Geschreddert in der Wissenschaft! Teil 2: Sozialer Tod
Das Buch (aus Teil 1) erschien im gleichen Jahr, in dem ich an jene kleine österreichische Universität als Professorin für Geographie und Regionalforschung berufen wurde, deren Rektor mich acht Jahre später mittels einer handfesten Schurkerei mit Schimpf und Schande vom Campus jagte. Diese Zeitlichkeit hatte ich vergessen. Im Rückblick erscheint sie wie ein weiteres Bindeglied zwischen den beiden Teilen jenes Teppichs, den mein Leben bisher wob.
Nun also die geschredderte Professur.
Das Werden
Wissenschaft, Universität, Professur – nichts davon gehörte auch nur im Entferntesten zur Welt meiner Kindheit. Ich wuchs in einem kleinen Dorf in Süddeutschland auf, als die jüngere von zwei Töchtern. Mein Vater war Bäcker, der mit meiner Mutter zusammen eine eigene Bäckerei mit einem kleinen Einzelhandelsladen betrieb.
Ich war ein neugieriges Kind, stellte dauernd Fragen. Das genervte
ist mir als ständige Reaktion, nicht nur meiner Eltern, in Erinnerung. Später wird mir klar, dass Wissenschaftlerin zu werden, eine der wenigen Möglichkeiten war, niemals zu viele Fragen zu stellen. Als Professorin konnte mir niemand entgegenhalten, du fragst zu viel …
“Du fragst zuviel!”
Gleichzeitig unterstützten meine Eltern die Wissbegier ihres Kindes so gut sie konnten, indem sie das, worauf sie keine Antwort wussten, mit mir zusammen im dreibändigen Bertelsmann-Lexikon nachschlugen. Wir führten eine „ständige Buchwunschliste“. Zu Geburtstagen und Weihnachten oder einem guten Zeugnis gab es dann nicht nur ein Buch davon, sondern gleich mehrere. Aber auch wenn meine Schwester und ich je sechs bis acht Bücher zu Weihnachten bekamen, reichte der Lesestoff nicht bis zum Ende der Weihnachtsferien.
Im elterlichen Betrieb war es selbstverständlich, dass wir Kinder neben der Schule mitarbeiteten. Die Erwartung der Eltern war hoch: Wer eine Aufgabe übernimmt, hat auch die Verantwortung dafür. Auch wenn diejenige erst sieben Jahre alt ist …
Und trotzdem war das Leben ein Abenteuer: Im Ruderboot mit Schwester und Hund an Bord wurde die Fahrt auf dem Fluss, an dem wir lebten, zur „Expedition“, wo sich Algen unter tiefhängenden Weiden als Alligatoren im dichten Dschungel zeigten. Oder die Fahrräder zu Wildpferden wurden, die bei einem Ritt über die Prärie gebändigt werden mussten.
Meine Jugend war kurz. Tod der Mutter und die Unfähigkeit des geschockten Vaters, damit umzugehen, führten dazu, dass wir früh aus dem Elternhaus mussten. Als 16jährige bereits selbst verantwortlich für das Leben. Jobben, um weiter zur Schule gehen zu können. Abitur. Berufsaufbildung als Rechtsanwaltsgehilfin. Arbeit als Lektoratsassistentin, dann als Redaktionsassistentin in einem Verlag.
Mit 25 ging ich dann an die Universität. Ich war so lernhungrig. Und so überrascht von der Nonchalance meiner Kommilitonen, die mir selten als Leichtigkeit oder Gelassenheit, sondern vielmehr als Unbekümmertheit, ja Gleichgültigkeit jeglichen Studieninhalten gegenüber erschien. Heute denke ich, ich hätte mir einiges von ihnen abschauen können.
Eine Karriere an der Universität erschien mir absurd. Das Studium an der Massenuniversität enttäuschte mich, ja stieß mich ab, so anonym, so distanziert, so bedeutungslos. Einen der „Scheine“ für absolvierte Lehrveranstaltungen erhielt ich drei Jahre nach Ende des Seminars. Ich erinnerte kaum noch etwas, weder Inhalt noch die Argumentation meiner Seminararbeit. Die knappe Rückmeldung in Form einer Note war völlig inhaltsleer.
