Was ist Eigenverantwortung
Das Sprichwort zeigt einfach auf, wie das heutige Denken verankert ist. Jemand ist keine natürliche Person, sie ist anonym und bildet nur ein Abstrakt ab. Niemand reiht sich in dieselbe abstrakte, anonyme Gestalt ein. Damit wird sowohl bei Handlungen und bei der Übernahme von Verantwortung auf nichts verwiesen.
Woher kommt diese Zuweisung ins Nichts?
Der Zustand, das Gedankengut einer Gesellschaft ändert sich nicht über Nacht. Dies ist ein Prozess von längerer Zeitdauer. Wir haben bereits als Kinder, wenn wir im Sandkasten unseren Spielen nachgegangen sind und dabei mit der Schaufel Sand auf andere Kinder geworfen haben, eine Schuld von uns gewiesen. Wurde ich durch die Eltern, aufgrund deren weinenden Kindes auf mein Verhalten angefragt, habe ich mehr aus Instinkt gesagt, dass ich es nicht war. Das kennen viele unter euch. Warum verhalten wir uns so?
Eine Erklärung findet sich beim Eigenschutz. Wir schützen uns selbst vor Ausgrenzung, vor Peinlichkeit und vor Abwertung. Ein Kind braucht die Integration eines sozialen Gefüges und leidet entsprechend, wenn es aus diesem Netzwerk ausgegrenzt wird. Es ist also ein natürlicher Selbstschutz.
Eine andere bzw. ergänzende Erklärung ist, dass die Übernahme von Eigenverantwortung auch Lernbar ist. Hierzu benötigt ein Kind seine Eltern, welche es im besten Fall bestärken in seinen Handlungen und ihm ein Vertrauen entgegenbringen. Dieses Vertrauen führt zu eigenen Denkmustern und Glaubenssätzen. Wird jedoch von den Eltern dazu übergegangen, dass in Gesprächen mit den Eltern des anderen Kindes ein Streit vom Zaun gebrochen wird, lernt das eigene Kind nur, dass seine Eltern die Handlung im Sandkasten als richtig betrachten und mit dem Streitgespräch wird die Übernahme von Eigenverantwortung abgegeben. Ein Glaubensmuster entsteht das da lautet: „Meine Eltern werden es schon richten.“
Sind wir dann als Erwachsene unterwegs und haben nie gelernt durch eigenes Handeln Verantwortung zu übernehmen, werden wir sogar noch als gestandene Menschen die Schuld bei einer Handlung anderen zuweisen und die Verantwortung ablehnen. Natürlich ist es einfacher die Schuld bei anderen abzuladen und damit den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen. Doch wer die Zügel aus der Hand gibt, wird zum Spielball und Manipulationsmasse von anderen und glaubt damit auch, dass sein Schicksal vorgegeben ist.
Wege aus der Schuldzuweisung.
Wie kommt man also nun aus diesem Dilemma raus? Bei den Kindern sind die Eltern gefragt. Die Eltern haben ihren Kindern Grenzen zu setzen. Das setzen von Grenzen hat dabei nichts zu tun mit einer patriarchen Denkhaltung oder strengen Erziehungsmethoden sondern schlichtweg einfach mit der Sozialisierung von und den Umgang mit Menschen. Zur Erinnerung: wir Menschen sind soziale Wesen und brauchen einander. Wenn ein Kind verzogen wird und keine Grenzen kennt, wird es als Erwachsener durch sein Verhalten gemieden und ausgegrenzt. Die Seele leidet ein Leben lang.
Als Erwachsener hilft es, sich jeden Tag selbst Rechenschaft abzulegen. Dies führt zur Selbstreflexion und einer kritischen Sicht seiner Handlungen gegenüber. Diese selbstkritische Haltung führt uns als Erwachsene zu einer offeneren Sicht der Dinge die uns täglich beunruhigen und worüber wir uns sorgen machen. Damit verbunden erkennen wir falsche Handlungen und können weitere korrigieren und anpassen. Die Selbstreflexion ist ein innerer Dialog mit uns. Die Seele und auch unser Unterbewusstsein wird nicht durch eine Schockwirkung wie Widerstand, Ausgrenzung oder peinlichen Situationen ins Hirn eingebrannt, sondern kann sich nach und nach mit der Sache in Ruhe auseinandersetzen. Wir lernen daraus und übernehmen in der Folge die Verantwortung für unser handeln. Wir nehmen unser Schicksal selbst in die Hand fühlen uns sicher und gestärkt und nicht mehr ohnmächtig ausgeliefert.
Aus meiner Sicht ist der oben beschriebene Prozess der Selbstreflexion im Grunde der natürliche Weg zur Selbstverantwortung. Wer mit sich selber achtsam umgeht und auf seine Handlungen und Worte achtet, in einer ruhigen Zeit – zum Beispiel vor dem Schlafen gehen – in eine Selbstdiskussion geht wird mehr Freude am Leben haben.
Write a comment