Zwischen Berlin, Bitcoin und visionären Weltverbesserern

Heart Words #12
Zwischen Berlin, Bitcoin und visionären Weltverbesserern

Seitdem ich mich mit Bitcoin beschäftige, steht mein Leben Kopf. Nicht nur, weil sich meine Sicht auf die Welt verändert hat – insbesondere auf Geld, auf den Sinn und Unsinn von Politik, auf die Zukunft… sondern auch, weil immer wieder neue Menschen und Möglichkeiten auftauchen, die mir eine wohlwollende Hand reichen.

Und so kam es, dass ich diese Woche mit 150 Unternehmern, Künstlern und Aktivisten irgendwo zwischen Hamburg und Berlin in der Natur campen war.

Astraea - irgendwo zwischen Hamburg und Berlin

Das Ziel? Gab es nicht. No Outcome! Kein Fahrplan…

Die Menschen? Aufgeschlossen, interessiert, reflektiert – mit einem Drang, die Welt zu verbessern. Und mit einem Bewusstsein dafür, dass das alte System nicht mehr trägt. Dass es höchste Zeit ist! Für Veränderung.

Wie diese Veränderung aussehen soll? Noch ein großes Fragezeichen.

Den Rahmen für dieses besondere Treffen bildete Brafe.Space – eine Initiative, die bewusst Raum für eine neue Form unternehmerischer Entwicklung schafft. Und ein Angebot, dass Persönlichkeiten, Organisationen und die Gesellschaft als Ganzes in tiefer Verbindung, Selbstreflexion und Offenheit wachsen können.

Klingt besonders? War es auch! Ich durfte erleben, wie Menschen mit völlig unterschiedlichen Meinungen einander zuhören. Wie sie Fragen stellen – selbst dann, wenn innerer Widerstand spürbar wurde. Eine Erfahrung, die fast schon heilsam war. Denn echte Offenheit habe ich in den letzten Jahren selten erlebt.

Ich bin mit zahlreichen neuen Eindrücken und Erkenntnissen zurückgekehrt – und mit noch mehr Fragen. Die lauteste von allen:

Warum sind Geld und Bitcoin in einer Gruppe von Entrepreneuren, Visionären, neugierigen und offenen Menschen noch immer so ein leises Thema?

Noch vor einer Woche war ich mir sicher: In spätestens zehn Jahren wird die Mehrheit der Menschen ein bisschen Bitcoin besitzen. (Und falls du neu hier bist: Ja, ich meine ausschließlich Bitcoin – nicht „Krypto“ im Allgemeinen.) Auch heute halte ich an dieser Überzeugung fest. Doch der Weg dorthin wirkt auf mich jetzt noch steiniger, beschwerlicher – und unbequemer als jemals zuvor.

Frische Luft am Hof Astraea

MEINE HEART WORDS DER WOCHE

1. Ein Workshop

Auf dem Brafe Camp wurden verschiedene Workshops angeboten, die auf unterschiedliche Weise die Möglichkeit eröffneten, sich selbst besser kennenzulernen. Am liebsten hätte ich alle besucht. Denn nach jedem Workshop hatte ich entweder das Gefühl, mental gestärkt den Raum zu verlassen – oder mit einem erweiterten Gedankenhorizont ins Leben zu gehen. (Angenehm oder unangenehm – nicht jede Erkenntnis schmeichelt dem Ego.)

Einer der Kurse trug den provokanten Titel Dear Money (Liebes Geld). Lange habe ich mit mir gerungen, ob ich daran teilnehmen sollte – oder ob meine Bitcoin-Sicht nicht zu viel Zündstoff für hitzige Diskussionen liefern würde. Als Neuling in diesem besonderen Umfeld wollte ich nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen. Nicht nach dem Motto:

„Hey, euch fehlt ein entscheidendes Stück Wissen, das dramatische Auswirkungen auf unsere Gesellschaft hat. Das die Wurzel der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich ist. Bitte beschäftigt euch mit Bitcoin. SONST KÖNNEN WIR DAS MIT DER BESSEREN WELT GLEICH VERGESSEN.“

Wobei… wenn ich jetzt so darüber nachdenke… vielleicht wäre genau das nötig gewesen. Wie auch immer – gesagt habe ich es nicht. Die Tür blieb zu.

Umso dankbarer bin ich, dass ich mich in den einzigen Workshop gewagt habe, der Geld zum Thema machte. Wir stellten uns einfache Fragen, die die meisten vermutlich schnell beantworten können. Doch in ihren Antworten steckt enormes Potenzial für neue Erkenntnisse. Ich gebe sie an dich weiter – und vielleicht magst du dir ein paar Minuten Zeit nehmen, um dich damit auseinanderzusetzen:

  • Was ist deine früheste Erinnerung im Zusammenhang mit Geld?
  • Wie hat deine Familie über Geld gesprochen?
  • Was war die erste Entscheidung, die du selbst mit Geld getroffen hast?