Meinen Lernhunger störte das wenig. Ich nutzte die damalige Freiheit und schrieb mich in immer neue Fächer ein und studierte auf diese Weise Publizistik, Volkswirtschaft, öffentliches Recht, Soziologie, Politik, Ethnologie, Pädagogik, Ägyptologie, Volkskunde, Geographie. Manches nur ein Semester lang, anderes mehrere Semester. Daneben konstantes Arbeiten; BaföG reichte nicht für ein Leben ohne Elternhaus. Schließlich der Magister in Publizistik mit den Nebenfächern Politik und Geographie.
Die Schritte bis zur Professur verkürze ich. Die Nennung der Stationen würde wenig erzählen (und lässt sich an anderer Stelle nachlesen). Die eigentlich interessante Erzählung dahinter wäre zu lang und kann vielleicht an anderer Stelle folgen.
Nur so viel: Ich verfolgte nie das Ziel einer Professur. Von meiner Herkunft her war das undenkbar und konnte von daher schon kein Ziel sein. Ich tat einen Schritt nach dem anderen, nicht wissend wohin mich der nächste führen würde. Ich folgte dabei meinem Interesse und den Möglichkeiten, die sich ergaben. Das klingt nach einem leichten Weg, was es jedoch gar nicht war.
Wer Universitäten kennt und je mit ihren Strukturen und Dynamiken auf der Ebene nach dem Studium zu tun hatte, weiß, dass diese Karrieren in Schmerzen geboren werden. Vielleicht nicht für alle. Zumindest aber für jene, denen dieser Weg nicht in die Wiege gelegt wurde. Die Strukturen setzen auf Konkurrenz und Selbstausbeutung. Machtspiele, Intrigen, Neid, Verrat, Betrug – von all dem erzählt fast jeder, der „es geschafft“ hat. Für tot erklärt wird jedoch nicht jeder. Ich hörte das sogar zweimal, jedes Mal mit großer Emphase gerufen:
„Sie sind tot! Ich werde dafür sorgen, dass Sie in keinem Institut mehr einen Fuß auf die Erde kriegen!“
Dass dies nicht irgendwer sagen kann, sondern nur jemand, der einem wissenschaftlich nahesteht und zugleich hierarchisch übergeordnet ist, dürfte klar sein. Aber: Es gibt Belege dafür, dass Totgesagte länger leben – ich bin so einer.
Wenn Sie nun glauben, dass ich es darauf angelegt hätte, einfach deswegen, weil ich so ein Streithansel sei, dann irren Sie sich. Mir lag – und liegt immer noch – nichts ferner, als irgendwen zu verärgern oder Streit zu beginnen. Ich tat einfach, was ich tat. Und folgte meinem inneren Impuls und Kompass. In etwa so wie das Buch aus Teil 1 entstanden ist.
Im Rückblick sehe ich, dass ich einem Ideal folgte. Meiner Vorstellung davon, wie Wissenschaft geht. Wie Lehre an der Universität aussieht. Ich glaubte tatsächlich, dass Wahrhaftigkeit, Ernsthaftigkeit und Verantwortung die Leitplanken der Arbeit an einer Universität bilden.
Zugegeben, ich bin stur. Ich setzte mein Ideal höher als jede Evidenz. Meine Vorstellungen davon, wie es gehen sollte, über meine täglichen Erfahrungen und Beobachtungen. Ich ließ mich nicht beirren. Heute frage ich mich, wie das ging. Die Evidenz war erdrückend. Und doch wollte ich mein eigenes Handeln nicht verändern. Hielt weiter an meinem Ideal fest.
Vielleicht ist das ja so, wenn Arbeiterkinder Wissenschaft betreiben? Ihr Eigensinn und ihre Widerständigkeit sind das, was sie voranbringen. Letztlich ist es auch genau das, was heute der Wissenschaft und an den Universitäten fehlt. Und wer es doch tut, stört und weg muss.
Die Reaktionen
Vermutlich war wohl niemand überraschter als ich selbst, dass ich eine Professur erhalten hatte. Der Flaschenhals dieses Karriereweges ist sehr eng. Nur etwa vier bis fünf Prozent all jener, die sich auf eine Professur bewerben, sind erfolgreich. Bislang hörte ich von keinem, der zuvor totgesagt worden war.
