Es lebe die Demokratie, es lebe die FIFA!
Die Mechanik der Macht: Geld gegen Loyalität
Beim FIFA-Kongress, dem obersten Entscheidungsgremium, gilt prinzipiell das System “One Member, One Vote”. Jeder der 211 Mitgliedsverbände verfügt über genau eine Stimme.
Das bedeutet in der Praxis, dass kleine Nationen oder Inselgruppen wie Montserrat, San Marino oder Guam bei Wahlen genau das gleiche Stimmgewicht haben wie die erfolgreichsten und größten Fußballnationen, etwa Deutschland, Brasilien oder Argentinien. Dies greift bei essenziellen Entscheidungen wie der Wahl des FIFA-Präsidenten.
Auch bei der finanziellen Unterstützung verfährt die FIFA nach dem Gießkannenprinzip, insbesondere durch ihr Entwicklungsprogramm, das aktuell unter dem Namen “FIFA Forward” läuft.
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Jeder Verband erhält Zugang zu einem identischen Basis-Fördertopf.
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Für einen großen Verband sind diese Millionenbeträge kaum spürbar, da der Großteil der Einnahmen über eigene lukrative Sponsoren- und Fernsehverträge generiert wird.
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Für einen kleinen Verband in der Karibik, in Afrika oder Ozeanien sind diese FIFA-Gelder jedoch existenziell. Oft finanzieren sie fast den gesamten nationalen Fußballbetrieb, meist aber landen sie in den Taschen der Funktionäre.
In der aktuellen Periode hat jeder Mitgliedsverband – also auch die kleine Karibikinsel Montserrat mit nur etwa 4.500 Einwohnern – Anspruch auf bis zu 8 Millionen US-Dollar für diesen Vierjahreszeitraum. Dieses System wirkt auf den ersten Blick überaus demokratisch und fair, wie in unseren Demokratien hat auch hier jeder eine Stimme, egal ob Sozialhilfeempfänger oder Nettosteuerzahler.
Politiker und FIFA-Funktionäre sind keine selbstlosen Engel, die einem abstrakten Gemeinwohl dienen. Vielmehr sind sie rationale Akteure, die in erster Linie ihre eigene Position und Wiederwahl sichern wollen.
Genau dieses Muster lässt sich bei großen Sportverbänden perfekt beobachten. Durch Entwicklungshilfe-Programme flossen Milliarden von den Einnahmen der lukrativen Turniere in kleinere Verbände auf der ganzen Welt. Das primäre Ziel war dabei nicht die sportliche Nächstenliebe, sondern die loyale Bindung von Wählerstimmen. In westlichen Demokratien läuft ein sehr ähnlicher Prozess oft unter dem Begriff der Umverteilung.
Bestimmte Interessengruppen erhalten Subventionen, Steuergeschenke oder neue Sozialleistungen. Im Gegenzug organisieren und garantieren diese Gruppen Mehrheiten an der Wahlurne.
Ob es nun die Millionen für einen winzigen Karibikstaat sind, oder aber neue Sozialleistungen für Sozialhilfeempfänger – die Mechanik des Stimmenkaufs durch umverteilte Ressourcen ist verblüffend deckungsgleich.
Warum mag der deutsche Michel die FIFA also nicht?
Eigentlich müsste der deutsche Michel morgens voller Inbrunst eine FIFA-Fahne in seinem Vorgarten hissen. Denn wenn es eine heilige Kuh im Land der Dichter, Denker und Mülltrenner gibt, dann ist es unser urdemokratisches Grundprinzip der absoluten Gleichheit an der Wahlurne.
In unserer geliebten staatlichen Demokratie ist es nämlich völlig wumpe, ob du als DAX-Konzernchef jährlich Millionen an Steuern in den Staatssäckel butterst oder ob deine größte finanzielle Eigenleistung darin besteht, rechtzeitig den Bürgergeld-Antrag auszufüllen – am Wahlsonntag ist dein Kreuz exakt gleich viel wert. „One Man, One Vote.“ Niemand käme auf die Idee zu fordern, dass der Reiche bei der Wahl mehr zu sagen haben sollte. Das ist schließlich das Fundament unserer Gesellschaft!
Schaut man nun nach Zürich zur FIFA, sieht man exakt dasselbe Prinzip, nur im XXL-Sportformat: „Ein Verband, eine Stimme.“ Die gewaltige DFB-Maschinerie mit ihren sieben Millionen Mitgliedern, die durch Sponsoren und TV-Rechte gefühlt die halbe Fußballwelt mitfinanziert, wirft zielsicher ihren Stimmzettel in die Urne. Wer steht direkt dahinter in der Schlange? Der Präsident der Montserrat Football Association. Der vertritt zwar insgesamt nur etwa 4.500 Einwohner auf einer Asche spuckenden Vulkaninsel, aber – welch ein Triumph der Gleichberechtigung – seine Stimme ist exakt so mächtig wie die des mächtigen DFB.
Warum also kriegt der gemeine Deutsche beim Thema FIFA regelmäßig Schnappatmung?
Doch irgendwann fällt selbst beim treudoofsten deutschen Michel im karierten Schlafanzug der Groschen. Pünktlich zum morgendlichen Filterkaffee reibt er sich die Augen und ihm dämmert: „Halt Stopp, dieser ganze Laden ist ja ein astreiner Scam!“
Die UEFA legt nach der neusten Idee Infantinos direkt die nukleare Option auf den Tisch: „Wenn das so weitergeht, packen wir unsere Bälle ein und treten aus der FIFA aus!“
Und hier schließt sich der Kreis auf geradezu poetische Weise. Einfach die Flatter machen, wenn man realisiert, dass man als Dauer-Melkkuh die ganze Party finanziert, während andere das Buffet leerräumen… Tja, das ist lustigerweise auch so ziemlich der einzige und letzte Notausgang, der dem geschröpften deutschen Nettosteuerzahler am Ende oft noch bleibt:
Koffer packen und sich per Auswanderung aus dem florierenden „BRD-Steuer-Scam“ verabschieden.
Es lebe die Demokratie, es lebe die FIFA!
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