Der Mann muss ganz dringend an die frische Luft
Der ehemalige, leicht schmierige, einem kleinen Schnäppsken zwischendurch nicht abgeneigte Reporter aus einer fiktiven Stadt mit dem Namen Grevenbroich, die es genau so wenig gibt, wie Bielefeld (alles Fiktion!), hat in einer kreativen Pause eine neue Figur entwickelt, in der er seine politischen Ambitionen, die er schon zu Reporter-Zeiten hatte, voll ausleben kann.
Für diese, wieder bis ins kleinste Detail ausgefeilte Kunstfigur, soviel ist aus internen Kreisen durchgesickert, hat er ein Paar Gramm zu viel lekker Mittag gegessen (ebenfalls ewig in die Herzen eingebrannt, der Auftritt des als Koningin verkleidete NATO-Generalsekretär Rutte vor dem Portal von Schloss Bellevue) und sich auch schon einen Namen für seine Figur ausgedacht, denn das Leben muss ja weitergehen: Meine Damen und Herren, ich präsentiere Ihnen erstmalig – H A P E K E R K E L I N G ! ! !
In dieser, mit viel gewohnter und wie immer anspruchsvoller Phantasie ausgedachten Rolle, will „Hape Kerkeling“ vor allem den Höcke-Jäger geben.
Alte und junge Fans seines Humors warten schon gespannt auf einen ersten Trailer seines neuen Films, gedreht im Landtag von Thüringen, voraussichtlich noch im September 2026.
Nicht minder schräge und komische Experten, darunter eben auch besagter „Hape Kerkling“ wollen in illustrer Runde ein Verbot der in weiten Teilen rechtsradikalen Nachfolgepartei der NSDAP, unter Verwendung von Originalfilmausschnitten des vor hundert Jahren stattgefunden habenden Reichsparteitags, ein unserdemokratisches Verbot einer für eine Demokratie eher unüblichen Opposition erörtern. Besonders die zunehmende Zahl der Bürger, die sich inzwischen vorstellen können, dieser unbedingt zu verbietenden Partei ihre Stimme zu geben, freuen sich schon jetzt auf das Ergebnis der Dreharbeiten. Das wird ein Riesenspaß!
Sollte sich der Film, wie sein letzter, als Flopp herausstellen, wäre das für „Hape Kerkeling“ gar nicht so schlimm, immerhin traut sich der Komiker zu, dann auch eine Kandidatur für das Bundespräsidentenamt anzunehmen, womit sich ein Omen aus seinem aus 2009 stammenden Film erfüllen würde, der den Namen trägt „Isch kandidiere!“
Bereits im Vorjahr äußerte sich der Unserbundespräsidentenanwärter, der zwischenzeitlich auch Pressesprecher eines Konkurrenzunternehmens des Unternehmens war, das in Minden Filtertüten herstellt: „Leider schwappt diese braune Brühe (damit meinte er den Kaffee, der ebenfalls in Minden geröstet wird) ungefiltert (Filtertüten könnten helfen, wenn sie eben nicht vom Konkurrenzunternehmen hergestellt würden) in unser (Konkurrenz-)System.“
Sollte die Kunstfigur „Hape Kerkeling“ Bundespräsident werden, was in einer Bananenrepublik namens Unserdeutschland alles andere als unmöglich wäre, wird er den Zukurzgekommenen in der AfD sicher mal zeigen, was eine Hape, hurz, Verzeihung, eine Harke ist.
Angeblich sollen eine seiner ersten Amtshandlungen, dann als erster Mann im Mond, sorry, im Staat, die Einführung weiterer Denunzierungsportale wie „Volksverpetzer“ sein, von dem er in einer Sendung des Propagandafunks so begeistert war. -Blockwart-goes-Internet- ist genau das, worauf eine ganze Nation schon so lange so sehnsüchtig wartet.
Seine unseredemokratische Werbetour für die Präzidenzschaft wird ihn mit dem Adenauer-Bus durch das ganze Land führen, vermutlich auch mit dem Segen der EU-Reichsführerin in Brüssel, die sich derzeit so reizend um die armen Kinderlein kümmert.
Im Hintergrund beraten wird ihn Wolodymyr Selenksyj, der ja bekanntermaßen ebenfalls Komiker ist.
Als Groupies wünscht sich der hoffentlich zukünftige Herrscher von Bellevue die Omas gegen rechts vor links, die seine Auftritte mit dem auf die Melodie des Andachts-Jodlers neu aufgelegten Text „Scheiß AfD“ begleiten werden, wie es sich für wirkliche Demokraten gehört. Ob ihm die Dame mit der Schönen Aussicht (daher hat das Schloss ja seinen Namen) im Entree der dann kerkelingschen Residenz gefällt, ist noch nicht bekannt geworden.
Unvergessen auch seine Laudatio auf Agnes die stracke Zimmermännin in Düsseldorf, die in gleich vielerlei Hinsicht mehrere Nägel auf den Kopf trifft, wenn man sie zu lesen weiß. Der wichtigste Teil ist jedoch der, in dem die Waffenlobbyistin aus Rheinmetallhausen direkt angesprochen wird:
„Liebe Frau Strack-Zimmermann, ich danke Ihnen sehr herzlich für Ihr Engagement, für Ihre Arbeit, für Ihre Menschlichkeit und für Ihren Einsatz für eine offene und tolerante Gesellschaft.
Mein Lieblingsphilosoph, der Amsterdamer Baruch de Spinoza hat im 17 Jahrhundert schon gut beschrieben, wofür Sie heute als Mensch stehen: »Der letzte Sinn des Staates ist nicht, zu herrschen, noch die Menschen in Furcht zu erhalten oder sie fremder Gewalt zu unterwerfen, sondern vielmehr den Einzelnen von der Furcht zu befreien, damit er so sicher wie möglich leben und sein natürliches Recht, zu sein und zu wirken, ohne Schaden für sich oder andere, vollkommen behaupten kann. Es ist nicht der Zweck des Staates, die Menschen aus vernünftigen Wesen zu Tieren oder Automaten zu machen. Der Zweck des Staates ist in Wahrheit die Freiheit.« Baruch de Spinoza (1632–1677)
Ich gratuliere Ihnen ganz herzlich zur Josef-Neuberger-Medaille 2023.“
Damit es nicht heißt, da wäre etwas aus dem Zusammenhang gerissen, hier der Link zur gesamten Rede: https://www.juedische-allgemeine.de/unsere-woche/sie-haben-eine-klare-haltung/
Mehr, als dass einem die Spucke zu den derzeitigen Ambitionen des verkannten Politikers wegbleibt, wäre wohl im Augenblick erst einmal nicht zu sagen. Viele ehemalige Fans wünschen der Figur „Hape Kerkeling“ viel Erfolg. Und nicht vergessen: Repräsentieren ist Arbeit, Arbeit, Arbeit!
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