Nun gehörte ich also zu jenen, die es geschafft hatten. Sofort änderte sich das Verhalten meiner beruflichen Umwelt. Plötzlich sprachen Menschen mit mir, die mich zuvor kaum eines Blickes würdigten. Mir hielten Menschen Türen auf, durch die ich gar nicht zu gehen beabsichtigt hatte. Es gab ungeahnte Freundlichkeiten, Angebote, Kontaktaufnahmen, Einladungen.
Ich beobachtete das mit Interesse. Mir fiel jener ältere Kollege ein und sein Glückwunsch zur „halben Menschwerdung“ nach meinem Habilitationsvortrag. Vermutlich war ich nun ein „ganzer Mensch“ geworden. Offenbar nicht nur in seinen Augen. Wie sonst wäre all das zu erklären?
Die Rolle „Professorin“ als „ganzer Mensch“? Ich lachte darüber und fühlte mich zugleich sehr befremdet. Und zog vielleicht deswegen nie ganz ein in diese zugeschriebene Ganzer-Mensch-Rolle der Professorin. Fühlte immer die Differenz zwischen dieser Rolle und dem, was ich außer der Professorin auch noch war.
Es war ein kleines Institut an einer kleinen Universität, einer der jüngsten in Österreich. Vor der Ausschreibung war mir nicht bekannt, dass es dort ein Institut für Geographie gab. Obwohl ich Erkundigungen über das Institut eingeholt hatte, erfuhr ich erst etwa ein Jahr nach meinem Dienstantritt, dass etliche Jahre lang darüber nachgedacht worden war, das Institut zu schließen, wenn die beiden Professoren in Ruhestand gingen. Das Institut galt als zerstritten, als ein „hoffnungsloser Fall“, wie mir der damalige Rektor einmal mit einer abwinkenden Handbewegung erzählte. Die Leistungen in der Forschung waren … nun ja, tatsächlich nicht sichtbar. Zum Niveau der Lehre teilte mir mein Vorgänger jovial mit:
„Na ja, Frau Egner, die Universität ist doch auch nichts anderes als eine Mittelschule“.
Ich war anderer Meinung und machte mich an die Arbeit.
Ich glaube, selbst meine Gegner mussten zugeben, dass ich erfolgreich war. Innerhalb weniger Jahre war das Institut auf der Landkarte der deutschsprachigen Geographie leicht zu finden. Mein Institut gehörte zu den forschungsstärksten der Universität, wir hatten regelmässig Gäste und die Lehre lief – nach anfänglichem Schock über die Umstellung – weitgehend gut.
Das 40jährige Jubiläum nahm ich zum Anlass für ein großes Fest, bei dem die damalige Studienrektorin der Universität die Begrüßung mit einer Würdigung der Leistungen dieses „Ein-Professorinnen-Instituts“ eröffnete (die ersten knapp fünf Minuten im Video*). Kurz zuvor hatte der Rektor die Neu-Einrichtung einer zweiten Professur zugesagt – wer Universitäten kennt, weiß, dass dies in Zeiten des Sparzwangs eine beachtenswerte Entscheidung ist. Sie sagt vielleicht am ehesten etwas darüber aus, dass meine Arbeit sehr erfolgreich war.
Die Vernichtung
Der gleiche Rektor, der die Entscheidung für die Ausweitung des Instituts aufgrund des großen Erfolgs getroffen hatte, entließ mich ziemlich genau drei Jahre später, ohne dass er mir dafür konkrete Gründe nannte, nur dass ich „Mitarbeiter herabwürdigend behandelt“ hätte (meine Erinnerung an das Entlassungs“gespräch“ findet sich hier). Auch nach fünfeinhalb Jahren Gerichtsverfahren vor österreichischen Gerichten kenne ich immer noch nicht den genauen Grund meiner Entlassung, außer dass es sich um eine lange eingefädelte Sache einiger Akteure handelte.