Spannend, gell? 😇 (Falls es dir so geht wie mir.)

Ein großes Thema war auch Scham. Geld ist erstaunlich oft ein Grund dafür – auf beiden Seiten: Menschen mit wenig Geld schämen sich ebenso wie Menschen mit viel Geld. Und ich kenne tatsächlich beide Perspektiven.

Es gab eine Zeit, in der ich mich dafür schämte, nach der Schule bei McDonald’s gearbeitet zu haben – um mir den Start ins Studium zu finanzieren. Später, als Angestellte nach dem Studium, habe ich meine Zeit beim großen gelben M höchstens mal am Rande erwähnt.

Viele Jahre später machte ich eine Weiterbildung zum Systemischen Coach – zusammen mit Teilnehmerinnen aus dem (akademischen) sozialen Bereich. Manche erzählten, wie viel sie verdienten, und ich schämte mich dafür, dass ich als Konzernangestellte im Büro knallhart das Doppelte bekam… und schwieg über mein Gehalt.

Das erste Foto, das ich auf dem Brafe Camp gemacht habe: Geld.

Mir wurde klar: Geld ist nach wie vor hochgradig emotional besetzt. Es kommt mit so vielen Glaubenssätzen und löst so viele Gefühle aus, dass Menschen das Thema lieber meiden. Und vermutlich ist genau das auch ein Grund, warum sich sowohl Arme als auch Reiche ungern mit Geldsystem oder Bitcoin beschäftigen: zu viele unangenehme Emotionen sind im Spiel.

Diese enorme Emotionalität war mir bislang nicht bewusst – und ich bin sicher, dass sie mich künftig noch stärker in meiner Aufklärungsarbeit zu Bitcoin begleiten wird.

2. Eine subjektive Erfahrung

Eines der Prinzipien von Brafe.Space heißt Subjektive Erfahrung. Dabei steht der Austausch persönlicher Wahrnehmungen und Empfindungen im Vordergrund – also wie die Welt individuell erlebt wird. Statt Meinungen zu äußern oder zu bewerten, geht es darum, beim Sprechen nah bei sich selbst zu bleiben und nicht auf eine distanzierte Ebene auszuweichen.

Die Idee dahinter (so wie ich sie verstanden habe): Wenn ich meine Welt aus meiner Perspektive teile und mir dessen bewusst bin, bleibt viel Raum für das Empfinden meines Gegenübers. Beides darf nebeneinander existieren. In einer polarisierten Welt, wie ich sie in den Medien und leider auch im persönlichen Umfeld wahrnehme, ist das unglaublich wertvoll.

Genau das vermisse ich im Miteinander: das ganz andere Innenleben anderer Menschen auszuhalten, es stehen zu lassen – und anzuerkennen, dass es nicht die eine Wahrheit gibt. Dass deine Realität nicht besser oder schlechter ist als meine. Und dass wir darüber sprechen können, ohne uns sofort persönlich angegriffen zu fühlen.

Was für eine andere Welt hätten wir, wenn alle Menschen das Prinzip der Subjektiven Erfahrung ein Stück weit berücksichtigen würden … wow! Bei dieser Vorstellung fühle ich mich 20 Kilo leichter. Und sehe bunte Blumen vor meinem inneren Auge – ein bisschen wie aus der Pril-Werbung für Spülmittel. Kennst du die noch? 😄

Und doch nehme ich einen Widerspruch wahr: Wenn wir uns darauf einigen, dass Subjektive Erfahrung ein sinnvolles Prinzip für eine funktionierende Gesellschaft ist, dann richtet sich der Fokus stark auf das Individuum. Damit verbunden die Einsicht, dass ich nur für mich selbst sprechen kann. Dass ich weiß, was ich brauche – aber niemals wirklich wissen kann, was jemand anderes braucht. Dass ich nicht sagen kann, wie eine gute Gesellschaft für alle aussieht, sondern diese Frage nur für mich selbst beantworten kann.

Was nimmst du wahr beim Anblick des Mondes? Was siehst du? Was fühlst du? In letzter Konsequenz werde ich es niemals wissen…

Folgt man dieser Logik konsequent, müssten liberale und vielleicht sogar libertäre Gedanken stärker verfolgt werden als staatsnahe oder gar planwirtschaftliche Konzepte. Oder irre ich mich? Genau das habe ich im Brafe Camp jedoch eher nicht wahrgenommen. Das Verhältnis von Kollektiv und Individuum wirkte für mich wie ein noch wenig erkundetes Spannungsfeld – und vielleicht sogar (neben Geld) wie ein weiterer blinder Fleck?

Ich bin sehr gespannt, wie dieses Feld künftig weiter erforscht wird. Und ob ich in einigen Monaten oder Jahren ganz anders darauf blicke.

