Gipfelerfahrung
Als ich wieder einmal in meinen Textsammlungen kramte, jenen, die bloße Ausdrucke von bereits in den Computer getippten Dichtungen sind und die schon mal bei einer Lesung präsentiert wurden, aber auch denen, die handschriftlich und noch nicht verarbeitet irgendwann einmal in eine der vielen Mappen abgelegt wurden, entdeckte ich meinen Versuch, dem großen Dichter und Denker Johann Wolfgang von Goethe nachzueifern. Na ja, nacheifern ist in dem Zusammenhang wahrscheinlich nicht der richtige Begriff. Ich nahm eines der am meisten bekannten Gedichte und textete es neu. Aus “Ein Gleiches - Wanderers Nachtlied” wurde “Ein Leichtes - Wanderers Albtraum”.
Hier zunächst einmal Goethes Gedicht:
Über allen Gipfeln
Ist Ruh’,
In allen Wipfeln
Spürest Du
Kaum einen Hauch;
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur! Balde
Ruhest du auch.
Und nun meine Dichtung:
Über allen Gipfeln
Kein’ Ruh’
In allen Zipfeln
Erwartest du
nur Schall und Rauch;
Die Krähen schreien auf der Halde.
Und in dem Walde
Sein Schwefelhauch.
Beim Abschreiben meiner Zeilen werde ich mir meiner Unzulänglichkeit bewusst; ich muss gleichzeitig gestehen, dass der große Johann Wolfgang aber auch nicht mein dichterisches Vorbild ist. Da gibt es Kästner, Fried und Wondratschek; letzterer wurde mir dadurch bekannt, dass er dem wunderbaren Joachim Król im Film “Rossini oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief” 1997 seine Gedichte lieh. Der Streifen ist mir auch aus vielen anderen Gründen in Erinnerung, ich habe ihn mir nach dem Tod von Mario Adorf mit meiner Liebsten erst in diesem Jahr wieder angeschaut.
1974 schrieb Wondratschek Folgendes:
Gedicht
Ich liebe
und habe eine Freude
und eine Angst,
daß du Liebe verlangst.
Eindrücklicher kann man Lust und Leid der Liebe nicht ausdrücken, meine ich.
Foto von Diego Gennaro auf Unsplash
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