Erschöpfung als System
- Das biochemische Modell: Der Molekül-Wahnsinn
- Panem et Circenses 2.0
- Die Psychosphäre
- Widerstand statt Wellness
Alle sind müde. Nicht “eine-schlechte-Nacht-müde”, sondern strukturell, chronisch, bodenlos. Acht Stunden Arbeit, danach geht häufig nichts mehr ausser in irgendeinen Bildschirm zu schauen. Wir nennen das dann Feierabend. Aber eigentlich ist es Kapitulation.
Viele Menschen, denen ich in meiner Sprechstunde begegne, “funktionieren” gerade noch. Für Arbeit reicht die Energie, für Familie vielleicht noch, aber für Leben? Für Kreativität? Für Widerstand?
Das ist kein Zufall.
Diese Menschen fragen mich nach der Ursache dieser Müdigkeit, nach einer Therapie und meinen eigentlich einen “quick fix” um weiter zu funktionieren.
Doch für Chronic Fatigue Syndrome* gibt es keine “Therapie”. In der konventionellen Medizin gilt CFS als unverstandene Krankheit, deren Ursachen rätselhaft und deren Behandlung unmöglich sei. Klingt dramatisch.
Doch das Phänomen der Erschöpfung ist nicht neu – wir haben es nur umbenannt. Vor hundert Jahren hieß das “Neurasthenie”. Die Definition aus 1883 beschreibt sie als “die Angst, nicht fertig zu werden”, zusammen mit Reizüberflutung, Überforderungsgefühlen, Versagensängsten und Verlust des Sicherheitsgefühls.
Wieso kommt mir das so seltsam bekannt vor?
Hier wird’s interessant. Denn damals konnte die konventionelle Medizin diese Erschöpfung tatsächlich behandeln. Franz Kafka, Thomas Mann, Christian Morgenstern, Friedrich Nietzsche – alles weltberühmte Erschöpfte, die ihren Zustand überwanden. Wie? Nietzsche schrieb zu seinem Kuraufenthalt am Gardasee:
Es ging um die Grundangelegenheiten des Lebens, darum neu anzufangen und umzulernen: diese kleinen Dinge, Ernährung, Ort, Klima, Erholung (…) sind über alle Begriffe hinaus wichtiger als alles, was man bisher wichtig nahm.
*Unter CFS subsummiere ich hier alle modernen Erschöpfungsformen: Long COVID, Post-Vaccine Syndrome, Post-EBV, Burnout, Mold-related illness, EMF-Sensitivity (die Labels wechseln, verschiedene Auslöser, gleiche Erschöpfung). Perfekt für endlose Ursachen-Debatten (statt systemischer Lösungen).
Neuanfangen und umlernen – nicht wieder “funktionieren”. Oder in modern: den Lebensstil ändern. Doch das ist heute nicht mehr sexy, zu einfach. Das bringt kein Geld.
Das biochemische Modell: Der Molekül-Wahnsinn
Medizinisch gibt es natürlich einige Erklärungen für die Durchseuchung der Bevölkerung mit Erschöpfung (29.7% aller Deutschen zeigen CFS). In a nutshell: Mitochondriale Dysfunktion, zirkadiane Dysregulation, low-grade Inflammation (niederschwellige Entzündung). Alles messbar, aber - welch Überraschung – nicht im Routinelabor des Kassensystems, sondern nur wenn die Person bereit ist, dies selbst zu zahlen. Kosten? Um die 600 Euro für Selbstzahler, je nach Umfang der Untersuchung (BHI-Test, ATP-Bestimmung, Mikronährstoffanalyse)
Ich weigere mich, diese Art der Diagnostik anzubieten. Die Laborwerte haben für mich keinerlei therapeutische Konsequenz und verstärken den biochemischen Reduktionismus – alles mittels Molekülen zu erklären. Biohacking und Epigenetik lassen grüßen.
Mittlerweile besteht ein ganzer Industriezweig, der sich nur mit Mitochondrienfunktion, Hormonregulation und Detox befasst, aber die Biophysik systematisch ignoriert. Wer aber die Funktionsweise von Mitochondrien zu Ende denkt, muss bei der Elektrodynamik landen: Die Atmungskette funktioniert über Elektronentransport zwischen Proteinkomplexen – pure Quantenelektrodynamik in biologischen Systemen. Da hilft Dein Supplement eben nur bedingt und kurzfristig.
Doch auch da liegt noch ein Stockwerk darunter, das ich gerne betreten möchte.
Panem et Circenses 2.0
Die Aussagen meiner tiefst erschöpften Patientinnen und Patienten erinnern mich oft an Sklaverei. Und diese Parallele meine ich nicht nur rhetorisch. Sklaven hatten ein Dach, Essen (Brot) und Spiele. Sie waren funktionsfähig genug für Arbeit – aber für nicht mehr. Ob das aus Erschöpfung kam oder aus anderen Mechanismen, ist für das Weiterfunktionieren des Systems scheißegal. Das Ergebnis war dasselbe: keine Kapazität für Widerstand, für Kreativität, für kollektives Handeln.
Wir arbeiten heute aus vermeintlich “freien Stücken”. Aber ohne Bullshit: Was bleibt am Ende des Monats nach Abzug der 45% Steuern übrig? Fühlt sich das nach Freiheit an? Und wenn ja, was tust du mit dieser “Freiheit”? Drei Stunden Netflix und ins Bett fallen?
Was, wenn diese Müdigkeit kein Kollateralschaden ist, sondern eine Funktion?
