaf zu heulen, wenn man sich bewusst macht, mit was für einer unerschöpflichen, idiotischen Energie ein ganzes Land politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich auf ein einziges Ziel hin ausgerichtet wird, und das ist die Deutsche Betonwand, nicht zu verwechseln mit der weltweit einmaligen Brandmauer. Immerhin, mit Wänden und Mauern kennt sich Deutschland ja aus.
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(pareto und Friedenstaube auch auf telegram unter https://t.me/pareto_artikel und https://t.me/friedenstaube_artikel )
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(Dieser Beitrag wurde mit dem Pareto-Client geschrieben.)
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(Bild von pixabay)
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