De-Banking als neue Form des „Unbanked-Seins“: Wie Finanzsysteme Kritiker zum Schweigen bringen
De-Banking als neue Form des „Unbanked-Seins“: Wie Finanzsysteme Kritiker zum Schweigen bringen
Hallo zusammen,
in meiner letzten Recherche zu den 1,3 Milliarden Menschen weltweit, die ohne Bankkonto leben, ging es vor allem um Armut, fehlende Infrastruktur und Misstrauen gegenüber Banken. Doch es gibt eine andere, zunehmend sichtbare Form des „Unbanked-Seins“ – nicht durch Armut, sondern durch gezielte finanzielle Ausgrenzung. Banken und Behörden schließen Konten, frieren Vermögen ein oder verweigern neue Konten, oft ohne klare Begründung. Das betrifft nicht nur ferne Länder, sondern Journalisten, Aktivisten und politische Stimmen direkt in der westlichen Welt.
Seit 2024/2025 häufen sich solche Fälle. Sie zeigen: Finanzielle Teilhabe kann plötzlich entzogen werden – nicht wegen Straftaten, sondern wegen unbequemer Meinungen. Hier sechs aktuelle Beispiele, die das Muster deutlich machen.
Scott Ritter, ehemaliger UN-Waffeninspektor und unabhängiger Journalist, der die US-Außenpolitik kritisch begleitet. Im Januar 2026 kündigte seine Bank (Citizens Bank, nach 26 Jahren) die Geschäftsbeziehung. Konten wurden „zeroed out“, Debitkarte gesperrt – ohne Erklärung. Ritter vermutet Bundesbehörden hinter dem Schritt, ausgelöst durch seine Russland-Reisen und Berichterstattung. „Wenn sie mich de-banken können, können sie jeden de-banken“, schrieb er.
Donald Trump erlebte etwas Ähnliches nach dem 6. Januar 2021. JPMorgan Chase schloss Konten von ihm, seiner Familie und seinen Unternehmen. Die Bank gab dies 2026 in einem Gerichtsverfahren (Trump klagt auf 5 Milliarden Dollar) erstmals offen zu. Trump reagierte später mit einer Executive Order gegen „politicized debanking“.
Michael Ballweg, Gründer der Querdenken-Bewegung, berichtet seit 2022 von gesperrten Konten. Die Volksbank kündigte Privat-, Firmen- und Bewegungs-Konten. Neue Konten in Europa? Kaum möglich. Seine Firmen sind in Liquidation, Unterstützer werden auf Krypto verwiesen. Ballweg sieht darin eine systematische Isolation kritischer Stimmen.
Martin Sellner, österreichischer Aktivist der Identitären Bewegung, hat seit 2017 über 59 Konten und Zahlungsdienste verloren. 2026 meldete er 116 geschlossene Konten und 340 Banken, die ein Business-Konto verweigerten. Sogar die Schweizer Postfinance suspendierte sein Konto auf Druck von Behörden.
Jacques Baud, Schweizer Ex-Oberst, ehemaliger NATO-Analyst und Geheimdienstler, wurde im Dezember 2025 von der EU sanktioniert – wegen angeblicher „pro-russischer Propaganda“. Seine Bankkonten in der EU wurden eingefroren, Reisen innerhalb des Schengen-Raums verboten. Er konnte zeitweise nicht einmal Lebensmittel kaufen. Später gab es eine humanitäre Ausnahme für „lebensnotwendige Zwecke“.
Hüseyin Dogru, Berliner Journalist (red.media), wurde im Mai 2025 ebenfalls von der EU sanktioniert. Grund: seine Berichterstattung zu Gaza und angebliche „russische Desinformation“. Sein Konto bei Comdirect ist seitdem gesperrt. „Ich habe null Zugang zu Geld“, schrieb er. Er darf keine Arbeit annehmen, keine Unterstützung erhalten – nicht einmal Essen oder Medikamente von Dritten. Seine Familie, inklusive Neugeborener, war zeitweise ohne Krankenversicherung.
Diese Fälle sind keine Einzelfälle. Sie reihen sich ein in den Bericht „Courting Silence“ von WAN-IFRA und IAPA, der zeigt, wie Wirtschaftsdelikte und Finanzinstrumente genutzt werden, um Journalisten und Medien lahmzulegen – ohne direkte Zensurgesetze.
Was bedeutet das für die unbanked-Debatte?
In der „Dritten Welt“ entsteht das Unbanked-Sein oft durch Armut oder fehlende Infrastruktur. In der westlichen Welt wird es gezielt hergestellt – als „de-risking“ oder Sanktion. Das Ergebnis ist dasselbe: Menschen können keine Rechnungen zahlen, keine Spenden annehmen, keine Geschäfte machen. Pressefreiheit und Meinungsäußerung werden nicht verboten, sondern praktisch unmöglich gemacht. Wer kein Konto hat, kann nicht mehr journalistisch arbeiten, spenden oder unterstützt werden.
Welche Schlüsse ziehe ich daraus?
Erstens: Finanzsysteme sind kein neutraler Boden mehr. Banken agieren zunehmend als verlängerter Arm von Politik und Behörden – oft ohne gerichtliche Prüfung. Das ist eine schleichende Erosion von Grundrechten, die weit über die genannten Personen hinausgeht. Wenn es Scott Ritter, Hüseyin Dogru oder Michael Ballweg trifft, kann es jeden treffen, der abseits des Mainstreams berichtet.
Zweitens: Die Betroffenen sind oft Journalisten oder kritische Stimmen. Das unterstreicht den Trend, der gut im WAN-IFRA-Report beschrieben ist: De-banking als Waffe gegen Pressefreiheit. Es ist leiser als Haft oder Zensur – und deshalb besonders wirksam.
Drittens: Hier zeigt sich eine echte Chance für dezentrale Lösungen wie Bitcoin und Stablecoins. Mehrere der Genannten (Ballweg offen, andere implizit) weichen auf Krypto aus. Für Menschen in der Dritten Welt, die unter Inflation oder teuren Remittances leiden, ist das längst Alltag. Im Westen wird es zur Notlösung gegen staatliche und bankseitige Kontrolle. Bitcoin macht niemanden automatisch bankfähig – aber es schafft Resilienz, wenn das traditionelle System versagt.
Viertens: Wir brauchen dringend klare Regeln gegen willkürliches De-banking. Transparenzpflichten für Banken, Recht auf Anhörung und unabhängige Kontrollinstanzen. Sonst wird finanzielle Inklusion nicht nur in Entwicklungsländern, sondern auch bei uns zur Farce.
Das Unbanked-Problem ist nicht nur ein Thema der Armut. Es ist ein Thema der Macht. Wer Kontrolle über das Geld hat, hat Kontrolle über die Stimme. Die genannten Fälle erinnern uns daran: Freiheit braucht nicht nur Worte – sie braucht auch ein funktionierendes Konto. Und manchmal ein dezentrales Netzwerk, das sich nicht abschalten lässt.
Was denkt ihr? Habt ihr ähnliche Geschichten erlebt oder beobachtet? Ich freue mich über eure Gedanken in den Kommentaren.
Bleibt wachsam und bleibt zahlungsfähig – auf welche Weise auch immer.