Wenn die Wahrheit zu früh kommt
Es gibt Menschen, die vergisst man nie.
Mein Kunstlehrer am Gymnasium hat uns Schülern Anekdoten aus seinem Leben erzählt. Ganz nebenbei. Und wahrscheinlich war er sich der Tragweite seiner Worte nie bewusst.
Vom Kunstunterricht ist bei mir kaum etwas hängengeblieben. Ich nehme nur noch selten einen Stift oder Pinsel in die Hand. Aber zwei seiner Erzählungen sind auch nach rund 20 Jahren noch sehr präsent:
Mit der ersten löste er tiefe Bewunderung aus. Mit der zweiten hatte ich ein Aha-Erlebnis, das regelmäßig wiederkehrt. So auch letzte Woche.
Von beiden Geschichten werde ich dir gleich berichten. Sie erinnern mich daran, wie wichtig es ist, dass wir über unsere Ideen und Erlebnissen sprechen. Sie werden nicht immer gleich viel Anklang finden. Aber für manche können sie die Welt verändern…
Wenn die Wahrheit zu früh kommt | Bild mit KI generiert ✨
MEINE HEART WORDS DER WOCHE
1. Ein Rebell
Mein Kunstlehrer wollte nicht zur Bundeswehr. Ob er als junger Erwachsener schon überzeugter Pazifist war oder einfach nur keine Lust hatte, weiß ich nicht mehr. Er schien aber schon immer ein Freigeist gewesen zu sein. Das sah und spürte man.
Deshalb hungerte er sich auf unter 45 Kilo runter, um bei der Musterung durchzufallen.
Sein Plan ging tatsächlich auf. Er musste nicht zum Bund. Und auch keinen Zivildienst leisten.
Ich bin in einer sehr fleißigen und pflichtbewussten Familie aufgewachsen. Die Geschichte meines Kunstlehrers war ein Angriff auf dieses Weltbild. Und eine Story über Rebellion – auf friedliche Art und Weise. Wahrscheinlich ist sie mir deshalb so gut im Gedächtnis geblieben.
Ich weiß nicht, ob mein Kunstlehrer noch lebt. Und falls ja, ob er jemals Berührungspunkte mit Bitcoin hatte.
Ich wünsche ihm beides sehr!
Bitcoin ist für mich Rebellion in Reinform. Friedvoll, selbstbestimmt und ganz ohne den eigenen Körper malträtieren zu müssen.
Herr J. rebellierte, indem er ein Schlupfloch in den Regeln entdeckte: Ein wehrdienstfähiger Soldat wiegt mehr als 45 Kilogramm. Darunter gilt man als wehrdienstunfähig. Durch sein Handeln verschaffte er sich Kontrolle über seine Zeit und seinen Körper.
Satoshi Nakamoto rebellierte, indem er mit Bitcoin ein dezentrales Peer-to-Peer-Zahlungssystem erschuf, das ganz ohne Banken, Mittelsmänner oder staatliche Kontrolle auskommt. Er nutzte ebenfalls ein Schlupfloch – ein technologisches – und brach damit das Monopol der Zentralbanken, um den Bürgern die Kontrolle über ihr eigenes Vermögen zurückzugeben.
Bis heute bewundere ich Rebellen. Menschen, die aus konventionellen Mustern ausbrechen. Anders denken. Anders handeln. Und ihr Umfeld ein bisschen schockieren.
Mir macht das Mut, mich aus meinen eigenen Denkmustern zu lösen und mich immer wieder zu fragen: Muss das wirklich so sein? Oder gibt es nicht auch einen anderen Weg?
2. Ein Anker
Wann wird Kunst als interessant und schön empfunden?
Herr J. hatte darauf eine einprägsame Antwort: Kunst muss etwas Neues, noch Unbekanntes liefern. Sie darf sich aber auch nicht zu weit von dem entfernen, was der Betrachter schon kennt und für gut befindet.
Ich meine mich zu erinnern, dass er beim Erzählen eine horizontale Linie auf die Tafel malte und darauf einen Punkt setzte. Und dann einen zweiten – nicht allzu weit weg vom ersten.
