Deutschlands Siegfried
- Zweite Epoche
- Deutschland 1806–1914 –
- Ära der Disziplinierung
- 1. Lebensumstände: Vom Acker in die Fabrik
- 2. Suchtstoffe und die Kommerzialisierung der Kultur
- 3. Kulturgüter und geistige Strömungen
- 5. Die Form der Hyper-Normalisierung: Die Ordnung als Ersatzheimat
- Dritte Epoche: Deutschland 1900–1950 – Die Ära der totalen Entfesselung und des maschinellen Abgrunds
- Vierte Epoche: Deutschland 1950–2000 – Die Ära der sterilen Sühne und des betäubten Wohlstands
- Fünfte Epoche: Deutschland 2000–2026 – Die Ära der digitalen Ohnmacht und der Hyper-Abstraktion
Zweite Epoche
Deutschland 1806–1914 –
Ära der Disziplinierung
Diese Epoche markiert den Übergang von der archaischen Notgemeinschaft zum – ihrer Zeit - hochmodernen Industriestaat. Sie ist geprägt von dem Versuch, die jahrhundertelange physische Ohnmacht des Volkes durch eine Verbindung aus intellektuellem Fortschritt und technologischer Präzision zu überwinden.
1. Lebensumstände: Vom Acker in die Fabrik
Nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches (1806) und in Folge der Napoleonischen Kriege setzte eine beispiellose Dynamik in Europa ein.
Der Alltag geriet zu einer Massenurbanisierung und Taktung: Die Bevölkerung explodierte und drängte in die Städte. Das Leben war nicht mehr vom Sonnenstand, sondern von der Stechuhr geprägt. Die „Heimat“ wurde zunehmend mobil; die Bindung an den Lebensort wich der Bindung an den Arbeitsplatz.
Für die Ernährung der Allgemeinheit brachte das zunächst einmal einige Verbesserungen mit sich. Die Einführung der Kartoffel als Massennahrungsmittel und der späteren Erfindung der Konservendose wurde die Kalorienzufuhr stabilisiert. Die gutbürgerliche Küche entstand, als Ausdruck von Ordnung und Wohlstand. Ernährung wurde für die Massen nach langer, entbehrungsreicher Phase der bloßen Selbstversorgung wieder als lebendiges Kulturgut wahrgenommen. Gleichzeitig wurde dieses Kulturgut von Anfang an durch Werbung und ideologische Instrumentalisierung als Vehikel für zunehmende Monopolisierung und Zentralisierung von Ressourcen und Verwaltung benutzt.
Eine wirkliche kulturelle Heimat, ein im Wortsinn aufgeklärtes Nationalbewusstsein war von Anfang an nie die Priorität irgendeiner Staatserzählung. Sie wurde gewissermaßen historisch „wiederentdeckt“ und „modernisiert“. Mit diesem „Herrschaftsupgrade“, des nach außen weiter völlig offen monarchisch bis feudalistisch auftretenden Führungspersonal, aus Adel, Klerus, Industriellen, Professoren, Männerbünden, Freimaurerlogen, Heimatverbänden, Militärs, Medizinern, Bankiers, Psychologen und Schriftstellern bog Europa bereits während des Wegs in Moderne auf die Straße der modernen Verhaltensmanipulation ein.
Verhaltenssteuerung sowohl interdisziplinär und als auch international zu nutzen, indem man sich mithilfe von Sprache seine eigenen Bedürfnisse und Wünsche vom Volk als Tausch für Führung erfüllen lässt.
Dieses Konzept machte aus bloßem Terror zur Einschüchterung der Bevölkerung, wie es Jahrhunderte üblich war, einen ideologischen Herrschaftsapparat, der nicht bloß lernte, immer mehr verschiedene Instrumente zu spielen, sondern durch Bedürfnissteuerung die Biochemie, wie z.B. Hunger nicht mehr bloß als Druckmittel, sondern als Methode der Unterwerfung zu begreifen.
2. Suchtstoffe und die Kommerzialisierung der Kultur
Der Fokus verschob sich von der bloßen Betäubung hin zur Leistungssteigerung.
Der Kaffee machte Koffein zum zentralen Suchtstoff der Epoche. Er lieferte angeblich die notwendige Wachheit der industriellen Produktion und des bürokratischen Apparats. Das süchtig machende Kolonialgut, mit dessen Export man sich seinen Absatzmarkt selbst erschafft, wurde zum„Treibstoff des Fortschritts“.
