Telegram will «risikobasierte» Gebühr bei Anmeldung
Haben Sie in der letzten Zeit mal versucht, Telegram auf einem neuen Handy zu installieren oder zu aktivieren? Dann sind Sie möglicherweise genauso auf eine Bezahlschranke gestoßen wie der Autor. Vielleicht aber auch nicht, denn diese Gebühr verlangt der Messengerdienst offenbar nicht von jedem Nutzer weltweit, sondern nur, wenn die Algorithmen den Anmeldeversuch als «hohes Risiko» einstufen.
Diese Hürde wird vor dem Versand der Verifizierungs-SMS aufgebaut, die Teil des Anmeldeprozesses ist. Wenn das Telegram-System dies will, wird man aufgefordert, eine kleine Gebühr für diese – normalerweise kostenfreie – SMS zu bezahlen oder ein Premium-Abonnement für eine Woche abzuschließen.
Bei Telegram selber habe ich dazu keinerlei Informationen gefunden. Dort rühmt man sich ausdrücklich mit Sätzen wie «Telegram ist frei und wird frei bleiben – keine Werbung, keine Abogebühren, für immer». Derweil wurde dieses Prozedere wohl schon seit Ende 2024 Stück für Stück eingeführt, wie eine kleine Recherche ergab.
Im Google Play Store klagen etliche Benutzer über die Blockade, und zwar nicht nur bei Neuregistrierungen, sondern auch – wie in meinem Fall – bei der Anmeldung mit einem langjährigen Account auf einem neuen Gerät. Es kann also passieren, dass man eine Gebühr bezahlen muss, um seinen Account weiter zu benutzen.
«Risikofaktoren», die zur Zahlungsaufforderung führen können, seien für Telegram zum Beispiel die Region des Nutzers, der «Ruf» seiner Telefonnumer, IP-Adressen und die Ergebnisse von Anti-Missbrauchs-Checks, wie man im Web lesen kann. Der Messenger selber erklärt die «Evaluierung der Anmeldeumgebung» dagegen mit hohen Kosten für den SMS-Versand in dem Land.
Offenbar haben Spanien und/oder mein Telefonprovider keine sonderliche Reputation. Übermäßig viele Anmeldeversuche waren es in diesem Fall eher nicht, denke ich. Die Tatsache, dass ich ein google-freies Smartphone benutze, war indes vermutlich kein Pluspunkt für die Bewertung.
Um es deutlich zu sagen: Es geht nicht um das bisschen Geld. Für andere freie Open Source-Produkte zahle ich auch Gebühren, wenn der Nutzen stimmt. Es geht um’s Prinzip. Apropos Nutzen: Telegram bietet noch nicht einmal standardmäßig eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in den Chats.
Telegram trägt seit der Corona-Plandemie das Freiheitsfähnchen vor sich her. Für die damals plötzlich nicht mehr selbstverständliche Möglichkeit, auch kritische Meinungen und Informationen zu verbreiten, gebührt dem Team Anerkennung.
Heute jedoch ist dieser Messenger im Grunde so konformistisch wie die meisten anderen. Telegram kollaboriert mit der EU in DSA-Belangen und benutzt deren manipulative Ausdrucksweise. «Zensur» existiert nicht, und «Moderation» verwandelt sich in «Sicherheit». Rufen Sie https://telegram.org/moderation auf, landen Sie bei https://telegram.org/safety, wo man stolz verkündet:
«Telegram sperrt jeden Tag Zehntausende Gruppen und Kanäle und entfernt Millionen von Inhalten, die gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen.»
Pawel Durows Probleme mit der französischen, und neuerdings auch russischen Justiz – inklusive Verhaftung – sind sicher kein Vergnügen. Solche Dinge tragen aber auch sehr dienstbar zur Schaffung von Mythen bei. Durow ist wie Musk und Zuckerberg milliardenschwerer Unternehmer, der nicht nur sein Business, sondern auch sich selbst vermarktet.
Social Media von privaten, profitorientierten Anbietern schaffen zentrale Datensilos, die nur der Betreiber kontrolliert, und auch nach Belieben manipulieren kann. Alles, was die Benutzer dort aufzubauen meinen (Profil, Inhalte, Kontakte, Ruf, etc.), gehört in Wahrheit nicht ihnen. Was sie sehen, ist nicht real.
Wenn die App einem plötzlich den Zugang verwehrt, ist im Zweifel einfach alles weg. Das kann bei dezentralen Systemen wie Nostr nicht passieren.
Dieser Beitrag wurde mit dem Pareto-Client geschrieben und ist zuerst auf Transition News** erschienen.
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