Osterspaziergang
Sehr geehrter Herr von Goethe,
in Ihrer vorangegangenen Email bekundeten Sie den Wunsch, Ihr nachfolgendes Gedicht erneut zu veröffentlichen. Beim Überprüfen nach allgemein anerkannten Regeln der aktuellen Unserenschreibweise, wie sie derzeit in Unserergesellschaft üblich ist, sind uns noch einige Unstimmigkeiten bzw. Ungenauigkeiten und Korrekturwünsche aufgefallen, die wir im Anschluss an Ihre Zeilen in Klammern angemerkt haben. Wir bitten um zeitnahe Änderung und sagen heute schon vielen Dank!
„Osterspaziergang“ (Da in Deutschland zunehmend viele Andersgläubige, vor allem mit muslimischem Hintergrund, leben, bitten wir Sie, einen neutraleren Titel zu finden, da Ostern zu christlich geprägt ist).
Johann Wolfgang von Goethe (Kann so bleiben.)
Vom Eise befreit sind Strom und Bäche, (Diese Zeile könnte als klimaleugnerisch, wenn nicht sogar im Zuge des menschengemachten Klimawandels falsch verstanden werden. Kritische Leser*innen könnten die Verwendung „Strom“ als eine Anspielung auf die Energiewende verstehen. Bitte finden Sie hier eine andere Formulierung.)
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick, (Der Bezug, dass nur der Frühling hold sein soll, stellt eine Benachteiligung der anderen Jahreszeiten dar, können Sie das bitte neutraler formulieren.)
Im Tale grünet Hoffnungs-Glück; (Das könnte vielen Leser*innen zu abstrakt vorkommen. Können Sie das bitte präziser beschreiben.)
Der alte Winter, in seiner Schwäche, (Das sehen wir als eine Diskriminierung des Alten an. Nicht jeder, der alt ist, ist auch schwach. Es gibt durchaus sehr viele sehr aktive Seniorende!)
Zog sich in rauhe Berge zurück. (Nicht alle Berge sind rauh, bitte neutraler formulieren).
Von dorther sendet er, fliehend, nur (das kann man so lassen.)
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises (Das trifft wohl eher auf den Winter zu, in 2026 haben wir jetzt schon einen der wärmsten Frühlinge überhaupt, ohne jegliches körniges Eis. Wir halten hier einen größeren Realitätsbezug für angebracht.)
In Streifen über die grünende Flur; (Zu viel „grün“. Soll das eine politische Anspielung sein? Bitte neutraler formulieren.)
Aber die Sonne duldet kein Weißes, (Leider erneut eine weitere Anspielung auf die intensive Sonneneinstrahlung. Bei sensiblen Leser*innen könnte das Ängste auslösen.)
Überall regt sich Bildung und Streben, (Eindeutige Kritik am Bildungssystem, bitte streichen oder ersetzen.)
Alles will sie mit Farben beleben; (Sehr gut, Deutschland ist bunt, sehr zeitgemäß!)
Doch an Blumen fehlt’s im Revier, (Das liegt am menschengemachten Klimawandel. Gut, dass Sie darauf hinweisen!)
Sie nimmt geputzte Menschen dafür. (Diskriminierung von Reinigungskräften, bitte anders formulieren.)
Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurück zu sehen.
Aus dem hohlen finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor. (Die vorangegangenen vier Zeilen könnten als Anspielung auf die deutsche Asylpolitik angesehen werden, bitte anders formulieren.)
Jeder sonnt sich heute so gern. (Bitte noch einen Warnhinweis ergänzen, der zur dringenden Verwendung von Sonnenschutzmitteln rät.)
Sie feiern die Auferstehung des Herrn, (Das ist multikulturell zu einseitig christlich, bitte um Gottheiten anderer Religionen ergänzen.)
Denn sie sind selber auferstanden, (Das kann ebenfalls zu christlich interpretiert werden, bitte allgemeiner formulieren).
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern, (Das könnte als Kritik an der deutschen Wohnungsbaupolitik ausgelegt werden, bitte stellen Sie das positiver dar.)
Aus Handwerks- und Gewerbes Banden, (Diskriminierend, Handwerk und Gewerbe sind keine Banden, sie haben sich wohl eher in Verbänden zusammengeschlossen. Bitte ändern.)