Der Alkoholkonsum wurde in das soziale Gefüge integriert (Biergartenkultur, Kneipenwesen), verlor aber immer mehr seinen medizinischen Status als primäres Schmerzmittel durch die Entdeckung und Verbreitung von Morphin (1804) und Chloroform/Äther (1846).
Der Tabak, meist als Zigarre, wurde zum Symbol des reflektierten Bürgers. Sucht wurde zunehmend privatisiert und ritualisiert, solange sie die Arbeitskraft nicht gefährdete.
Gesundheit wurde in dieser Phase zu einem nationalen und moralischen Projekt. Die Definition von Stärke erfolgte durch Willenskraft. Der „starke Deutsche“ war derjenige, der seinen Körper durch Turnen (Turnvater Jahn) und Disziplin stählte. Stärke war kein Schicksal mehr, sondern eine Aufgabe, die es zu erfüllen galt.
Als bürgerliches Ideal galt die Mäßigung. Exzess galt als proletarisch oder dekadent. Die Selbstbeherrschung wurde zum obersten moralischen Gesetz erhoben, was zu einer massiven Unterdrückung von Trieben und Emotionen in der Allgemeinheit führte. Die zunehmende Pathologisierung von menschlichen Grundbedürfnissen führte zu einer Überhöhung der Technik über den Geist.
In Kombination mit der ständigen Instrumentalisierung des Alltags als Werbefläche für Politik, Interessengruppen und Industrie, wurde hier bereits der technologische Fortschritt mit seinem Mythos der eigenen, angeblich naturgegebenen, angeblich nicht-menschgemachten Entwicklung aufgeladen und schamlos für reine Wirtschafts- und Geldinteressen ausgenutzt. Werbung, Massenmedien und Propaganda wurden damals bereits geupdatet, nicht erst erfunden.
Heute ist diese Lektion von enormer Bedeutung: Technischer Fortschritt ist nicht prinzipiell schlecht ist oder muss zu massiver Ungerechtigkeit führen. Jedoch wurde er von Anfang an als prinzipiell gut dargestellt, er wurde als natürliche Entwicklung oder höhere Gewalt dargestellt und er wurde als neutral anstatt interessengeleitet dargestellt.
Die Methode, den technologischen Fortschritt sowohl gleichzeitig auszunutzen, als Erzählmuster zu präsentieren, ihn unkritisierbar zu machen, durch Fragmentierung zu verschleiern und ihn zu monopolisieren sind Konzepte, die bereits vor 400 Jahren nicht bloß verstanden worden sind, (verstanden wurden sie seit der Antike), sondern methodisch ausgenutzt worden sind.
Dieser Fortschritt ging mit Staat und internationalen Gremien Hand in Hand. Die Kolonialen Herrschaftskanäle Großbritanniens, Nord- und Südamerikas, Europas, Afrikas und eben auch Deutschlands spielten bereits mit den Grundlagentheorien der heutigen Geopolitik, während Lieschen Müller auf ihrer Fußbank Gänsefedern rupfte und der Metzgerbursche sie an den Zöpfen zog.
Dieser krasse Vergleich ist kein bloßes Stilmittel, sondern muss als exakte Beschreibung des jeweils zeitgenössischen intellektuellen Machtverhältnisses verstanden werden.
Daran wird ebenfalls deutlich, dass es keineswegs „der weiße Mann“ als Nation oder Rasse gewesen ist, der organisiert beschlossen hat, die Welt zu unterjochen, weil er sich für etwas besseres hält. Man muss realistischerweise davon sprechen, dass „der weiße Mann“, zu zuallererst seine eigene Herkunft und eigenen Heimatvölker verraten hat.
Die kleine, aber wirklich durchgängig privilegierte europäische Aristokratie hat ihre eigene Bevölkerung und örtliche Natur nie mit mehr Respekt behandelt, als die Bevölkerungen der Kolonien.
Beide betrachtet und betrachtete man nie als mehr, denn als formbare Verfügungsmasse. Die einen versklavte man ohne Zeichen von Reue ganz öffentlich und betrieb in aller Welt die scheußlichsten legalen Verbrechen in deren Heimatländern und Kulturkreisen, die anderen züchtete man sich regelrecht anti-philosophisch heran, möglichst viele, effektive Tötungswerkzeuge zu produzieren und die Sprache der eigenen Unterdrückung auswendig zu lernen. Die immer effektiveren und organisierter werdenden Formen der Machtprojektion, sprich Waffen, Telekommunikation und Militärstrategie erlaubten stets eine konstante Befriedigung der eigenen Machtbedürfnisse.