Die Gerichte in Österreich störten sich nicht daran. Zwar stellte der erstinstanzliche Richter nach viereinhalb Jahren fest:
„Separat betrachtet sind beide Beweisgruppen in sich schlüssig und nachvollziehbar und prinzipiell auch logisch und den Ausführungen zu folgen.“
Und sah es dann als erweisen an, dass die Universität mich zu Recht entlassen hat. Welche Beweise und Argumente er als ausschlaggebend ansah, ließ er im Dunkeln, da er auf eine juristische Beweiswürdigung verzichtete. Die beiden nachfolgend bemühten Instanzen folgten der Entscheidung, da selbst
„der Umstand, dass nach den Beweisergebnissen auch andere Tatsachenfeststellungen möglich gewesen wären […] noch nicht [ausreicht], um eine unrichtige oder bedenkliche Beweiswürdigung aufzuzeigen“
wie das Oberlandesgericht urteilte. In anderen Worten: Auch wenn ein Richter irrt oder einen Fehler macht, hat er Recht.
Um es kurz zu machen: Der Weg durch die gerichtlichen Instanzen war erfolglos. Die Vernichtung ist gelungen. Meine berufliche Existenz als Universitätsprofessorin – geschreddert.
Um das sicherzustellen, trat die Universität noch nach. So wies mich die Justiziarin der Universität noch geraume Zeit nach meiner Entlassung mehrmals unter Androhung juristischer Schritte darauf hin, dass ich Hinweise auf meine frühere Zugehörigkeit zu jener Universität aus dem gesamten Internet zu löschen hätte (um „Gefahr“ von der Universität abzuwenden). Der Rektor verfolgte meine weiteren Schritte, kontaktierte beispielsweise jeden Herausgeber, bei dem ich einen Beitrag über unsere Studie über die Entlassung von Professorinnen und Professoren in Deutschland, Österreich und der Schweiz einreichte, um die Publikation zu delegitimieren. Wer kritisch über meinen Fall berichtete, wurde von ihm vor Gericht gezerrt – und von diesem dann sogar zur Behauptung falscher Tatsachen verpflichtet (kein Schreibfehler!).
Wer nun glaubt, nun ja, in Österreich – da ist das eben so. Freunderlswirtschaft und so weiter. Wer da als Deutsche kommt und glaubt, Rechte zu haben und Recht bekommen zu können, ist selbst schuld. In gewisser Weise stimmt das. Allerdings war jener, der über den Fall berichte und dem das Gericht die Behauptung falscher Tatsachen verordnete … Österreicher.
Spätestens hier wurde mir klar, dass Kräfte am Werk sind, die zwar Wörter wie Respekt, Redlichkeit, Rechtsstaatlichkeit, Recht oder Menschwürde wie Monstranzen vor sich hertragen, aber durch ihre Handlungen tatsächlich auf jede dieser Tugenden oder zivilisatorischen Errungenschaften sch… Mehr noch, es scheint, als könnten sie dies in der Gewissheit tun, damit ungestraft davon zu kommen.
Wie ich mittlerweile aus unserer Studie über die Entlassung von Professoren weiß, ist all das weder ein Einzelfall noch eine Überraschung. Weder die Art und Weise des Umgangs der Universität mit mir noch das Verfahren vor Gericht. Seit etwa 2018 hat sich die Praxis dieser Art des Umgangs offenbar normalisiert, zumindest suggeriert die Zahl der uns immer weiter zugetragenen Fälle dies.
Ähnlich wie das Buch (Teil 1), bin ich verschwunden, geschreddert, und mit mir die Wissenschaft, wie sie einst einmal gedacht war. Was wie eine Anmaßung klingt, ist nicht so gemeint. Weder war das Buch verantwortlich für die Insolvenz des Verlages, sondern ging letztlich nur mit ihm unter. Noch bin ich verantwortlich für die Unterwerfung der Universitäten, wie Michael Meyen das nannte, sondern meine Entfernung – wie übrigens auch seine aus der Universität – ein Resultat eben jener Entwicklung.
