Yen und der Dollar in der Schuldenfalle

In jüngster Zeit geriet der japanische Yen stark unter die Räder und rutschte im Vergleich zum US-Dollar zeitweise auf ein fast 40-jähriges Tief ab. Um diesen Abwärtstrend zu bremsen, intervenierten Japan und die USA gemeinsam an den Devisenmärkten und kauften massiv Yen auf.
Yen und der Dollar in der Schuldenfalle

Offiziellen Zahlen zufolge belief sich diese Stützungsaktion auf etwa 36,6 Milliarden US-Dollar. Schätzungen von Bloomberg deuten jedoch darauf hin, dass die tatsächliche Summe sogar noch höher liegen könnte.
Zudem berichtete die Financial Times, dass US-Finanzminister Scott Bessent die Yen-Stützung nicht, wie zu erwarten, mit dem Verkauf von Dollars finanzierte, sondern dem von Euros. Und das, ohne die Europäische Zentralbank (EZB) vorab zu informieren.

„Wir werden nicht zögern, uns an weiteren gemeinsamen Interventionen zu beteiligen.“

US-Finanzminister Scott Bessent

Bei dieser Aktion spielten auch massive Eigeninteressen der USA eine Rolle. Der gemeinsame Eingriff am Markt wurde nämlich bewusst so konstruiert, dass die Bank of Japan – der größte ausländische Gläubiger der Vereinigten Staaten – keine US-Staatsanleihen aus ihren Reserven abstoßen musste. Ein solcher Verkauf hätte die Renditen und somit die Zinslast für die amerikanischen Papiere unweigerlich nach oben getrieben. Für die USA, deren Staatsverschuldung bei 123 Prozent der Wirtschaftsleistung liegt, wäre das ein höchst unerwünschtes Szenario gewesen.

Risiko durch Carry Trades

Ein weiteres Motiv für das Eingreifen dürften die sogenannten Yen-Carry-Trades gewesen sein. Bei diesen Geschäften machen sich Investoren die nach wie vor extrem niedrigen Zinsen in Japan zunutze: Sie leihen sich dort billig Geld und investieren es in anderen Währungsräumen in renditestärkere oder riskantere Anlageklassen wie Aktien. Das befeuert letztlich die Nachfrage an den weltweiten Finanzmärkten enorm. Doch diese Carry Trades sind kein finanzielles Perpetuum mobile. Sie funktionieren nur, solange der Zinsunterschied groß genug bleibt und der Yen nicht plötzlich massiv an Wert gewinnt.

Warum nicht einfach die Zinsen anheben?

Die Bank of Japan (BoJ) steckt in einem enormen Dilemma. Es klingt logisch, einfach die Zinsen zu erhöhen, um die Währung (den Yen) zu stärken und die Inflation zu bekämpfen. Tatsächlich hat die BoJ im Jahr 2024 auch begonnen, die Zinsen nach Jahrzehnten der Null- und Negativzinsen ganz leicht anzuheben.

Aber sie kann die Zinsen nicht “einfach so” und vor allem nicht stark erhöhen, wie es etwa die EZB oder die US-Notenbank getan haben. Dafür gibt es einige Gründe die es zu verstehen gibt.

Gigantische Staatsverschuldung
Japan hat die mit Abstand höchste Staatsverschuldung aller Industrienationen – sie liegt bei über 250 Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP). Zum Vergleich: In den USA sind es gut 120 Prozent, in Deutschland etwa 63 Prozent. Wenn die japanische Zentralbank die Zinsen spürbar anhebt, muss der japanische Staat plötzlich gewaltige Summen aufbringen, nur um die Zinsen für diese gigantischen Schulden zu bezahlen. Das könnte den Staatshaushalt sprengen.

Eine sehr zerbrechliche Wirtschaft
Japan steckt in einer jahrzehntelangen wirtschaftlichen Stagnation. Die Wirtschaft wächst nur sehr schwach, und die Bevölkerung schrumpft und überaltert. Zinssteigerungen machen Kredite für Unternehmen und Verbraucher teurer. Das bremst Investitionen und Konsum ab. Die Zentralbank hat große Angst, die ohnehin schwache Wirtschaft damit komplett abzuwürgen.

Die Zentralbank sitzt in der Falle

Bei so hohen Schulden hat man kaum Handlungsspielraum, schon bei einem Zins von rund 5,4 Prozent würden die reinen Zinskosten 70 Billionen Yen verschlingen. Der japanische Staat hätte dann keinen einzigen Yen mehr für Renten, Straßen, Schulen oder Verteidigung übrig. Bereits bei einem Zins von rund 4 Prozent würden etwa zwei Drittel der Steuereinnahmen nur für Zinsen draufgehen.

Die Zentralbank hat den Zins im Juni 2026 auf 1,0 Prozent angehoben (von zuvor 0,75 Prozent) und ihn bei ihrer letzten Sitzung Ende Juli 2026 unverändert auf diesem Wert von 1,0 Prozent belassen.

Frag einen ökonomischen Flacherdler zum Thema Staatsschulden (Höfgen, Fratzscher und Co), und er wird dir freudestrahlend erklären, dass ein Minus auf dem Konto eigentlich pure Gesundheit ist. Als ultimativen Beweis für diese ‘Modernen Märchen-Theorien’ (MMT) wird dann zielsicher auf Japan gezeigt – quasi das Hogwarts der unbegrenzten Verschuldung, wo das Geld aus dem Nichts gezaubert wird und Zinsen nur eine böse Erfindung von Muggeln sind.

Schulden und noch mehr Schulden

Die USA helfen Japan nicht aus Nächstenliebe, sonder aus purem Eigeninteresse.
Die Sorge in Washington: Würde Tokio in die Enge getrieben und begänne, massenhaft US-Staatsanleihen abzustoßen, stiegen die Zinsen am US-Markt unweigerlich an – was den gigantischen Schuldendienst der Amerikaner drastisch verteuern würde.

Japan ist aktuell (Stand Mai 2026) der mit Abstand größte ausländische Gläubiger der USA. Das Land hält US-Staatsanleihen im Wert von rund 1.143 Milliarden US-Dollar.

Japan hält nur etwa achtmal so viele US-Staatsschulden wie Tether. Bemerkenswert ist hier nicht der Abstand zu Japan, sondern wie absurd weit oben Tether im globalen Ranking mitspielt. Mit diesen 141 Milliarden USD gehört das Krypto-Unternehmen mittlerweile zu den 20 größten Gläubigern der USA weltweit. Zum Vergleich: die BRD, besser gesagt die Bundesbank, Banken, Versicherungen und Pensionskassen, halten weniger als 100 Mrd US-Staatsschulden.

Was bedeutet diese Situation für Bitcoin?

Die Zentralbanken stecken zunehmend in einer geldpolitischen Sackgasse, aus der es kaum noch einen schmerzfreien Ausweg gibt. Ihre präferierte, wenn nicht gar einzige Option ist die Hoffnung, aus dem enormen Schuldenberg schlichtweg “herauszuwachsen”. Die Strategie dahinter: Die Geldmenge wird weiter ausgeweitet, während man gleichzeitig versucht, die Inflation unter Kontrolle zu halten.
Eine der besten Auswege aus diesem Betrugssystem ist Bitcoin.

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