Die Völker in den Kolonien und die Bevölkerung in der Heimat brachte man in eine künstlich erzeugte, reale Konkurrenz zueinander. Die Kolonien wurden ausgelaugt und in diktatorischen Zentralismus gezwungen, der sämtliches Leben und Gut (man nehme es bitte wörtlich) als Eigentum beanspruchte. Der Konflikt Schwarz-gegen-Weiss ebenso wie der Konflikt Christentum-gegen-Islam gingen stets von Europa, Großbritannien, und Amerika. Die Versklavung der Schwarzen, Massenmorde an den indigenen Bevölkerungen, die Kreuzzüge, der Kolonialismus. Die Opiumkriege.
Die technischen Innovationen und das Wissen, wie auch die Gier nach Kunst und Exklusivität wurden umgehend bei der Erschließung neuer Machtspielräume eingesetzt, sobald sie bekannt wurden. Die reale Machtakkumulation galt stets dem der Kultur, Geschichte, Technik und Ressourcen. Solange die real existierenden Machtmittel (Drohnen, Bionik, Willenssteuerung) es einer kleinen Minderheit noch nicht gestatten, Interkontinental komplett zu dominieren, sind ihnen seitdem die nationalstaatlichen Gefüge dienlich gewesen. Von Anfang an war jeder europäische, staatliche Nationalismus seit 1600+ tief von einem Menschenbild geprägt worden, dass um jeden Preis dominiert. Die Völker, erlangten scheinbar einen nationalen Selbstwert, stattdessen erhielten sie ihn wortwörtlich gefüttert. Mit jedem Löffel Nationalismus gab es einen Löffel Rassismus dazu. Zu jedem Ehrbegriff, jeder Alltagsfreude gab es einen Löffel Nationalismus. Das Weltbürgertum gab sich selbst längst nicht mehr mit dem Nationalismus ab. Die Dummen, dass war Jeder, der nicht über ihr Wissen verfügt. Das er es nicht bekam, war leicht zu realisieren. Aber sich die Dummen unbemerkt zu züchten, dass erschien diesen selbsternannten Genies wohl ein lohnendes Experiment. Und was sollte denn schon schief gehen? Toter Pöbel, ist guter Pöbel. Im ungünstigsten Fall des Ablebens, macht er dann wenigstens keinen Dreck mehr. Die real praktizierte Narrativkontrolle offenbart immer auch den Zynismus und das Menschenbild ihres Urhebers.
Immer sind diese geistigen Strömungen gegen die Menschheit als solches gerichtet gewesen, nicht gegen ein bestimmtes Volk, sondern gegen das einfache Volk, aus aller Welt. Von Europa aus operierend, aber nie ist ihnen jemals etwas an irgendeinem europäischen Volk gelegen. Ganz im Gegenteil. Das einzige Ziel welches sie verfolgen ist es, es sich selbst und allen Anderen zu beweisen. Dazu ist ihnen jedes Mittel Recht.
Man nehme es bitte wörtlich.
3. Kulturgüter und geistige Strömungen
Die verhältnismäßig kurze Zeitepoche um 1800 herum war die Blütezeit der „Heimat,“ im geistigen Sinne“.
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Der deutsche Idealismus: Da eine politische Einheit lange fehlte, schufen Denker wie Kant, Hegel und Fichte ein geistiges Universum. Bildung wurde zum Ersatz für reale Macht. Man war „Bürger im Reich des Geistes“.
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Intellektuelle Qualität: Die Qualität der Kulturgüter (Goethe, Schiller, Beethoven) war fordernd und universell. Sie zielte auf die „Vervollkommnung des Menschen“ ab.
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Nationalisierung des Geistes: Nach 1871 wurde dieser freie Geist zunehmend in den Dienst des Staates gestellt. Die Kultur wurde zur „Kulturpflicht“, der Bildungskanon zum Instrument der nationalen Homogenisierung.
Für Jeden Machthaber war es einerseits politischer Zwang aber auch eine Verlockung, die Töne der nationalen Identität zu spielen: Es bot die Möglichkeit, diverse Einzelgruppen und Kleinstaaten in eine größere Volksidentität zu fassen, was Handlungsspielräume, Ressourcen und Verwaltung bündelte und somit die eigene Machtposition erweiterte und zentralisierte.