Als Wissenschaftlerin arbeite ich immer noch, allerdings nun als “freie Wissenschaftlerin” (was nur bedeutet, dass ich dafür von niemandem ein Gehalt erhalte) und kaum noch in meinem eigentlichen Fachgebiet (dort bin ich verbrannt), sondern eher im Bereich Hochschulentwicklung. Die oben erwähnte Studie begann ich im Jahr 2020, gemeinsam mit Anke Uhlenwinkel, ebenfalls eine entlassene Professorin, mit der mich eine ganz eigene Geschichte verbindet. Die Studie war eine Art Selbstverteidigung gegen die Fassungslosigkeit. Eben das, was Wissenschaftler dann tun, wenn sie etwas nicht verstehen – sie beginnen zu forschen. Interessant ist, dass die Forschungsergebnisse an jenen Stellen, die es anginge (weil sie es ändern könnten), kaum gehört werden wollen. Ja, es wird als unerhört empfunden, dass wir - als entlassene Professorinnen - die Stimme erheben und selbst die Angelegenheit beforschen. Das Muster meines Lebensteppichs … hier ist es erneut. Allmählich finde ich Spaß daran. Die Details hierzu wären jedoch eine weitere Geschichte.
Wie das Buch bin ich also nicht ganz verschwunden. Wenn man so will, bin auch ich also eine Art Schrödingers Katze.
Oder es ist einfach nur ein später Beleg dafür, dass ich eben doch mehr bin als diese Ganzer-Mensch-Rollen-Zuschreibung der Professorin …
Fortsetzung folgt …
… in Teil 3: Die Folgerungen. Dort finden Sie die Auflösung, was die beiden Geschichten verbindet, warum sie strukturell das Gleiche erzählen und welche tiefere Bedeutung das für mich hat.
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*** Es ist davon auszugehen, dass die Universität das Video nach Kenntnisnahme der Verlinkung mit diesem Text von der Website entfernt. Auch andernorts neigt die Geschichte ja derzeit dazu, sich durch Löschung und alternative Erzählungen umzuschreiben. Die folgende Transkription des gesprochenen Wortes dient mithin dem Zweck der Dokumentation:
Sehr geehrte Festgäste, sehr geehrte Professorin Egner, insbesondere aber sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts für Geographie und Regionalforschung.
Man hat mir die ehrenvolle und freudvolle Aufgabe zugedacht, dem Institut für Geographie und Regionalforschung im Namen der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften zu seinem 40. Geburtstag zu gratulieren. Herzlichen Glückwunsch!
Nun ist das Alter, wie man so schön sagt, üblicherweise kein besonderes Verdienst. In diesem Fall aber vielleicht doch, drohte vor ein paar Jahren ernsthaft die Schließung des Instituts und es war daher aus damaliger Perspektive nicht so selbstverständlich, dass es dieses Geburtstagsfest heute noch geben wird. Daher noch einmal: Alles Gute!
40 Jahre ist gemessen am Alter der Universität recht stattlich. Österreichweit gesehen ist das Klagenfurter Institut allerdings das jüngste. Es ist zugleich auch das kleinste. Nun, auf dieses Attribut kleinstes Institut Österreichs würde man wahrscheinlich vermutlich gut und gerne verzichten. Die Größe des Instituts, oder besser gesagt, die Kleinheit des Instituts macht aber die Leistungen dieses Instituts vielleicht größer, denn die sind in Forschung, Lehre und Verwaltung sehr groß.
Ich beginne mit den Forschungsleistungen. Es zählt zu den forschungsaktivsten Instituten der Universität. Dafür gibt es zahlreiche Forschungspreise, die Beleg dafür sind. Es ist ein Ein-Professorinnen-Institut, das verantwortlich ist für vier Studien: ein Bachelorstudium „Geographie“, ein Masterstudium „Geographische Regionalwissenschaften / Geographische Systemwissenschaften“, ein Dissertationsstudieum mit dem Dissertationsgebiet „Geographie“. Im Lehramtsstudium verantwortlich für das Unterrichtsfach „Geographie und Wirtschaftskunde“.
Auch die Fachdidaktik wurde ausgezeichnet mit dem RECC - Regional Education Competence Center, einem Qualitätslabel.
Dazu kommt ein Universitätslehrgang, der international ausgerichtet ist und ebenfalls international ausgezeichnet wurde, der Universitätslehrgang „Management of Protected Areas“.