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern, (Bitte ändern. Dächer und Giebel sind so gebaut, dass sie durchaus die Last von Fotovoltaik-Anlagen tragen können. Es entsteht kein Druck. Das ist eine Falschaussage.)
Aus der Straßen quetschender Enge, (Kritik an der deutschen Infrastruktur, bitte positiver formulieren.)
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht (Zu einseitig, es gibt auch Moscheen, Synagogen und sonstige Gebetshäuser, bitte für alle Religionen und Ethnien neutral formulieren.)
Sind sie alle ans Licht gebracht. (Diese Formulierung ist zu sarkastisch. Die Stromversorgung in Deutschland ist zu keiner Zeit in Gefahr gewesen. Der Stromausfall in Berlin war eine absolute Ausnahme.)
Sieh nur sieh! wie behend sich die Menge (behend versteht heute niemand mehr, bitte ändern.)
Durch die Gärten und Felder zerschlägt, (Hier wird ein falscher Eindruck erweckt. Die allermeisten Deutschen gehen behutsam mit Natur und Umwelt um. Bitte ändern.)
Wie der Fluss, in Breit’ und Länge, (Wenn das eine Anspielung auf nötige Flussbegradigungen sein soll, bitte ändern.)
So manchen lustigen Nachen bewegt, (Die Fischereirechte sind im europäischen Recht geregelt. Hierzu zählen auch die Fischer- und Fährkähne, die Sie Nachen nennen.)
Und, bis zum Sinken überladen (Die Zuladung von Schiffen ist gesetzlich geregelt. Hier könnte ein falscher Eindruck entstehen, bitte ändern.)
Entfernt sich dieser letzte Kahn. (Ein Widersetzen des Ahndens durch die zuständige Wasserpolizei kann mit empfindlichen Strafen belegt werden. Wollen Sie das wirklich so stehen lassen? Außerdem könnte ein Zusammenhang mit den Vorkommnissen in der Straße von Hormus entstehen, zu denen sich Deutschland eindeutig positioniert hat. Am besten, Sie ändern auch das.)
Selbst von des Berges fernen Pfaden (Das könnte im Ausland einen falschen Eindruck von Deutschland erwecken. Wir haben in Deutschland ein sehr gut ausgebautes Straßennetz! Bitte ändern.)
Blinken uns farbige Kleider an. (Wir leben in einem freien, demokratischen Land. Frau Roth kann anziehen, was sie will. Bitte anders formulieren.)
Ich höre schon des Dorfs Getümmel, (Unangemeldete Demonstrationen sind in Deutschland verboten und werden sofort aufgelöst.)
Hier ist des Volkes wahrer Himmel, (Das könnte als Kritik an der deutschen Politik ausgelegt werden, bitte formulieren Sie das systemkonformer.)
Zufrieden jauchzet gross und klein: (Bitte auch LGBTQ+, gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften berücksichtigen und gesamtgesellschaftlicher formulieren.)
Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein. (Wenn Sie sich hier auf den Ausspruch „Wir leben im besten Deutschland, das es je gab“ beziehen, kann das so stehen bleiben.)
Sehr geehrter Herr Goethe,
wenn Sie diese kleinen Änderungen vorgenommen haben, freuen wir uns, Ihr dem Zeitgeist angepasstes Werk, erneut veröffentlichen zu können.
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Man kann nur hoffen, Johann dreht sich nicht im Grabe um, ob der Verstümmelung seines wunderbaren Gedichtes. Dieses Zerpflücken, inspiriert durch den nachfolgenden Videobeitrag des vom Verfasser sehr geschätzten Michael Sailer, war jedoch nötig, um zu verdeutlichen, wie schnell es mit dem Abbau der Rede- Meinungs- und Kunstfreiheit in Deutschland gehen kann.
ZENSUR: Das Ende der Kunst?
https://www.youtube.com/watch?v=JIaEN6Q-FPk
(Frischer Content auch auf telegram unter https://t.me/pareto_artikel und https://t.me/friedenstaube_artikel )
(Wem meine Artikel gefallen: Auch ich erhalte Rechnungen. Einen Satoshi ins Töpfchen erzeugt ein angenehmes digitales Klimpern.)
“Dieser Beitrag wurde mit dem Pareto-Client geschrieben.”
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(Bild von pixabay)