Während man die, durch Gewalt und Fragmentierung geschwächte, Volkskultur ihrer für diesen Zweck hinderlichen regionalen Erzählungen beraubte, packte man die Menschen bei ihrem grundlegenden Schutzbedürfnis. Deren Wunsch nach Einheit und Stabilität richtete man gezielt auf die militärische Schlagfähigkeit hin aus und befeuerte Sprach- und Kulturstereotype wo sie nützlich für die eigene Rekrutierung und Machterweiterung war.
Es muss betont werden, dass die sich als multilinguale Hochkultur verstehende Schicht der Weltbürger, von Anfang an nicht von der nationalen Suppe aß, die man „dem Pöbel“ auftischte. Während man dem Volk von Anfang an ein künstlich aufgeladenes Nationalbewusstsein unterjubelte, Verstand man sich selbst bereits damals als kosmopolitische, durch Abstammung, Intellekt und Reichtum legitimierte Exekutive einer höherwertigen Sorte Mensch.
Der Nationalismus war für das gebeutelte Volk als Identitätsattrappe konstruiert, auf welche die Bürger bereitwillig ihr Selbstbild fokussieren konnten und sollten. Man selbst war bereits seit mindestens 1600 der Auffassung, zu höherem berufen zu sein, als der Verbundenheit mit einem Land, seiner Bräuche und Bewohner.
Während also Kolonievölker und Kolonistenvölker gleichermaßen**** die jeweilige nationale Selbstüberschätzung gierig aufsaugten und sich gegeneinander rassistisch motiviert in Stellung brachten, waren die für die Verbreitung von Hass-Erzählungen in beiden Lagern Verantwortlichen nicht bloß dieselben Personen, sondern gleichzeitig auch noch gegen fundamentale Kritik immun. Das eigene Wirken wurde technisch gesehen einfach immer wieder in einen sprachlichen Erzählrahmen eingebettet, der Taten als notwendig, gerechtfertigt oder Folge von höherer Gewalt erscheinen ließ. Auf diese Art wurde fast beiläufig die eigene Machtausübung und Begünstigung strukturell verborgen.
Der Hochadel und die tonangebende Oberschicht glaubte nie wirklich selbst, an die plumpen Parolen, die man in der Öffentlichkeit vortrug. Die Militarisierung des Alltags und Staatswesens, bei gleichzeitiger Verschlechterung der Bildungsqualität innerhalb der Arbeiterklasse, machte es den „Arbeitern“ ganz zunehmend schwerer, der auf sie einwirkenden, strategischen Unterdrückung und Erniedrigung per Geburt an, effektiv Widerstand zu leisten.
Durch Kontrolle der Informationsflüsse und Erzählungen, konnten Schreibkundige sich immer ein Monopol auf Deutungshoheit gegenüber Analphabeten oder ganz einfach Menschen ohne Zugriff auf die originalen Text-Quellen durchsetzen. Das ist eine der wichtigsten Gedanken, die man verstehen muss: Text und Schrift sind Abstrakte. Sie sind niemals Wahrheit.
Jede Ethik greift genau an dieser Stelle zu kurz, wo sie geschrieben wird.
Eine Ethik die einen anderen Grund als Liebe braucht, ist keine.
Was auch immer in ein Buch geschrieben wird: Gott weiß es. Weil Ich es weiß, weiß ich das. Liebevoll, klug und aufrichtig sollen wir sein. Gut und achtsam mit uns und der Natur und Schöpfung umgehen. Eine Gemeinschaft sein. Fühlen, spüren, wissen das es gut ist. Und das ist Frieden, in ihm blüht alles Leben. Mehr ist es nicht. Finde Dich selbst, Bruder, Schwester von anderen Eltern. Da findest du alles, was diese Welt nach seinen Vorstellungen gestalten kann. Menschen sind dann am schönsten, wenn sie staunen, lachen und sich freuen.
Doch die politische Führung während der Ära der Disziplinierung hatte längst Zugriff auf ein gewaltiges, koloniales Handelsnetzwerk, dass immer auch ein Informationsnetzwerk und somit militärisch brisant und relevant war, nicht bloß in finanzieller und wirtschaftlicher Hinsicht. Diese Gruppierungen und ihre mit Bildungsqualität begründeten Doktrine, bestimmten ganz entscheidend und organisiert längst das gesamte öffentliche Leben und stabilisierten und expandierten immer immer weitere Teile des alltäglichen Lebens. Insbesondere die mehrsprachigen Dynastien sowie religiöse Schriftgelehrte der katholischen Kirche, des Vatikans, diverser Ordensgruppen und lokale Standesbürger hatten und haben dabei durch ihr Monopol auf unzählige historische Dokumente aller Epochen der Schriftführung hinweg, schlicht ein Wissensmonopol geschaffen.