Aus der Perspektive der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, die ich heute hier vertreten darf, ist zu erwähnen, dass das Institut für Geographie und Regionalforschung auch Gründungsinstitut der Fakultät ist. Die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften und damals auch für Informatik wurde damals 1994 gegründet. Als sich dann die technischen und naturwissenschaftlichen Institute 2007 verselbständigt haben, ist das Institut bei den Wirtschaftswissenschaften verblieben. Nun, die Frage der Zuordnung zu dieser wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät ist keinesfalls eindeutig. Sie ist österreichweit gesehen, glaube ich, auch einmalig. Ich habe daher nicht nur mir die Frage gestellt, sondern auch anderen, warum denn die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften? Eine eindeutige Antwort gibt es nicht. - Was ich damit sagen will, ist: Das Thema der Geographie ist einfach so weitläufig und breit, dass es darauf keine Antwort geben kann. Es gibt eben diese Zwitterstellung zwischen den Sozial- und Naturwissenschaften.
Die Beziehung des Instituts zur Fakultät würde ich als eine kritische Beziehung bezeichnen, aber in einem guten Sinn des Wortes. Mit den eigenen Anliegen bleibt man vielleicht häufig im Windschatten der größeren wirtschaftswissenschaftlichen Studien. Thematische Anknüpfungspunkte gibt es natürlich zu den wirtschaftswissenschaftlichen Wissenschaften, aber eben auch zu anderen Wissenschaften, und die werden auch sehr intensiv und rege gepflegt. Innerhalb der Fakultät sorgt dieses Institut daher für Buntheit und rege Beziehungen nach außen.
Die Fakultät hat allen Grund, auf dieses Institut stolz zu sein. Der hohe Grad an Internationalisierung im Rahmen der WiWi aktuell-Vortragsreihe ist dieses Institut meines Wissens das mit Abstand aktivste.
Die international anerkannten Leistungen in der Forschung und die Verantwortung für mehrere Studienprogramme - das schafft nicht nur Ansehen, das schafft in einem Kennzahlen geprägten universitären Finanzierungsumfeld auch Budget. Das ist kein zu vernachlässigender Nebenaspekt.
Als kritische Beziehung in einem guten Sinn auch deshalb, weil man den Aufwand der Kritik niemals scheuen würde und den Aufwand der Auseinandersetzung, letztlich aber auch das ernst nehmen anderer hier niemals scheuen würden. Das ist aus meiner Sicht eine Tugend, die man nicht hoch genug schätzen kann.
Erlauben Sie mir dann auch noch eine persönliche Bemerkung zum Abschluss. In Sachen Vollziehung des Studienrechts, für das ich verantwortlich, oder mitverantwortlich bin, möchte ich erwähnen, dass es für die Institutsangehörigen eine selbstverständliche, und nicht eine lästige, Verpflichtung ist, auch Verwaltungsaufgaben zu übernehmen. Es steht stets die sachliche, auch die rechtskonforme Lösung im Vordergrund und es geht nicht um die Reduzierung des eigenen Aufwandes. Das ist nicht selbstverständlich.
Ich darf auf dieser persönlichen Ebene auch noch erwähnen, dass hier persönliche Freundschaften im Laufe der Jahre entstanden sind, für die ich auch sehr dankbar bin. Das ist jetzt nicht im Überschwang eines Geburtstagsfestes gesagt, sondern das ist mir auch ein ernsthaftes Anliegen. Irgendwie habe ich das Gefühl, wir sind auf einer ähnlichen Wellenlänge.
Ich denke, das Institut kann vertrauensvoll in die Zukunft blicken. Der Ausbau des Instituts um eine weitere Professur wurde zuletzt verabschiedet und im Entwicklungsplan der Universität, mit Unterstützung der Fakultät, mit höchster Priorität versehen. Ich denke, diese Form der Wertschätzung steht der Universität und auch der Fakultät sehr gut an. Wir können daher frohen Mutes sein, dass es noch weitere runde Geburtstage zu feiern geben wird. Noch einmal alles Gute zum 40jährigen Jubiläum.
Ass.-Prof. Dr. Doris Hattenberger, Studienrektorin, hier die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften vertretend.
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