Angst vor dem Krieg Jan. 1991

Angst, die Angst ein Leben zu verlieren das noch nicht lebte, sich noch nicht den Stürmen der Welt preis gegeben hat,

Angst vor dem Krieg Jan. 1991

Angst, die Angst ein Leben zu verlieren das noch nicht lebte, sich noch nicht den Stürmen der Welt preis gegeben hat, sie noch nicht versuchte um sich an ihr zu laben. Wo ich noch keine Wahrhaftigkeit entdeckte, keinen Sinn, da will man mir alles nehmen. An des Sinnes stelle gaben sie mir ein Vakuum der Furcht, des Fröstelns und der Feindseligkeit. Leben! Welch entzückende Wonne durchrast meinen Körper, bei diesem Wort, im Augenblick des nahen Todes. Sie sagen, für den Frieden kämpfen sie, und führen den Totenkopf in ihren Bannern. Von Helligkeiten reden sie, doch ist nicht das Leben heilig? Krieg zum Frieden, Frieden zum Krieg, ein unsägliches Spiel, voll zerstörter Verlierer. Ein Wahnsinn bis zum Exzeß. Nun sind auch meine Hoffnungen, mein Leben zu einem Spielball geworden, keine Chance auf Gewinn. Es bleibt mir nur die Erwartung, einem gemästeten Rindviech gleich, auf einen schnellen sauberen Tod. Doch wie können sie nehmen, was nur mir gehört. Wie können sie entscheiden, wo nur ich entscheide. Was nutzt die Entrüstung, vor einem blinden, taumelnden Koloß, der auf dich herabstürzt, um dich in ein dunkles Reich zu nehmen. So bleibt mir nichts außer der Hoffnung. Ich sehe eine Schwarze Wolke die die Sonne verhüllt. Wie lange werde ich noch ihre goldenen Strahlen auf meiner Haut spüren, mich abwenden müssen vor der funkelnden, übermächtigen Schönheit. Werde ich noch länger das satte Grün der Bäume erblicken? Oder wird alles begraben unter einer dicken Schicht fettigen Rußes, wie mein erblaßter, lebloser Körper in einem der Massengräber. Doch auch wenn ich verschont bleibe, mein Leben behalte, wird nur meine Hülle zurückkehren, ein psychischer Krüppel, angefüllt mit des Krieges Schrecken. Ohne eine Hoffnung auf Leben, ohne Menschlichkeit, die der Krieg zerstückelt, langsam und genüßlich verschlungen hat. Ich werde hier sitzen, mich nicht regen. Ich werde hier sitzen und hoffen das sich mich vergessen.


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