Ab 1800 immer mehr besonders Einfluss nehmend auf Naturforscher, Schriftsteller, Schauspieler, Wissenschaftler, Industrielle und Bankiers und andere aufkommende sogenannte Geisteswissenschaftler, entzog man sich gemeinsam nicht bloß der Verantwortung für Kriege und staatliche Unterdrückung, sondern man hetzte die Betroffenen auch immer zusätzlich gezielt gegeneinander auf.
Diese wahre, die nur aus dem Hintergrund auftretende Herrschaft selbst war nie vordergründig „rassistisch“ oder „nationalistisch“. Sie war und ist allerorts von einem als „objektive Intelligenz“getarnten, universellen Pragmatismus angetrieben, der Menschen nach Blutsverwandtschaft und Nützlichkeit kategorisierte.
Die lebensfeindliche Machtprämisse lautet:
„Egal, welche Hautfarbe, welchen Glauben oder welche politische Überzeugung der Sklave hat. Wichtig ist bloß, dass ich Herr und er Sklave ist. Nicht das Geschlecht, nichts der Körper, nichts, dass der Sklave besitzt, gehört wirklich ihm. Alles was er darstellt, ist mein Eigentum. Was er besitzt, ist was Ich ihm gewähre. Was er denkt, ist was ich ihm füttere. Was er begehrt, ist was ich ihm zeige. Ich kontrolliere seine Welt und er hat sie nach meinen Wünschen zu gestalten. Je degenerierter der Sklave ist, desto mehr bestätigt er seine eigene Ohnmacht und damit vervollkommnend er meine ewige Herrschaft. Ich züchte mir die Werkzeuge heran, die meine Herrschaft benötigt. Was sie ernten gehört mir. Mit den wertlosen Bruchstücken und Scherben lasse Ich sie spielen. Jeder Schnitt und jede Verletzung, jede Kränkung, jede Überforderung, jede Verwirrung, jedes Massaker, jede Grausamkeit ist nützlich. Treibt sie doch verlässlich den Dorn der Entmenschlichung tiefer in das Volksempfinden hinein, und wird so zur tragenden Säule meiner Macht über sie.“
Wenn wir diese Prämisse auf die deutsche Geschichte um 1800 und 1900 anwenden, sehen wir, wie sich diese „Identitätsattrappe“ von einer abstrakten Idee zu einer voll durchorganisierten, staatlichen Maschinerie entwickelte.
Man redete national und sozial, aber handelte international und asozial. Die Nutznießer machten sich durch intellektuelle Rahmensetzung in der Debatte unsichtbar. Das einfache Volk lernte zunehmend, sich mit dem Schicksal der Nation zu identifizieren und den Feind in der Bevölkerung anderer Länder zu suchen.
Die internationale Obrigkeit betrachtete diesen Zwist aus sicherer Distanz. Schlachten und Scharmützel wurden durch die ständig besser werdenden Waffen und die deutlich gestiegenen menschlichen Einsätze immer verheerender und intensiver, jeder weitere Waffengang wurde verlustreicher und riskanter. Die durch Verhetzungen angefachten Feindbilder, wurden durch die Lückenhaftigkeit ihrer nationalen Perspektive nie sinnvoll aufgelöst. Da jedes Feindbild prinzipiell abstrakt ist, weil es ihn nicht gibt, einen solchen Feind, der nicht durch Taten und Worte sich irgendwo kenntlich machen würde, blieb immer nur der Glaube, an die gerechte Sache.
„Der Franzose, der ist nun einmal ein Lump.“ Wer in einem solchen Glauben aufwächst und es nur ein einziges mal anerkennend bestätigt bekommt, wird das Gehirn süchtig nach der Anerkennung. Die Fantasie erledigt den Rest und erweitert das Verhalten logisch, probiert Grenzen, wird kühner. Die menschliche Neugier lässt den Menschen sich selbst innerhalb eines von Außen vollständig beeinflussbaren Denkrahmens gefangen nehmen. Es entsteht ein Stand-Alone-Complex.