In jedem von uns steckt eine Referenz. Ein Anker. Eine Vorstellung davon, was „ästhetisch“ ist. Bewegt sich ein Gegenstand zu weit davon weg, greift der Anker nicht mehr und das Objekt wird tendenziell als unästhetisch wahrgenommen.
Seine Worte erscheinen mir bis heute stimmig, weil sie einfach sind und trotzdem viel erklären:
Kultur, Geschichte, Erfahrungen, Wissen, Erlebnisse – all das setzt eine Referenz. Und auf diese Referenz beziehen wir uns, wenn wir etwas Neues sehen und erleben.
Ich denke, das trifft nicht nur auf Kunst zu. Sondern auch auf „Wahrheit“.
Wir können etwas Neues oft nur dann als wahr annehmen, wenn es nicht zu weit weg vom Bekannten liegt. Greift der Anker nicht oder fehlt die Referenz, neigen wir dazu, neue Informationen abzulehnen.
Für viele liegt die Idee, dass Bitcoin für eine freie Gesellschaft wichtig sein könnte, sehr weit weg vom eigenen Referenzpunkt. Zu weit weg…
Und auch andere Wahrheiten, deren Zeit noch nicht gekommen ist, sind heute nicht gesellschaftstauglich.
Ein Dilemma für alle Wahrheitssucher.
Deshalb glaube ich, dass es vor allem Geduld braucht, wenn man neue Ideen in die Welt bringen will. Nicht jeder kann sofort sehen, was man selbst schon sieht. Manchmal muss man erst helfen, den Anker ein kleines bisschen zu verschieben…
3. Eine Kritik
Für mein aktuelles Video über Bitcoin-Steuern und die Haltefrist wurde ich von einem Zuschauer für meine „lächerlich absurde Naivität“ kritisiert. Dafür, dass ich „das System“ und „die echten Absichten“ nicht verstehen würde.
Das mag natürlich alles sein. Meinungen und Denkweisen sind schließlich meist umfangreicher als ein YouTube-Kommentar.
Mein Gedanke ist jetzt aber folgender:
Angenommen, du hättest die Wahrheit – soweit das mit dem menschlichen Verstand überhaupt möglich ist – über eine relevante Sache des Lebens herausgefunden. Vielleicht über viele Jahre, mehrere Iterationsschritte, viel Recherche und viel Erfahrung.
Was aber, wenn du dann so weit weg vom Referenzpunkt der meisten stehst, dass alles, was du über diese Wahrheit sagst, als falsch oder sogar als Verschwörungstheorie abgetan wird?
Dann bist du mit deiner Wahrheit entweder ziemlich allein und höchstens in einer kleinen Gruppe von Gleichgesinnten. Oder du darfst – falls du diese Wahrheit teilen möchtest – aus strategischen Gründen nicht sofort mit der Tür ins Haus fallen. Sondern höchstens häppchenweise.
Mit der Konsequenz, dass andere Eingeweihte dich dann als naiv und unwissend wahrnehmen.
Die Wahrheit zu sprechen, scheint mir das Einfachste und zugleich das Schwierigste auf der Welt zu sein…
Ich bin gespannt, ob du meinen Beitrag auch als naiv wahrnimmst. Den Link zum neuen Heart Money Video findest du hier.
Heart Money Episode 44 ▶️ Bitcoin-Haltefrist in Gefahr: Wir wehren uns!
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Diese und weitere neue Funktionen kannst du im aktuellen Blogbeitrag von BitBox nachlesen. Falls dein letztes Update schon länger her ist, ist jetzt ein guter Moment. Selbstverwahrung endet nicht damit, dass dein Bitcoin-Vermögen von der Börse runter ist. Sie braucht ab und zu ein bisschen Pflege…
5. Ein Zitat
„Nicht Bitcoin ist steuerlich privilegiert. Aktien und ETFs wurden mit der Abgeltungsteuer 2009 benachteiligt.“
Link zum Post
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Hab einen schönen Tag oder eine gute Woche – ganz egal, wann du diese Worte liest.
Nicole ❤️
Veröffentlicht am 19. Mai 2026 auf Substack.
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