Biowaffen getarnt als “Impfstoffe”, Umweltgifte in Luft und Boden, elektromagnetische Belastung durch 5G und WLAN: alles unsichtbar, aber nachweisbar und vor allem fühlbar – besonders von diesen tiefst erschöpften Menschen. Die Studien existieren, sie werden nur nicht besprochen. Ist ja auch nicht profitabel.
Ein Volk voller erschöpfter Menschen rebelliert nicht. Es konsumiert. Es funktioniert. Es stellt keine gefährlichen Fragen. Es hat keine Energie für Revolution, nur für Routine.
Perfektes System, oder?
Die Psychosphäre
Zeit und in den Keller zu wagen.
Denk an die letzten Jahre: P(l)andemie-Schock, Krieg, Inflation, gesellschaftliche Spaltung und dann noch Epstein. Jeden Tag neue Krisen, neue Bedrohungen, neue Unsicherheiten, neue Gräueltaten. Alles bewusst medial inszeniert und mit starken Bildern versehen, was es schier unmöglich macht, sich dem zu entziehen.
Und so schwimmen wir in einem Ozean aus Angst und Erschöpfung – und Wellen im Ozean werden immer vom Ozean geprägt.
Du spürst also nicht nur deine eigene Müdigkeit. Du spürst die Müdigkeit deiner Psychosphäre: die Resignation der anderen, die kollektive Ohnmacht. Dein Körper resoniert mit der Erschöpfung von Millionen anderer Menschen. Erschöpfung ist ein Resonanzphänomen, und das ist letztlich Biophysik: Verschränkung funktioniert nicht nur bei Teilchen, sondern auch bei Bewusstsein. Wir sind verbundener, als wir glauben möchten.
Die Manipulation der Psychosphäre war mutmaßlich auch der Treiber der Erschöpfungswelle um die Jahrhundertwende. Lange vor Impfung, Chemtrails und 5G – doch mit den heutigen technologischen Möglichkeiten ist es ein Kinderspiel geworden. Ich halte mich bewusst nicht mehr mit solchen Fragen auf – dazu schreiben andere Menschen weitaus eloquentere Texte als ich.
Die für mich wesentliche Frage ist nicht “woher kommt die Müdigkeit”. Wen juckt’s? Die Erklärung des Problems ist selten dessen Lösung. Die eigentliche Frage ist: Was würdest du mit der Energie tun, die du gerade nicht hast? Wofür würdest du sie einsetzen?
Würdest du ein Buch schreiben, das das System infrage stellt? Einen Garten anlegen, der dich unabhängiger macht? Eine Gemeinschaft gründen, die anders lebt? Dich politisch engagieren? Kinder haben und sie anders erziehen? Ein Unternehmen aufbauen, das nicht nur Profit maximiert?
Würdest du Zeit haben, zu bemerken, was um dich herum passiert? Zu lesen, zu denken, zu verstehen? Zu spüren, was falsch läuft und warum?
Genau deshalb bist du müde.
Nicht weil deine Mitochondrien “zufällig kaputt” sind. Nicht weil irgendwas “epigenetisch dysreguliert” ist. Kein Coaching, kein Retreat, keine Supplemente werden an deiner Erschöpfung dauerhaft etwas ändern.
Widerstand statt Wellness
Was würdest du mit der Energie tun, die du gerade nicht hast? Wofür würdest du sie einsetzen?
Diese Frage zuerst zu beantworten ist der Anfang. Eine Entscheidung: Ich widersetze mich.
Und dieser Widerstand braucht es täglich. Schau morgens nicht als erstes aufs Handy. Und abends schon gar nicht. Das klingt wie ein Wellness-Tipp, ist aber eine Grenzziehung gegenüber der Psychosphäre.
Denn dein Handy / Tablet / Laptop ist nicht neutral. Es ist der Eingang in die kollektive Erschöpfung. Jeder Blick darauf lädt dich mit fremden Gedanken, fremden Ängsten, fremder Müdigkeit auf. Du checkst nicht “nur kurz” die News oder scrollst auf vermeintlich “sozialen” Medien – du tauchst ein in die Psychosphäre der Masse.
Morgens startest du den Tag nicht mit deiner eigenen Energie, sondern mit der des Kollektivs. Du gibst deine wertvollsten Stunden an fremde Algorithmen ab – die darauf programmiert sind, dich erschöpft zu halten.
Abends gehst du nicht mit deinen eigenen Gedanken ins Bett, sondern mit denen, die andere für dich ausgewählt haben. Dein Unterbewusstsein verarbeitet fremden Content statt deiner eigenen Erfahrungen.
Das ist Energiediebstahl in Echtzeit.
Zieh die Grenze. Deine ersten und letzten Stunden gehören dir. Das ist der erste Akt des Widerstands gegen die kollektive Erschöpfung.
Danach kannst du über Magnesium, rotes Licht und Sauna nachdenken, in die Pampa ziehen, Rohmilch trinken und LAN-Kabel kaufen. Aber erst die geistige Entscheidung, dann die biophysikalischen Werkzeuge.
Die Veränderung beginnt nicht mit besseren Mitochondrien. Sie beginnt mit der Erkenntnis, dass deine Müdigkeit nicht zufällig ist (und auch nicht deine Schuld). Und dass du die Wahl hast, anders zu leben.
Die Frage bleibt: Was würdest du tun, wenn du nicht müde wärst?
Und bist du bereit, den Preis dafür zu zahlen?