Sinngemäße Übersetzung: ein aus sich selbst hervorgehendes Phänomen. Man stelle es sich wie eine programmierte Prophezeiung vor. Es handelt sich dabei um Dinge, die nicht ohne einen bestimmten, kontrollierten Impuls ausgelöst worden sein können. Beispiel: Wenn sie morgend aufwachen und jede Person der sie im Laufe des Tages begegnen, jeder Mensch im Fernsehen und auf allen Bildern plötzlich rote T-Shirts tragen würden, könnten sie unabhängig von ihrer Informationslage davon ausgehen, dass es sich um eine Form von Organisation handeln muss. Jede Ordnung hat einen Ursprung. Eine Ordnung, deren Ursprung nicht lückenlos rückverfolgbar auf jedes Sein im Jetzt ist, muss unvollständig sein. Eine Ordnung erkennt man erst, wenn man das zugrunde liegende Muster versteht. Sobald man die Struktur der Wissenslücke versteht, lässt sie sich nicht mehr verdrängen. Wenn nun niemand Ihnen sagen kann, warum alle Menschen auf einmal rote T-Shirts tragen, dann wissen sie, dass sie nicht alles wissen. Oder das sie angelogen werden. Aber Warum? Wieso weiß keiner, warum man angefangen oder etwas getan hat, obwohl alle es tun? Einmal gestartet, hält sich eine solche Funktion permanent in Gang, bis sie verstanden wird. Jeder Zauber verfliegt, wenn der Trick bekannt wird. Wenn es keine Antwort gibt die trägt, dann muss das Magie sein, denn man kennt den Trick noch nicht. Die Schöpfung und Realität beweist sich jeden Tag selbst ganz ohne ein einzelnes Wort, oder eine einzige Zahl oder Buchstaben. Ohne Mühe. Ohne Anstrengung. Sie ist einfach. Sie ist die Welt. Sie ist wunderschön.
Was von den Mächtigen fast wie ein sportlicher Wettkampf betrachtet wurde, war in der Realität die Steigerung des Existenzdrucks auf die Bürger. Es war nicht mehr wichtig, woher man kam und wie man aufgewachsen ist. Es zählten Glaube, Arbeitsleistung, Tüchtigkeit und Nationalstolz.
Bildung blieb ein Privileg, dass sich den Mächtigen zu beweisen hatte, nicht dem Volk. Lesen, rechnen und Schreiben lehrte man zur Pflichterfüllung, alles weitere bloß um die nationale Identität zu stärken. Man brauchte keine kritischen Geister, sondern gehorsame Soldaten für die Armee und funktionierende Beamte und Arbeiter für die Industrie. Die Schule lehrte Disziplin, Rechnen, Schreiben und vaterländische Geschichte zur Legitimierung der Monarchie.
Unterhaltungsliteratur wurde zwar immer beliebter, verlor aber immer mehr seine Rolle als Kulturgut und entwickelte sich hin zu einem Unterhaltungsprodukt. Mit der Industrialisierung und der zunehmenden Alphabetisierung der Massen entstand um 1900 die Massenpresse und die Groschenromane (z.B. Karl May). Literatur wurde zunehmend konsumierbar und diente der Ablenkung der Arbeiterschaft nach einem 12-Stunden-Tag. Die Hochkultur kapselte sich noch weiter mit ihrem geheim gehaltenen Wissen ab und organisierte sich mit und durch immer wirksamere Techniken.
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5. Die Form der Hyper-Normalisierung: Die Ordnung als Ersatzheimat
Die Hyper-Normalisierung dieser Epoche drückte sich in der totalen Identifikation mit dem Staat und seinen Institutionen aus. Nach 200 Jahren Stillstand wurde die plötzliche Effizienz des Kaiserreiches als die einzig wahre Normalität akzeptiert.
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In diesem Beamtenstaat lernten die Deutschen, dass „Heimat“ dort ist, wo die Verwaltung funktioniert. Das Vertrauen in Paragraphen und Hierarchien ersetzte das Vertrauen in organische Gemeinschaften.
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Die Idee der geistigen Heimat wurde durch die Entfremdung zunehmend abstrakt. Man fühlte sich nicht mehr in einer Landschaft oder Kultur beheimatet, sondern in einer Funktion. Die damals in der Masse entstandene Hyper-Normalität bestand darin, die mechanische Apparatur des Staates für echte menschliche Wärme zu halten. In dieser Illusion können Menschen tatsächlich fröhlich und zufrieden sein. Doch sobald das Weltbild Kontakt zu Widersprüchen bekommt, entstehen Zweifel.
Der Schock der Napoleonischen Kriege hatte gezeigt, wie verwundbar man lokal war; die Antwort war ein Schutzpanzer aus Stahl und Bürokratie. In dieser Phase wuchs zwar eine stattliche und bemerkenswerte intellektuelle Heimat, die aber ihre Wurzeln im Individuum zugunsten der kollektiven Disziplin aufgab.
