Wahrheit, Meinung, sklerotisches und entzündliches Denken
Es gibt nur eine Wahrheit. Steile Behauptung. Jeder Mensch hat einen in ihm wohnenden Wahrheitssinn, der unterschiedlich ausgeprägt, ganz verschüttet oder stark entwickelt sein kann. Auch nicht schlecht, diese Behauptung.
Viele neigen dazu, Wahrheit mit Meinung zu verwechseln. Viele wehren sich dagegen, dass es nur eine Wahrheit gibt. Sie wollen Beweise, sie wollen, dass man mit ihnen zu einer Glasvitrine geht und ihnen sagt: Sieh her, da ist sie, die Wahrheit! Das kommt vom materialistischen Denken, auf das hier noch später eingegangen werden soll.
So einfach ist das nicht mit der Wahrheit, anzuschauen in einer Vitrine, denn die Wahrheit ist wie ein Aal. Kaum glaubt man, sie fest in der Hand zu haben, da entgleitet sie einem auch schon wieder.
Die Wahrheit steckt in allem, was der augenblicklichen Erkenntnis des Menschen zugänglich ist, wobei man berücksichtigen muss, dass dem Menschen noch lange nicht alles an Erkenntnis zugänglich ist. Daher rührt die Neugierde, der Drang, neue Erkenntnisse zu gewinnen, zu erforschen, sich weiterzuentwickeln, seinen Wissensschatz zu erweitern, an neue Informationen zu kommen.
Man kann höchsten danach streben, der Wahrheit so nahe wie möglich zu kommen. Die absolute Wahrheit wird der Mensch vorerst, zumindest nicht Zeit seines Lebens, erreichen können, weil sie einen „Feind“ hat, das ist die Zeit. Wahrheit und Zeit sind aber auch enge Verwandte. Beide sind in einem ständigen Fluss und bedingen einander.
Es gibt nicht DIE Wissenschaft. Wissenschaftliche Erkenntnis kann immer nur eine Momentaufnahme sein. An einer wissenschaftlichen Erkenntnis festzuhalten, und sich dagegen zu wehren, dass diese vielleicht schon im nächsten Moment überholt sein kann, ist unwissenschaftlich und Ausdruck einer menschlichen Schwäche, die diejenigen Wissenschaftler, bei der sie sich bemerkbar macht, als solche disqualifiziert. Auch, wenn sie vielleicht in ihrem Fachgebiet über ein großes Wissen verfügen, das im Grunde genommen jedoch nur geronnenes Wissen aus vorangegangener Erkenntnis ist. Flüssige Lava, die erstarrt ist. Hinzu kommt noch eine gewisse Fachidiotie, die zumindest eine grobe Gesamtschau verhindert.
Zu behaupten, man würde über die einzige Wahrheit verfügen, ist wie zu behaupten, man könne die Zeit anhalten, festhalten, und einen Abschnitt davon zu seinem Eigentum machen.
Viele Journalisten haben derzeit besonders die Tendenz, von sich zu glauben, dass sie die Fähigkeit haben, zeitliche Abschnitte, in denen sich bestimmte Dinge ereignen, in erstarrter Form, als Wahrheit zu verkaufen. Das ist ein wesentlicher Teil ihrer Arbeit und ihrer Existenzberechtigung.
Der Ausspruch: „Nichts ist so alt, wie eine Zeitung von gestern“, geht in diese Richtung. Auch passend: „Wenn Du die Zeitung nicht liest, bist Du nicht informiert. Wenn Du die Zeitung liest, bist Du falsch informiert.“
Die Veröffentlichung einer neuen Erkenntnis oder Information würde einen lebendigen Charakter haben, wenn in ihr der vorübergehende Charakter, die Gültigkeit auf unbestimmte Zeit, schon in der Formulierung inbegriffen wäre und durchscheinen würde.
Dass das meistens nicht der Fall ist, liegt an dem seit der Aufklärung steig zunehmenden materialistischen Denken, das die starke Tendenz hat, sklerotische Formen anzunehmen. Die Fähigkeit und Notwendigkeit ein lebendiges Denken zu pflegen ist dadurch weitgehend verloren gegangen.
Ergebnis dieses toten Denkens sind Dogmen, Ideologien, Programme und Reformen, die eine Art Wahrsagung darstellen, in dem sie etwas für die Zukunft festlegen, was noch gar nicht gewusst sein kann, weil es zeitlich noch gar nicht existent ist.
