₿ Bitcoin Daily
- Bitcoin stabilisiert sich bei 77.700 Dollar – Binance meldet 90 Prozent Ersatz, FBI nennt Nordkorea
- Technik
- 18 Jahre Whitepaper: Die Community feiert – und diskutiert Sicherheit, Zyklen und Selbstverwahrung
Bitcoin stabilisiert sich bei 77.700 Dollar – Binance meldet 90 Prozent Ersatz, FBI nennt Nordkorea
Drei Tage nach dem größten Krypto-Hack der Geschichte beruhigt sich der Markt: Bitcoin notiert am Sonntagmorgen bei rund 77.700 US-Dollar, Binance will heute die Auszahlungen wieder öffnen, und das FBI hat Nordkorea offiziell als Täter benannt.
Der Kurs: leichte Erholung nach dem Schock
Ein Bitcoin kostete am Sonntag, 1. November 2026, um 06:04 Uhr (MEZ) 77.737 US-Dollar beziehungsweise 69.411 Euro. Das ist ein Plus von rund 0,8 Prozent gegenüber dem Vortag. Die Marktkapitalisierung liegt bei etwa 1,56 Billionen Dollar, das gehandelte Volumen der letzten 24 Stunden bei rund 45 Milliarden Dollar. Der Wochenendhandel ist damit ruhig verlaufen: Nach dem Einbruch am Freitag hat sich der Kurs knapp unter der Marke von 78.000 Dollar eingependelt. Gemessen an der Dimension des Binance-Vorfalls ist die Reaktion also vergleichsweise milde ausgefallen.
Die Gründe: Binance zahlt, Nordkorea war es
Der wichtigste Faktor für die Beruhigung ist die Zusage von Binance, den Schaden vollständig selbst zu tragen. Die Börse hat nach eigenen Angaben inzwischen 90 Prozent der gestohlenen Vermögenswerte wiederbeschafft – nach 80 Prozent am Vortag.
Den Rest bilden vor allem weniger liquide Token, die Binance über den Markt und außerbörslich zukauft. Finanziert wird das aus der Unternehmenskasse, einem Teil des Notfallfonds SAFU und einem Teil des Versicherungsfonds für Futures. Die Auszahlungen sollen am heutigen Sonntag wieder starten.
Parallel ist die Täterfrage offiziell geklärt. Das FBI hat am 31. Oktober bestätigt, dass Nordkorea für den Diebstahl von mehr als 6 Milliarden Dollar verantwortlich ist.
Laut FBI haben die Angreifer gestohlene Werte bereits in Ether umgetauscht. Laut Glassnode ist der Binance-Hack mit rund 6,3 Milliarden Dollar größer als die nächsten neun größten Krypto-Hacks zusammen. Der bisherige Rekord war der Bybit-Exploit mit 1,5 Milliarden Dollar.
„I’ve always felt it was a little bit dangerous. But no, they say they have it pretty much under control. We’ll see.“ Donald Trump
„Binance has committed its own balance sheet to making customers whole. I expect it to deliver. Our industry will learn from this incident, strengthen security, and emerge stronger and more resilient.“ Michael Saylor
„I do have conviction that over any reasonable time frame, this does not change the investment thesis on Bitcoin.“ Matt Cole, CEO von Strive
Auf X fasste der On-Chain-Analyst @therationalroot die Lage in einem Satz zusammen: „Reset to the STH Cost Basis.“ Bitcoin ist demnach auf die durchschnittliche Einstandsbasis kurzfristiger Halter zurückgefallen – ein Niveau, das in seiner Analyse als Prüfstein für das Momentum gilt.
Technik
Signierprozess statt Schlüssel: Was der Binance-Hack technisch lehrt – plus Eltoo mit TEMPLATEHASH auf Signet
Das Wochenende stand technisch im Zeichen der Sicherheit: Neue Details zum Binance-Angriff zeigen, dass nicht private Schlüssel, sondern der Signierprozess das Einfallstor war. Gleichzeitig gab es KI-gestützte Angriffe auf Chainalysis und auf Delving Bitcoin ein spannendes Experiment zu Covenants.
Binance: Der Angriff auf den Signierprozess
Je mehr Details zum Rekord-Hack bekannt werden, desto klarer wird: Die Angreifer mussten keine Wallet-Schlüssel stehlen. Laut Blockaid-CEO Ido Ben-Natan, die Täter hätten offenbar den Transaktions-Signierprozess von Binance kompromittiert. Binance selbst erklärte, man habe keine Hinweise darauf, dass private Schlüssel geleakt wurden; die Untersuchung laufe aber noch.
