Wenn das Geld spricht: Krypto-Spenden für die Politik – und was das für Bitcoin bedeutet

Nigel Farage hat die größte Einzelspende in der Geschichte der britischen Parteienfinanzierung erhalten. Zwei Krypto-Milliardäre überwiesen seiner Partei Reform UK insgesamt 72 Millionen Pfund – rund 84 Millionen Euro. Doch die eigentliche Frage ist eine andere: Ist es Bitcoin, das hier politischen Einfluss kauft – oder sind es Menschen, die durch Bitcoin reich wurden? Und welches Bild zeichnet das von einer Bewegung, die einst für Freiheit, Dezentralität und die Entmachtung der Eliten stand?
Wenn das Geld spricht: Krypto-Spenden für die Politik – und was das für Bitcoin bedeutet

Die Spende, die die Demokratie-Debatte entfacht

Den Anfang machte BitMEX-Mitbegründer Ben Delo mit einer Zuwendung von 36 Millionen Pfund, die er vollständig im Voraus beglich – offenbar um möglichen gesetzlichen Blockaden zuvorzukommen. Nur einen Tag später legte Unternehmer Christopher Harborne nach und verdoppelte die Summe.

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Der Sunday Mirror sprach von einem „düsteren Tag für die Demokratie“. Duncan Hames von Transparency International UK nannte die Zahlungen einen „unwiderlegbaren Beweis“ für die Notwendigkeit einer Spendenobergrenze. Seine Warnung: „Bei diesem Tempo könnten am Ende nur zwei Menschen unsere Demokratie kaufen, noch bevor die nächste Wahl stattfindet.“

Die Geldgeber: Zwei Krypto-Milliardäre mit Geschichte

Beide Spender beteuern, keine persönlichen Vorteile anzustreben. Delo, der 2022 in den USA wegen Verstößen gegen das Bankgeheimnis verurteilt und im März 2025 von US-Präsident Trump begnadigt wurde, will der Partei schlicht zu mehr Wettbewerbsfähigkeit verhelfen. Auch Harborne weist den Vorwurf der Einflussnahme zurück.

Doch die Vergangenheit wirft Schatten voraus. Gegen Farage läuft bereits eine parlamentarische Untersuchung, nachdem er 2024 ein persönliches Geldgeschenk von genau diesem Harborne in Höhe von fünf Millionen Pfund erhalten hatte.
Die Frage: Hätte er es anmelden müssen? Farage spricht von einem Geschenk ohne Bedingungen. Die Polizei prüft zudem, ob hochrangige Parteivertreter versucht haben, Spenden aus ausländischen Quellen zu verschleiern.

Gesetzesänderung in Sicht?

Ein bereits diskutierter Änderungsantrag zum Representation of the People Bill sieht vor, bestimmte Spenden aus dem Ausland auf 100.000 Pfund pro Jahr zu begrenzen. Ob Delo und Harborne darunterfallen, hängt von ihrem Aufenthaltsstatus ab: Delo kehrte von Hongkong nach Großbritannien zurück, Harborne lebt in Thailand. Labour-Abgeordnete bringen zudem ein dauerhaftes Verbot von Spenden aus dem Krypto-Sektor ins Spiel.

Die eigentliche Frage: Was bedeutet das für Bitcoin?

Ist es wirklich Bitcoin, das hier politisch einflussreich wird – oder sind es Menschen, die durch Bitcoin reich geworden sind und nun ihre Macht ausspielen?
Natürlich ist es nicht Bitcoin oder Krypto selbst, das hier handelt – es sind Menschen, die mit dem erwirtschafteten Vermögen Politik machen. Doch spielt diese Unterscheidung für die Menschen da draußen überhaupt eine Rolle? Verstehen sie überhaupt den Unterschied?

Das Phänomen ist längst kein britisches. Auch in Deutschland hat die Krypto-Branche den Weg in die Parteienkassen gefunden. Anfang 2025 verteilte Bitpanda-Gründer Eric Demuth insgesamt 1,75 Millionen Euro an CDU, CSU, SPD und FDP – jeweils 500.000 Euro, die CSU erhielt 250.000 Euro. Seine Begründung: Die Parteien hätten ein „realistisches Konzept für ein wirtschaftlich starkes, modernes und zugleich soziales Deutschland“. Die Grünen gingen leer aus, ebenso die Linke und die AfD – obwohl ausgerechnet die AfD Bitcoin in ihrem Wahlprogramm thematisiert. Es ging Demuth offenbar nicht um Krypto-Freundlichkeit, vielleicht ging es ihm um wirtschaftspolitische Nähe und den Zugang zu Politiker-Netzwerken?

Ob die 1,75 Millionen Euro wirklich gut angelegt waren, lässt sich durchaus bezweifeln. Hätte er das Geld stattdessen in die Stärkung von Free and open-source software (FOSS) oder in die stärkung der Bitcoin Community gesteckt – dem Bitcoin-Ökosystem wäre sicher mehr geholfen gewesen.
Sein Ansehen in der Community wäre dadurch sicherlich auch gestiegen – doch vielleicht wiegt die Nähe zur Politik für ihn einfach schwerer.

Ein gefundenes Fressen für die Gegner der freien Marktwirtschaft

Noch problematischer ist die Signalwirkung, die von solchen Vorfällen ausgeht. Wenn sich Politiker wie Nigel Farage oder Donald Trump demonstrativ hinter Bitcoin stellen, mag das kurzfristig Kursphantasien befeuern. Langfristig aber liefern sie den Gegnern der freien Marktwirtschaft genau das Argument, das diese brauchen:

„Seht her – Bitcoin ist kein Werkzeug der Freiheit, sondern ein Instrument der Reichen, um Politik zu kaufen. Bitcoin ist nicht die Lösung, es ist das gleiche Problem in neuem Gewand.“

Denn nichts nützt den Verfechtern von Regulierung, Verboten und staatlicher Kontrolle mehr als der Anschein, dass Bitcoin nur einer neuen Elite dient. Wer die Märkte frei haben will, muss auch die Machtkonzentration benennen, die aus ihnen entsteht – sonst überlässt man das Feld denen, die genau deshalb mehr Staat fordern.

Ein schmaler Grat

Bitcoin selbst ist neutral. Es ist ein Protokoll, keine Politik. Aber die Menschen, die es nutzen, sind es nicht. Wenn die Reichsten unter ihnen politische Parteien finanzieren, fallen zwei Dinge zusammen, die Bitcoin in ein schiefes Licht rücken: der Anschein von Käuflichkeit (ist nicht nur an Anschein bei Politikern :-) und die Vereinnahmung durch Politiker.

Die Frage, die sich stellt, ist unangenehm, aber notwendig:

Schadet die politische Einflussnahme Bitcoin-reicher Akteure dem Ansehen von Bitcoin mehr, als sie nutzt? Und laufen wir Gefahr, dass Bitcoin am Ende nicht als Befreiung, sondern als nächste Stufe der Plutokratie wahrgenommen wird?

Vor allem aber, können wir überhaupt etwas gegen diese Entwicklung tun oder sind wir nur ihre machtlosen Beobachter?

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