Vilamoura im Durchlauf

Vilamoura im Morgen, Sand noch feucht, Sonne ohne Druck. Wir kennen das hier, oder glauben es zu kennen.
Vilamoura im Durchlauf

Der Sand ist fest unter den Schuhen. Noch feucht vom Morgen. Die Sonne ist schon da, aber nicht aufdringlich. Genauso wie wir das mögen.

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Vilamoura. Wir kennen das hier. Oder wir glauben, es zu kennen, was fast dasselbe ist.

Der Strand zieht sich nach links und nach rechts, und irgendwo in der Mitte ist die erste Strandbar. Das ganze Jahr geöffnet. Das fällt auf, wenn man aus dem Norden kommt, wo alles im Oktober zumacht und im April wieder aufgeht. Hier nicht. Hier läuft das einfach durch. Wir setzen uns. Blick aufs Meer. Essen kommt. Gut. Nicht kompliziert gut, einfach gut. Das ist der Unterschied.

Wir gehen weiter. Die zweite Bar. Dann die dritte. Es ist kein Plan, eher eine Richtung. Strand links, Promenade rechts, Fußspuren überall. Wir folgen ihnen nicht, wir hinterlassen sie einfach auch.

Die vierte Strandbar ist die letzte auf diesem Stück. Tische unter einem Dach, das Meer dahinter, und die Luft riecht nach Salz und Frittierfett und Sonnencreme. Tagsüber Touristen, abends wahrscheinlich ganz andere Leute. Man sieht es an der Einrichtung. Zu viele Lichterketten für einen reinen Mittagsbetrieb. Hier wird die Nacht zum Tag gemacht, steht da nicht, aber man weiß es trotzdem.

Meine Frau sagt: „Hier waren wir noch nicht. Ich bin mir nicht sicher. Vielleicht doch. Vielleicht woanders.

Wir sind lang genug unterwegs, dass die Orte anfangen zu verschwimmen. Nicht unangenehm. Eher wie ein Buch, das man zweimal liest. Beim zweiten Mal fallen andere Sätze auf.

Dann der Platz, wo die Boote ins Wasser kommen. Regattaboote. Schlanke Dinger, zu schmal für alles außer Geschwindigkeit. Ein Steg aus Holz, ein pyramidenförmiges Gebäude dahinter, transparent, fast zu groß für den Ort. Palmen rechts. Der Himmel wolkenlos und blau wie auf einem Foto, das jemand zu stark bearbeitet hat, aber diesmal ist es echt.

Ich steh da und schau auf die Boote und denke an nichts Bestimmtes. Das ist selten. Meistens denke ich an den Motor, an den nächsten Stellplatz, an Wasser nachfüllen. Hier nicht. Hier ist einfach Wasser und Licht und das leise Geräusch von Takelage im Wind.

Vor zwei Wochen waren wir hier auch schon. Selber Platz, anderes Wetter. Gewitter. Donner so laut, dass die Bank gebebt hat, Blitze so nah, dass wir kurz ernsthaft nachgedacht haben, ob das klug war. Es war nicht klug. Wir sind geblieben. Das Gewitter ist weitergezogen. Danach war die Luft sauber wie frisch gewaschen.

Jetzt Sonne. Kein Rest vom Gewitter, kein Hinweis. Nur der Platz, die Boote, der Steg.

Der Yachthafen fängt da an, wo der Regattaplatz aufhört. Größere Boote. Yachten mit Namen, die auf Englisch klingen und auf Steueroasen hinweisen. Gepflastertes Grau, Flaggen auf Masten, das Wasser zwischen den Stegen dunkel und ruhig. Wir laufen durch, langsam. Kein Ziel. Einfach schauen.

Meine Frau bleibt vor einem Schmuckladen stehen. Natürlich. Ich weiß das schon, bevor es passiert, ich sehe es kommen, und trotzdem stehe ich danach da und warte und schau auf die Boote und denke, dass das eigentlich ganz angenehm ist. Warten in einem Hafen ist kein schlechtes Warten.

Sie kommt raus. Nichts gekauft. Nur geschaut. Das ist auch eine Kunst.

Weiter. Ein Eisladen. Bunt. Wirklich bunt, nicht als Konzept, sondern als Ergebnis von jemandem, der zu viele Farben hatte und alle verwendet hat. Wir kaufen Eis. Es ist gut. Natürlich ist es gut, es ist Portugal im März und die Sonne scheint und man isst Eis am Hafen. Das kann kaum schiefgehen.

Das Café ist kurz danach. Wir kennen es. Oder wir kennen den Typ von Café, was manchmal dasselbe ist. Kleine Tische, Kaffee, der so riecht, wie Kaffee riechen soll, nicht wie das Pulver aus der Maschine im Bus. Der Kaffee im Bus ist okay. Der hier ist besser. Das darf man sagen.

Wir sitzen. Reden nicht viel. Das Eis war süß, der Kaffee ist stark, der Hafen liegt da draußen in der Sonne. Irgendwo im Hintergrund Möwen. Immer Möwen.

Ich denk manchmal daran, wie das hier wäre ohne den Bus. Hotel irgendwo, Mietwagen, Programm. Abends wieder zurück ins Zimmer das nach nichts riecht. Ich weiß nicht, ob es schlechter wäre. Vielleicht einfach anders. Aber der Bus riecht nach uns. Nach Kaffee und Diesel und dem Hund und allem, was wir dabei haben. Das ist was. Das ist nicht nichts.

Vilamoura ist reich. Das sieht man. Die Yachten, die Läden, die gepflegten Gehwege. Es ist keine Stadt, die kämpft. Es ist eine Stadt die sich eingerichtet hat in einem bestimmten Komfort und nicht vorhat den zu verlassen. Das ist okay. Wir auch nicht, auf unsere Art.

Der Strand am Morgen war leer. Jetzt, Mittag, mehr Leute. Familien, Paare, ein paar Jogger die am Wasser entlanglaufen und dabei so aussehen, als würden sie das jeden Tag tun. Vielleicht tun sie das. Vielleicht wohnen sie hier, arbeiten irgendwo, laufen morgens am Strand. Das klingt nicht schlecht.

Wir gehen zurück. Dieselbe Promenade, andere Richtung. Die Strandbars von hinten. Die vierte, die dritte, die zweite, die erste. Alles noch da. Natürlich noch da, es sind zwei Stunden vergangen. Aber man schaut trotzdem.

Der Bus steht wo wir ihn gelassen haben. Er steht immer wo wir ihn lassen. Das ist seine wichtigste Eigenschaft.

Motor an. Das Geräusch kenn ich. Sechsunddreißig Jahre, das klingt nicht nach neu. Es klingt nach verlässlich, was besser ist.

Vilamoura bleibt hinter uns. Oder wir fahren davor weg. Beides stimmt.


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