Kryptografie schützt nur so gut wie die Prozesse drumherum. Wenn ein Angreifer die Software kontrolliert, die entscheidet, was signiert wird, helfen auch sicher verwahrte Schlüssel nicht.
Chainalysis: Angriff mit KI-Agenten
Diese Nachricht wird sicher einige in der Community freuen :-).
Die Angreifer verschafften sich Zugang zu internen Systemen von Chainalysis und erbeuteten Kundendaten: Nutzernamen, E-Mail-Adressen, Benutzer-IDs und Angaben zu Rollen in Organisationen. Dabei kamen laut Unternehmen „offensive agentic techniques“ zum Einsatz, also KI-gestützte Angriffsmethoden.
Für Bitcoiner heißt das vor allem: Mit geleakten Namen und E-Mail-Adressen steigt das Risiko gezielter Phishing-Mails.
Delving Bitcoin: Eltoo mit TEMPLATEHASH
Entwickler bauen gerade auf dem Bitcoin-Testnetz neue Wege, wie zwei Leute miteinander bezahlen können, ohne dass jemand einen alten Zwischenstand nochmal „zurückdrehen“ kann.
Stell dir einen gemeinsamen Topf vor (einen Channel): Alice und Bob zahlen rein und führen eine Art Kassenbuch. Bei klassischen Lightning-Kanälen muss man alte Zwischenstände hart bestrafen, sonst könnte jemand einen günstigeren alten Stand einschieben. Bei Eltoo soll das einfacher werden: Wer einen neueren Stand hat, ersetzt einfach den alten – ohne Drama.
Genau das hat Aaron Zhang ausprobiert. Er hat denselben kleinen Übungs-Channel dreimal gebaut, jedes Mal mit neuen Bausteinen, die Bitcoin gerade testet. Neu ist vor allem ein Werkzeug namens OP_TEMPLATEHASH: Es legt einen Fingerabdruck der geplanten Zahlung auf den Tisch, sodass ein anderer Baustein (CSFS) darauf reagieren kann. Dadurch wird das „Update“-Skript winzig klein – im Test nur etwa 10 Bytes statt langer, komplizierter Skripte. Das Settlement-Skript (die Endabrechnung) kam auf etwa 35 Bytes.
Der Vorteil: Channels könnten leichter und günstiger werden, und veraltete Zustände müssen nicht mehr mit harten Strafen verhindert werden. Das macht Lightning-ähnliche Zahlungskanäle robuster und einfacher zu verstehen. Zhang betont selbst: Sein Beispiel ist ein Spielzeug (ein Schlüssel, keine echten HTLCs) – aber als Beweis, dass die Idee funktioniert, zählt es in der Entwickler-Debatte.
Whitepaper-Archäologie
Zum 18. Geburtstag des Whitepapers erinnert ein Beitrag auf Stacker News daran, dass Satoshi das Dokument nach der Ankündigung vom 31. Oktober 2008 zweimal überarbeitet hat. Insgesamt sind vier Versionen bekannt, darunter eine von Nicholas Bohm bewahrte Kopie. Die heute unter bitcoin.org/bitcoin.pdf gehostete Datei trägt laut Metadaten das Erstellungsdatum 24. März 2009.
18 Jahre Whitepaper: Die Community feiert – und diskutiert Sicherheit, Zyklen und Selbstverwahrung
Bitcoin wurde 18 Jahre alt und darf endlich alleine Auto fahren.
Zurück zu Satoshis Worten
Am 31. Oktober 2008 veröffentlichte Satoshi Nakamoto das Bitcoin-Whitepaper.
Zwei Monate vor der Veröffentlichung habe Satoshi Adam Back per E-Mail gefragt, wie man Hashcash zitiert. Bitcoin baue auf dessen Proof-of-Work auf,
„so no one has to be in charge“
Fazit
Zum 18. Geburtstag zeigt sich die Community gefestigt. Der größte Börsen-Hack der Geschichte wird nicht als Schwäche von Bitcoin gelesen, sondern als Bestätigung einer alten Lektion: Zentrale Verwahrer sind Angriffsziele. Die Antwort, die schon im Titel des Whitepapers steckt, ist Peer-to-Peer – mit eigenen Schlüsseln.
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