Weitere Second Layer Lösungen

Weitere Second Layer Lösungen

Die versteckten Gassen der Bitcoin-Stadt: Second Layer Lösungen einfach erklärt

Wenn wir uns das Bitcoin-Netzwerk wie eine große, extrem sichere Stadt vorstellen, dann ist die Hauptblockchain (Layer 1) der Marktplatz. Jeder Handel, der hier stattfindet, wird von allen Bürgern der Stadt aufgeschrieben, überprüft und für die Ewigkeit in massiven Stein gemeißelt. Das ist absolut sicher, aber es dauert seine Zeit und kostet Gebühren.

Eine Sidechain (Seitenkette) wäre so etwas wie eine direkte Nachbarstadt. Sie hat ihren eigenen Bürgermeister, ihr eigenes Kassenbuch und eigene Regeln. Man baut eine Brücke zwischen der Bitcoin-Stadt und der Nachbarstadt, um Geld hin und her zu schieben.

Second Layer Lösungen (Zweite Ebene) funktionieren dagegen ganz anders. Sie bauen keine eigene Nachbarstadt und auch keine eigene Blockchain mit Blöcken. Stattdessen sind sie wie clevere Verträge, Gutscheine oder Tresore, die innerhalb der Bitcoin-Stadt stattfinden, ohne dass man jeden kleinen Handgriff auf dem großen Marktplatz in Stein meißeln muss.

Neben dem bekannten Lightning-Netzwerk, das wie ein System aus Bierdeckeln (Zahlungskanälen) funktioniert, gibt es noch weitere faszinierende Entwicklungen auf dieser zweiten Ebene. Schauen wir uns vier spannende Projekte an, die völlig ohne eigene Blockchain auskommen.

1. Cashu (E-Cash): Das absolute digitale Bargeld

Cashu ist eine Technologie, die das Gefühl von physischem Bargeld in die digitale Welt bringt. Das System nutzt sogenannte E-Cash-Token (elektronisches Bargeld) und wird ohne eigene Blockchain betrieben.

Stell dir vor, du gehst auf einen Jahrmarkt. An der Kasse tauscht du deine echten Euro-Scheine in kleine Plastikchips (Tokens) um, mit denen du an allen Buden bezahlen kannst. Wenn du den Jahrmarkt verlässt, tauschst du die restlichen Chips wieder in Euro um.

Genau so funktioniert Cashu:

Du gibst Bitcoin über Lightning an eine sogenannte “Mint” (Prägestätte). Die Mint gibt dir dafür digitale Gutscheinschnipsel auf dein Handy. Diese Schnipsel kannst du nun über das Internet verschicken. Das Besondere an Cashu ist die atemberaubende Privatsphäre. Durch geniale Mathematik (blinde Signaturen) weiß die herausgebende Mint nicht, wem sie welche Gutscheine gegeben hat. Wenn du einen Cashu-Gutschein an einen Freund schickst, ist das genauso anonym, als würdest du ihm auf der Straße einen Zehn-Euro-Schein in die Hand drücken. Um das System mit der Außenwelt zu verbinden, kann man diese Gutscheine jederzeit blitzschnell über das Lightning-Netzwerk bezahlen oder empfangen.

Nachteil bei E-Cash: Es ist Custodial, wenn also der Mintbetreiber abhaut, ist dein Geld verloren. Deshalb keine große Menge seines Ersparten dort benutzen.

2. Das Ark-Protokoll: Senden ohne Vorbereitung

Ark ist eine relativ neue und extrem elegante Erfindung für Bitcoin. Das Lightning-Netzwerk ist toll, aber es hat für Anfänger einen Nachteil: Man muss erst mühsam einen “Kanal” (den Bierdeckel) eröffnen, wofür man eine Transaktion auf dem großen Hauptmarktplatz machen muss.

Ark löst dieses Problem. Es ermöglicht blitzschnelle Zahlungen, ohne dass man jemals einen eigenen Kanal öffnen muss.

Das funktioniert über sogenannte Ark Service Provider (ASP). Stell dir das vor wie ein großes, kryptografisch gesichertes Schließfachsystem. Der ASP legt einen großen Haufen Bitcoin als Sicherheit in einen Glaskasten. Nun kann er digitale Besitzurkunden (virtuelle UTXOs) an die Nutzer ausgeben.

