Die Feder ist mächtiger als das Schwert

Das geschriebene Wort ist mächtig - sehr mächtig. Es kann Menschen vernichten, gar töten. Darum bedenke der richtigen Wortwahl.
Die Feder ist mächtiger als das Schwert

Wer kennt das Sprichtwort nicht? Hast du dir schon einmal tiefer darüber Gedanken gemacht was das genau bedeutet? Nein? Dann lass uns nun den tieferen Sinn dieses so enorm mächtigen Sprichwortes analysieren. Die Bedeutung hinter diesem Sprichtwort ist im Grunde ganz einfach. Es sagt: dass mit Schriften mehr erreicht werden kann als mit Gewalt.

Woher kommt dieses Sprichwort?

Es ist im Jahre 1839 vom englischen Autor Edward Bulwer-Lytton verfasst und weist darauf hin, dass das geschriebene Wort ein wirksameres Mittel zur Kommunikation ist als Gewalt. In einigen Auslegungen kann sich die schriftliche Kommunikation auf die Verwaltungsgewalt oder ein unabhängiges Nachrichtenmedium beziehen. Wobei die Nachrichtenmedien heutzutage nicht mehr im ursprünglichen Sinne unabhängig sind. Es sind wirtschaftlich getriebene Unternehmen welche Gewinne erwirtschaften müssen um ihre Daseinsberechtigung zu haben.

Jedoch gibt es noch ältere Hinweise auf den Ursprung. So soll der assyrische Weise Ahiqar, der angeblich im 7. Jahrhundert vor Christus lebte, die erste bekannte Version dieses Spruches geprägt haben. Ja es gibt Hinweise, dass dieser Satz sogar biblische und talmudische Quellen haben soll. So wird im Hebräerbrief der Satz gefunden „Wahrlich, das Wort Gottes ist lebendig und wirksam, schärfer als jedes zweischneidige Schwert, das sogar zwischen Seele und Geist, Gelenken und Mark durchdringt und in der Lage ist, Reflexionen und Gedanken des Herzens zu erkennen.“ Auch islamische Quellen sind zu finden.

Robert Burton schrieb 1621 in The Anatomy of Melancholy: „Es ist ein altes Sprichwort: Ein Schlag mit einem Wort schlägt tiefer als ein Schlag mit einem Schwert: und viele Männer werden mit einer Verleumdung, einer skurrilen und bitteren, ebenso gereizt. Scherze, Verleumdung, Pasquil, Satire, Entschuldigung, Epigramm, Theaterstück oder dergleichen, wie bei jedem Unglück auch immer.“

Sogar der französische Kaiser Napoleon Bonaparte (1769–1821), bekannt für seine militärischen Eroberungen, hinterliess diese vielzitierte Bemerkung: „Vier feindliche Zeitungen sind mehr zu fürchten als tausend Bajonette“. Er sagte auch: „Es gibt nur zwei Mächte auf der Welt, Säbel und Verstand; am Ende wird Säbel immer vom Verstand besiegt.“

Was bedeutet dieser Satz heute?

Mit der Feder ist eine Schreibfeder gemeint. Früher wurden solche Federn hauptsächlich von den Federn der Gänse benutzt. Zum Schreiben wurde der Mittelsteg mit einem Messer zugespitzt, sodass die Tinte darin hängen bleiben konnte und folglich beim Schreiben stetig auf das Papier bzw. Pergament floss. Heute benutze wir keine Schreibfedern mehr. Heute benutzen wir Tastaturen auf einem Computer oder Smartphones. Das geschriebene Wort kann schärfer sein, als wenn jemand ein Schwert benutzt. Der psychologische Effekt durch Wörter die einen Menschen auf der persönlichen Ebene treffen, können unvorstellbar schmerzhaft sein. Das glaubst du nicht? Stell Dir vor folgende Situation vor: jemand schreibt einen negativen Artikel über dich und setzt den in die Sozialen Medien wie Facebook, Twitter oder Instagram ab. Tausende Menschen lesen das, tausende Menschen glauben das – egal ob das stimmt oder nicht. Wie fühlst du dich dabei? Egal was du dann sagst, der Schaden ist bei den Lesern angerichtet, weil du – durch ein negatives Vorurteil – nun mit anderen Augen betrachtet wirst. Mit einem Schwert stehst du nur einem Mann gegenüber. Was heutzutage natürlich nicht mehr dem alltäglichen Erleben entspricht. Natürlich ist ein Schwert in der Hand zu halten und jemanden damit niederzustrecken nichts anderes als rohe, grausame Gewalt. Doch der grosse Unterschied zum geschriebenen Wort ist, du musst nur gegen einen ankämpfen und nicht gegen viele.

Das geschriebene Wort kann töten

Ja – in der Tat kann das geschriebene Wort töten. Und es ist, im Gegensatz zum Schwert, grausamer. Es kennt keine Gnade, ist unbarmherzig und trifft dich mit voller Wucht – ungehindert und ungefiltert. Du fragst dich wie das geschehen kann? Vergegenwärtige dir die Geschichte von Clemens G. Arvay. Einem Doktoranden aus Österreich der Biologie studiert hat und sich mit Fakten und Daten seit 2020 gegen die Unwahrheiten der Presse und Regierung gestellt hat. Er betrieb einen Youtube und Facebook Kanal. Unermüdlich und mit einer sehr ruhigen Art, hat er Wissen vermittelt – wissenschaftlich gesichertes Wissen. Er hatte tausende von Followern und wurde bewundert aber auch massiv angegriffen. Verbale Attacken und Entgleisungen auf Facebook und anderen Medien, sogar Morddrohungen, sind gegen ihn geschrieben worden. Er hat jedoch weiterhin daran festgehalten, dass das Wissen auf Basis von Beweisen, Studien und wissenschaftlichen Arbeiten stärker sind als blosse Behauptungen seitens Regierung und deren Gefolge. Am 18. Februar 2023 hat er seinem Leben ein Ende gesetzt. Die verbalen Attacken, Angriffe und Anfeidungen konnte er psychisch leider nicht mehr verarbeiten und aushalten. Ja – Worte, und damit die Feder – können töten. Die Gesellschaft hat mit Worten getötet.

Bewusst sein, was du schreibst

Sei dir also ganz genau bewusst, welche Worte du schreibst oder in den Mund nimmst. Kannst du mit dem Wissen leben, dass du ein Leben zugrunde richtest? Kannst du mit dem Wissen leben, dass du einen anderen Menschen derart verletzt hast, dass er seinem Leben ein Ende setzt? Sei dir also stets bewusst beim Schreiben von Posts, was du anrichten kannst. Ja – die Feder ist in der Tat mächtiger als das Schwert!


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