Freie Medienakademie XXIV

Wochen-Bericht: 18. bis 24. April. Mit einem Update, einem Nachtrag und neuen Kursterminen.
Freie Medienakademie XXIV

Diese Woche hat sich ein Kreis geschlossen. Ich war Dienstag im Leipziger Ratskeller. Gastgeber: Karl-Heinz Röhr, Jahrgang 1935, ein Arbeiter, der in der DDR Professor werden konnte und dann im Alter eine neue Rolle gefunden hat – die Weggefährten von einst zusammenhalten und damit auch die Erinnerungen. So steht es sinngemäß auf einer der ersten Seiten des Buchs Das rote Kloster, erschienen 2025, das ich Röhr gewidmet habe.

Als wir den Auftritt ausgemacht haben, war nicht abzusehen, dass ich im April schon im Ruhestand sein würde. So aber passte es perfekt. Jürgen Schlimper war da, mein Mentor seit dem ersten Semester 1988, und mit ihm viele andere, die damals entweder an der Sektion Journalistik gearbeitet haben oder für eine der Redaktionen der Stadt. Am Abend habe ich dann noch Wolfgang Tiedke getroffen, Sekretär der Parteileitung, in der ich studentisches Mitglied war, und dann mein Chefredakteur bei der Leipziger Volkszeitung, gewählt im November 1989 und ziemlich genau zwei Jahre und einen Treuhanddeal später wieder abgesetzt von den neuen Herren.

Das Podiumsgespräch im Ratskeller hatte Karl-Heinz Röhr mit drei Schlagworten gerahmt: Dankbarkeit (für meine Forschung zur Journalistenausbildung in der DDR), Bewunderung (Karriere + Produktivität) und Verwunderung – für die Schelte von Kollegen, die zu öffentlichen Distanzierungen führte und zu „Persönlichkeitsbildern“, die in meinen Disziplinarverfahren negativ ins Gewicht fielen, sowie für Auftritte jenseits der Brandmauer. Ich habe gelernt: Selbst hier, bei Menschen, die sich mit Propaganda auskennen, nach 1989 oft beruflich ins Nichts gefallen sind und in den 1990ern erlebt haben, wie zum Beispiel Lothar Bisky, ein DDR-Medienforscher von internationalem Format, in Bundestag und Elefantenrunden wie ein dummer Junge behandelt wurde, selbst in einem solchen Kreis ist es nicht selbstverständlich, für eine Debattenkultur zu werben, die niemanden ausschließt.

1.00

Texte

Knochenarbeit und Glück. Ein perfekter Übergang: Axel Klopprogge hat mit Masha Dimitrieva gesprochen, einer Pianistin von Weltrang, geboren auf der Krim, jetzt in Deutschland zu Hause und trotzdem regelmäßig in Moskau.

„Gänsefüßchen“. Hans der Kleingärtner mag unsere Seite und findet genau deshalb immer wieder ein Haar in der Suppe. Heiter-ironische Betrachtung eines Medienphänomens.

Berlin normal. Rumen Milkow ist einen halben Tag mit U und S durch Berlin gefahren und hat aufgeschrieben, was er dabei gesehen, erlebt, gehört hat.

Kann Versöhnung gelingen? Viele haben wahrscheinlich gar nicht mitbekommen, dass das ZAAVV im März einen Corona-Gedenktag ausgerufen hat. Die Bilanz von Anne Krämer ist durchwachsen-optimistisch.  

Partisanenhandbuch. Premiere von Thomas Eisinger („Hinter der Zukunft“) am Buch-Tresen. Es geht um den Roman „Der Käfig“ von Thorsten Reuter und damit um die Frage, warum wir nicht mit der Macht heulen, wenn wir doch ohnehin verlieren werden.

Das große Vielleicht. Noch eine Rezension, hier am Medien-Tresen von Helge Buttkereit, der die „Sieben Vorschläge für einen besseren ÖRR“ von Tilo Bernhardt gelesen hat. In Kurzform: lohnt sich nicht und ärgert eher.

1.01

Videos

Es gibt ein Update zum Gespräch mit Josef Erhard. Inzwischen steht der Windkraftplan für die Region Donau-Wald. Ich habe den Förster bei einem Auftritt von Hans-Georg Maaßen in Straubing getroffen (Bericht folgt am Montag). Zitat: Jetzt geht es wieder los. Noch eine Vorschau auf die nächste Woche: Wolfgang Effenberger war zum Interview bei uns. Arbeitstitel: Der Krieg gegen China kommt.

Kurse

Es gibt die ersten Termine für 2027. Anmeldeschluss ist zwar noch eine Weile hin, aber die Erfahrung aus diesem Jahr lehrt: Der frühe Vogel fängt den Wurm.

24. bis 27. September: Interview

8. bis 11. Oktober: Journalismus-Retreat

10. bis 14. März: Kompaktkurs Journalismus

8. bis 11. April: Intellektuelle Selbstverteidigung

Außerdem jederzeit (wochentags, Anfragen per Mail): Still bleiben, dagegenhalten, weglaufen? Wie wir im Gespräch bleiben.

Sonstiges

Ein Nachtrag zum letzten Newsletter, in dem ich ein paar Pressestimmen zu meiner Versetzung in den Ruhestand gesammelt hatte. Thomas Fasbender nutzt meinen „Fall“ in OAZ und Berliner Zeitung für eine Gesellschaftsanalyse. Im Leipziger Ratskeller wurde zwar moniert, dass es in diesem langen Text kaum um mich gehe, ich war aber ganz froh. Je weniger Meyen in der Zeitung, desto besser. Dass der Newsletter so spät bei Ihnen war, kann als Werbung für den Dienst Pareto durchgehen. Auch die Betreiber der Seite haben keinen Zugriff auf die Mailadressen und konnten das Ganze so nicht beschleunigen. Heißt: Ihre Daten sind hier sicherer als anderswo.

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