Bestes Beispiel hierfür die auf Modellrechnungen basierenden, weltweiten, unsinnigen Corona-Maßnahmen und die Klimaprophezeiungen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass es keine Regeln, Vereinbarungen oder Gesetzte für die Zukunft geben soll. Diese müssten jedoch fortlaufend mit der Realität abgeglichen und dieser gegebenenfalls laufend angepasst werden.
Wer soll das machen, und wer soll das bezahlen? Wenn der politische Wille da wäre, würde es gehen und für wieviel Unsinn wird derzeit Geld ausgegeben? Derzeit jedoch ist der Wille zur Machterhaltung größer, als der Wille zur Vernunft.
Man könnte auch sagen, alles Starre, das sich in einer Gesellschaft, in der Organisation eines Staates findet, bedarf dringend einer Verlebendigung, damit es dem menschlichen Wesen entspricht. Stattdessen gibt es immer mehr Richtlinien, Gesetze und Erlasse, die auch noch die letzte Lebendigkeit vollständig abtöten und sich dadurch vom wirklichen Leben immer weiter entfernen. Das Ergebnis sind die Absurditäten, die wir derzeit als Drangsal erleben müssen.
Eine Möglichkeit, das menschliche Miteinander lebendig zu gestalten, könnte die Soziale Dreigliederung nach Rudolf Steiner sein.
Es kann nur jedem empfohlen werden, der zwar bereits erkannt hat, dass es so nicht weitergehen kann, aber gleichzeitig relativ ratlos ist, wie es weitergehen könnte, sich einmal mit der Sozialen Dreigliederung zu beschäftigen, die aus sich selbst heraus die Möglichkeit offenlässt, sich den gelebten Tatsachen flexibel anzupassen.
Die Soziale Dreigliederung ist kein Programm, keine Reform, sondern ein Ansatz, das menschliche Zusammenleben erstmalig menschengerecht gestalten zu können.
Steiner hat selbst darauf hingewiesen, dass er für sich selbst nicht den Anspruch hat, die Weisheit gepachtet zu haben. Er hat immer wieder eingeräumt, dass sich unter dem Gesagten auch Falsches befinden kann, welches, wenn es gelebt würde und auffiele, so lange geändert werden sollte, bis es passt. Allein in dieser Flexibilität steckt schon das Lebendige mittendrin.
In einer lebendigen Demokratie würden die Menschen nicht nur in Tränen ausbrechen, wenn ein Wal zu verenden droht, sondern auch dann, wenn Auflösungen der Presse- und Meinungsfreiheit zutage treten würden, wenn die Demokratie zugunsten einer Unseredemokratie abgelöst werden soll, wenn totalitäre Züge aufscheinen würden, wenn Auflösungserscheinungen und Niedergang überall zu sehen wären, wenn alle Kraft in Kriegsvorbereitungen statt in die Wiederherstellung von Frieden gesetzt würde, wenn Kopfmauern den Austausch und demokratischen Dialog zu verhindern versuchen, wenn sich Freiheit immer mehr in einem Freiluftgefängnis abspielt, wenn der Bürger immer mehr zum Untertanen degradiert wird, wenn sich Regierungsverantwortliche immer mehr vom Volk entfernen, wenn dunkle Kräfte im Hintergrund ihr Unwesen treiben.
Und wenn es gelänge, die Betonköpfe aufzuweichen, sollte sofort darauf geachtet werden, dass ein neues, flexibles Denken nicht in das Gegenteil umschlägt, denn Wolkenkuckucksheime und Phantastereien würden nur die andere Seite eines nicht menschengerechten Umgangs miteinander erzeugen. Freies Denken birgt die Gefahr, die Phantasie zu sehr zu entzünden, und wenn das geschieht, kommt genauso wenig Gutes dabei heraus, wie jetzt im sklerotischen Denken. Es kommt auf die Ausgewogenheit an.
Und Deutschland ist ein Land, das sowohl in die eine, als auch in die andere Richtung dazu neigt, ins Extreme umzuschlagen. Diese Gefahr sollte dann frühzeitig erkannt und im Zaum gehalten werden. Die Soziale Dreigliederung könnte dabei sehr hilfreich sein.
(pareto und Friedenstaube auch auf telegram unter https://t.me/pareto_artikel und https://t.me/friedenstaube_artikel )
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(Dieser Beitrag wurde mit dem Pareto-Client geschrieben.)
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(Bild von pixabay)
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