Systemhaus Widerwillen

Mein Nebenprojekt ist mittlerweile zum Hauptprojekt gewachsen – und wie das bei organischem Wachstum so ist, hört das nicht einfach auf.

In meinem Umfeld wurde von Bekannten und Freunden immer wieder IT-Support nachgefragt, also klassische Dienstleistungen eines IT-Systemhauses. Dabei hat sich wiederholt herauskristallisiert, dass es zwar einige wenige Dienstleister gibt, diese aber vor allem ihre eigenen Wünsche und Vorstellungen vermarkten. Mangels Alternativen müssen mittelständische Betriebe das dann annehmen – ob sie wollen oder nicht.

Was am Ende angeboten wird, grenzt meiner Meinung nach an Abzocke. Ein Dienstleister nimmt für zwei Arbeitsplätze und deren Einrichtung als Leasing 80 € pro Rechner – das macht 160 € im Monat und 1.920 € im Jahr bei einer Mindestvertragslaufzeit von 36 Monaten. Allein für die zwei Mittelklasse-Rechner kassieren die damit 5.760 €. Unnötige Software-Lizenzen und völlig überdimensioniertes Netzwerk-Equipment wie maßlos überzogene Firewalls sind darin noch nicht einmal eingerechnet. Diesem Kunden wollen sie allen Ernstes für zwei Arbeitsplätze fast 15.000 € über drei Jahre aus den Rippen leiern. Überflüssig zu erwähnen, dass das Aufsetzen der Rechner natürlich zusätzlich stundenweise zu 150 € pro Stunde abgerechnet wird. Außerdem sollen die Kunden einen Prepaid-Manntag kaufen, der dann abgearbeitet wird – das kommt natürlich zu den laufenden Kosten von 15.000 € in 36 Monaten noch hinzu.

Anfragen dieser Art häufen sich. Also baue ich nebenbei ein IT-Systemhaus auf – aber seriös, ohne mittelständischen Betrieben das letzte Hemd auszuziehen und ihnen Mist zu verkaufen, den sie weder wollen noch brauchen. Was unseriöses Geschäftsgebaren angeht, setzt die IT-Branche bis heute echte Maßstäbe.

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