3. Ein Kontrast

Um das Brafe Camp zu erreichen, bin ich zunächst aus dem Süden nach Berlin gereist und am nächsten Morgen gemeinsam mit der Gruppe drei Stunden mit dem Bus weitergefahren. Was für ein Kontrastprogramm! Berlin habe ich als laut, chaotisch und geruchsintensiv erlebt. Die Gesichter der Menschen wirkten gestresst, erschöpft und unruhig.

Und dann das Camp: idyllisch, Natur pur, zwitschernde Vögel, Grüntöne in allen Schattierungen, klare Luft.

Warum zieht es die meisten Entrepreneure trotzdem in die großen Städte? Wie schaffen sie es, sich nicht vom Sog des Chaos mitreißen zu lassen? Und werden Metropolen ein wesentlicher Teil der Zukunft bleiben – oder werden sich Arbeit und Leben zunehmend dezentralisieren?

Kontraste - links: Berlin, rechts: Hof Astraea

Für mich steht fest: Die Natur bewirkt Wunder. Und ich möchte sie in meiner Nähe haben – am liebsten direkt vor der Haustür.

Nach dem Abenteuer Berlin, mit den Krähen, die sonntagmorgens ungeniert von frischer Kotze naschten, habe ich das Bedürfnis, noch mehr Bäume zu umarmen und frische Luft zu atmen…

Krähen-Frühstück mal anders…

4. Ein Ohrwurm

Berlin übt trotzdem eine enorme Faszination auf mich aus. Ich möchte in diesem Leben noch für ein paar Monate dort wohnen. Es fühlt sich an, als gäbe es etwas Wichtiges zu entdecken, das mir bisher entgeht. Ein Rätsel, das gelöst werden will. Vielleicht habe ich deshalb seit Tagen – auch heute wieder – diesen hartnäckigen Ohrwurm im Kopf, der einfach keine Ruhe geben möchte:


Guten Morgen Berlin,

du kannst so hässlich sein

So dreckig und grau

Du kannst so schön schrecklich sein

Deine Nächte fressen mich auf

Es wird für mich wohl das Beste sein

Ich geh nach Hause und schlaf mich aus

\[…\]

Und ich weiß, ob ich will oder nicht

Dass ich dich zum Atmen brauch


Peter Fox hat diesen kontrastreichen Song schon 2008 herausgebracht. Damals war ich gerade mit der Schule fertig und hatte Berlin noch nie von innen gesehen. Spannend, dass mein Gehirn diese Zeilen ausgerechnet jetzt, im Jahr 2025, wieder hervorholt.

5. Ein Zitat

Wir stehen ganz am Anfang, am Beginn der größten Infrastruktur‑Umkehrung, die die Geldwelt je gesehen hat. – Andreas M. Antonopoulos

Ganz anderes Thema, aber ähnliche Flughöhe: In der aktuellen Folge von Heart Money spreche ich über ein Konzept, das der brillante Visionär Andreas Antonopoulos bereits 2016 vorstellte – die bevorstehende Infrastruktur-Umkehrung.

Auto, Strom, Internet – alle drei Innovationen haben die Menschheit mit Mobilität, Energie und Kommunikation entscheidend vorangebracht.

Heute erscheint uns das offensichtlich. Doch jede disruptive Technologie wird zunächst belächelt oder bekämpft – bevor sie sich durchsetzt, die Infrastruktur sich umkehrt und neue Türen für bisher ungeahnte Anwendungsfälle öffnet.

Neue Folge Heart Money 🎥▶️ Warum Bitcoin noch “im Matsch steckt”

Da 21 % (lol) der Zuschauer meines Kanals Bitcoin-Neulinge sind, widme ich Andreas diese Folge – denn jede(r) sollte Zugang zu seinen großartigen Erklärungen haben.

Falls dir der Begriff Infrastruktur-Umkehrung noch nie begegnet ist, könnte diese Folge ein echter Gedankenöffner sein.


Ich möchte mich an dieser Stelle bei Anastasia Umrik für den Kontakt zu Brafe.Space bedanken. Ohne sie wäre diese Erfahrung nicht möglich gewesen. 🩷

Anastasia schreibt übrigens auch auf Substack. Ich lese jede Ausgabe. Vielleicht du bald auch?


Und sorry für die kleine Verspätung dieser Ausgabe – am Sonntag war ich einfach noch zu voll, unsortiert und müde, um einen lesbaren Newsletter zu schreiben. Also bin ich mit schlechtem Gewissen ins Bett gegangen und habe mich ein paar Minuten darüber gewundert…

Gibt es wirklich jemanden, der traurig ist oder Schaden nimmt, wenn mein Newsletter einen Tag später erscheint? Ich glaube nicht… und mit diesem befreienden Gedanken habe ich acht Stunden himmlisch geschlafen.

Astraea - mein Schlafplatz für zwei Nächte

Hinterlasse aber gerne einen Kommentar, falls meine Einschätzung falsch war – und ein Herz, wenn dir die heutige Ausgabe gefallen hat. Danke ❤️

Hab eine besonders schöne Woche ✨

Nicole


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