Das Geniale an Ark ist der Sicherheitsmechanismus:

Wenn du eine Ark-Besitzurkunde hast, gehört das Geld wirklich dir.
Der ASP kann niemals mit deinem Geld weglaufen.
Wenn der ASP verschwindet oder pleitegeht, nimmst du deine Besitzurkunde und gehst damit auf den Haupt-Marktplatz von Bitcoin. Ein intelligenter Vertrag (Smart Contract) garantiert dir, dass du dein Geld nach einer gewissen Wartezeit direkt vom Hauptnetzwerk zurückbekommst. Es kombiniert also die Leichtigkeit, einfach eine App herunterzuladen und sofort loszulegen, mit der eisernen Sicherheit des Bitcoin-Hauptnetzwerks.

Nachteile bei Ark: Ark hat wenig Privatsphäre, der Serviceprovider sieht zum einen alles. Zum anderen müssen regelmäßig Transaktionen auf der Blockchain gemacht werden um die Einzahlungen der Nutzer zu bündeln. Es gibt Explorer (Webseiten) auf denen man dann die Transaktionen nachvollziehen kann. Und Ark neigt zum zentralisieren, da große Mengen an Bitcoin gebraucht werden um so etwas aufzubauen.

3. Statechains: Den Tresorschlüssel weitergeben

Normalerweise verschickst du Bitcoin, indem du auf der Hauptstraße eine neue Transaktion einträgst: “Schiebe 1 Bitcoin von Adresse A nach Adresse B”.

Bei Statechains gibt es einen völligen Perspektivenwechsel. Anstatt das Goldstück (den Bitcoin) zu bewegen, legt man das Goldstück in einen winzigen, digitalen Tresor. Wenn man nun jemanden bezahlen möchte, verschickt man nicht das Gold, sondern man übergibt den Schlüssel zum Tresor.

Die Weitergabe dieses Schlüssels passiert abseits der Hauptstraße (Off-Chain). Dieser Vorgang geht in Millisekunden und man kann den Schlüssel tausende Male von Person zu Person weiterreichen. Erst wenn jemand ganz am Ende der Kette sagt: “Ich möchte das Gold jetzt wirklich haben”, nimmt er den Schlüssel, öffnet den Tresor und schreibt diese eine Tat auf dem Hauptmarktplatz nieder.

Auch hier sorgt komplexe Kryptografie dafür, dass niemand heimlich einen Zweitschlüssel nachmachen kann.

Nachteile bei Statchains: Kein Wechselgeld möglich. Und der Server Betreiber könnte sich mit dem Vorbesitzer des Schlüssels zusammentun und die Bitcoin stehlen.

4. Taproot Assets (und RGB): Die versteckten Münzen

Diese Lösung gehört in die Kategorie der “Client-Side Validation” (Überprüfung auf Nutzerseite). Es geht hierbei darum, andere Dinge als nur Bitcoin über das Bitcoin-Netzwerk zu verschicken – zum Beispiel digitale Dollar (Stablecoins), Tickets oder Aktienzertifikate.

Anstatt für diese neuen Tauschmittel eine eigene Sidechain mit hunderten Computern zu bauen (wie bei Liquid), nutzt man einen cleveren Trick. Man nutzt die Hauptstraße von Bitcoin nur als einen winzigen Wachssiegel-Stempel.

Die wirklichen Daten (wer wie viele digitale Dollar hat) werden nicht auf der großen Bitcoin-Tafel notiert, sondern nur auf den Festplatten der beteiligten Nutzer gespeichert. Wenn Alice 10 digitale Dollar an Bob schickt, schicken sie sich die Vertragsdaten direkt zu. Die Bitcoin-Hauptstraße notiert nur einen mikroskopisch kleinen, unleserlichen Code, der besagt: “Dieser Handel fand statt und wurde versiegelt”.

Nachteile dieser Art: Sehr komplexer Aufbau, alles noch in der Entwicklung. Zudem muss man die Transaktionsdaten selbst speichern. Man hat kein Backup wie 12 Wörter und wenn die Festplatte abraucht oder man die Daten nicht sorgfältig verwaltet, ist das Geld weg.

Zusammenfassend kann man sagen:

Es gibt viele Ansätze wie man Bitcoin skalieren und nutzbarer machen kann. Ob als tägliches Zahlungsmittel oder für intelligente Verträge. Das alles ist noch in der Entwicklung und es wird sich zeigen was sich in der Praxis dann langfristig durchsetzt. Wichtig ist nur dass man als Nutzer weiß, womit man welche Dinge tun kann. Wissen was die Risiken und was die Vorteile jedes Systems sind.

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