Der in Weimar geborene Friedrich Nietzsche (1844-1900) sei als einer der bedeutendsten Denker genannt, der immer wieder auf die Liebe und Ursprünglichkeit sowie die Eigenverantwortung verwies, doch damals wie heute unverstanden, ja ungehört blieb. Was Ihm bereits zu Lebzeiten selbst schmerzlich bewusst war. Nietzsche war kritisch, direkt, provokativ, versuchte es eben einzufangen, dieses mehr zwischen den Zeilen, das man nicht schreiben braucht, aber sich mit jedem wahren Wort erklärt. Die Interpretation selbst ist schon erbärmlich und Selbstbetrug. Sprache die liebt, braucht kein Wort. Lehrer und Philosophen braucht es ganz sicher nicht. Jedenfalls nicht solche, die sich vom eigenen Sinn mit Zahlen und Buchstaben freizukaufen können.
Nietzsche erlaubte sich mit, in und durch Sprache, die Freiheit der Methode und der Betrachtung anzuwenden. Indem er allem Ding immer dieselbe Frage nach ihrem Motiv stellte, fand er in aller Sache deren System. Seine permanenten Fluchtversuche vor den Systematiken selbst, deren Motive er exakt durchschaute, trafen immer wörtlich in Schwarze. Seine freien, bewusst teilweise unsystemischen Aphorismenformen, sind direkter künstlerischer Selbstausdruck, der sein Schriftwerk veredelt und authentisch ist. Wer sich ein System schafft, der tue es für sich und nur für sich. Wer sich einem System unterwirft und sich selbst belügt, es sei die Wahrheit, ja, es könne je die Wahrheit geben, die der Mensch mit Wort nur, aber nicht mit Tat bezeugen könne, der ist ein Sklave. Nicht ein Sklave im übertragenen Sinn: Ein richtiger Sklave. Irgendwann im Leben von einem unsichtbaren Lasso eingefangen worden, auf dem „Wahrheit“ stand.
Von da an musstest du in deinem Leben mit geistiger Zwangsarbeit die Bestätigung für die Wahrheit von jemand anderem leisten.
Du darfst die Farben finden, die Formen, die Regeln, die Buchstaben, die Zahlen, die Schilder, die Anweisungen. Aber die Muster sollst du anerkennen. Sonst wirst du gebrochen werden. Vom System.
„In der That, man thut gut (und klug), zur Erklärung davon, wie eigentlich die entlegensten metaphysischen Behauptungen eines Philosophen zu Stande gekommen sind, sich immer erst zu fragen: auf welche Moral will es (will er –) hinaus?“
– Jenseits von Gut und Böse
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„Ich misstraue allen Systematikern und gehe ihnen aus dem Weg. Der Wille zum System ist ein Mangel an Rechtschaffenheit.“
– Götzen-Dämmerung
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„Alle Wissenschaften haben nunmehr der Zukunfts-Aufgabe der Philosophen vorzuarbeiten: diese Aufgabe dahin verstanden, dass der Philosoph das Problem vom Werthe zu lösen hat, dass er die Rangordnung der Werthe zu bestimmen hat.“
– Zur Genealogie der Moral
Um diese Phase der Militär-politischen Disziplinierung der Bevölkerung und Arbeiter besser zu verstehen, hilft es zu differenzieren, dass die deutschen Kriege dieser Epoche eher kurz und heftig, als so großformatig wie die Feldzüge Napoleons. Dieser historische Fakt hilft die Natur der Erzählungen und Denkweise der Menschen dieser Zeit besser zu verstehen: Es schien so, als wäre unter staatlicher Führung jetzt so etwas wie ein „humaner Krieg“ tatsächlich möglich. Die Völker blieben verschont von den Verwüstungen, Verheerungen, Vergewaltigungen, Plünderungen und Versklavung und Verschleppung, und der bessere Staat würde sich eben früher oder später durchsetzen. Das Prinzip der Welt und Politik als Schachbrett, verbreitete sich. Die Menschen glaubten, hofften und erlebten hier tatsächlich, dass der Nationalismus eine Möglichkeit war, sich selbst und seine Angehörigen zu schützen. Die Obrigkeit ließ die Bevölkerung gern in diesem Glauben. Es legitimierte den eigenen Machtanspruch ohne die Mühe, eigene Propaganda verbreiten zu müssen. In Wirklichkeit führte der überall in Europa kontinuierlich und über lange Zeiträume geschürte Nationalismus und Militarismus zu einem gigantischen, künstlich verzerrten Menschenbild. Diese Kriege mögen im Vergleich mit vorherigen Kriegen „harmloser“ erscheinen. Jedoch ereignete sich durch die flächendeckende Selbstidentifizierung der Menschen mit dem Prinzip des Nationalstaats eine unsichtbare Umformung des gesellschaftlichen Weltbildes, das zu extremen ideologischen Spannungen führt, die sich ab 1900 in Form von Zwei Weltkriegen entladen werden. Die Völker Europas atmen vielerorts perspektivisch auf und bewahren sich die vorsichtige Hoffnung auf einen friedlichen, gesellschaftlichen Aufstieg. In höchsten Kreisen hat man eine andere Perspektive:
Die in Jahrzehnten und Jahrhunderten mühselig durchgesetzte Produktivitätssteigerung, neue Waffentechniken und Ideologische Methodik waren Investitionen. Wenn sie sich auszahlen sollten, dann mussten sie eine Machtdemonstration werden. Die Absicht war die Verfestigung eines Weltbildes, in dem die Zukunft den eigenen Absolutismus durchsetzt. Wenige privilegierte, begünstigte „Götter“ mit dem größten denkbaren Luxus und Freiraum und zur bloßen Unterhaltung eine beliebige Menge an Sklaven, über die man beliebig verfügen kann. Man hatte noch immer das kosmopolitische Weltbild. Doch die real wachsenden Möglichkeiten, die kühnsten Visionen von Macht ausleben und Verwirklichen zu können, rückten durch die Verfestigung der Angst-narrative und Traumata in greifbare Nähe. Man züchtete sich die Waffen, Soldaten und Arbeiter für den großen Krieg regelrecht herbei. Durch Hetze und Propaganda lenkte systematisch jegliche Verantwortung für „politische Entwicklungen“ durch ständige Beschuldigung glaubhaft und konsequent auf Nachbarstaaten und die dort lebende Bevölkerung.
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Deutsch-Dänischer Krieg 1864 Dauer: ca. 6 Monate
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Anteil der direkt betroffenen Bevölkerung: Unter 5 % (Kampfhandlungen regional eng begrenzt auf Schleswig-Holstein und Dänemark).
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Todesopfer: ca. 1.500 bis 2.000 Tote auf deutscher Seite (Preußen und Österreich).
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Anteil der Todesopfer: Weit unter 0,1 % der Bevölkerung des Deutschen Bundes.
Preußisch-Österreichischer Krieg 1866 Dauer: ca. 6 Wochen
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Anteil der direkt betroffenen Bevölkerung: ca. 20 % (Kämpfe vor allem in Böhmen, Hannover und Süddeutschland).
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Todesopfer: ca. 30.000 Tote insgesamt auf deutschem Boden (ca. 10.000 auf preußischer Seite, über 20.000 auf Seiten Österreichs und der süddeutschen Staaten).
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Anteil der Todesopfer: ca. 0,1 % der Gesamtbevölkerung.
Deutsch-Französischer Krieg 1870–1871 Dauer: ca. 6 Monate Kampfhandlungen
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Anteil der direkt betroffenen Bevölkerung: 100 % der wehrfähigen Männer durch Wehrpflicht; die Zivilbevölkerung zu Hause erlebte fast keine Kampfhandlungen auf eigenem Territorium, war aber wirtschaftlich voll eingebunden.
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Todesopfer: ca. 45.000 tote deutsche Soldaten (Norddeutscher Bund und verbündete Südstaaten) ca. 0,12 % der damaligen deutschen Bevölkerung (bei ca. 39 Millionen Einwohnern).
Währenddessen gab es in Gesamt-Europa folgende Großschlachten und Kriege:
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1815: Schlacht bei Waterloo (Hundert Tage). Endgültige Niederlage Napoleons.
Zwischenkriegszeit und Revolutionen (1816–1852)
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1821–1832: Griechischer Unabhängigkeitskrieg. Unabhängigkeit Griechenlands vom Osmanischen Reich.
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1828–1829: Russisch-Türkischer Krieg.
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1830–1831: Belgische Revolution (Unabhängigkeitskrieg).
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1830–1831: Novemberaufstand in Polen. Niederschlagung durch Russland.
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1833–1839: Erster Carlistenkrieg (Spanien).
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1848–1849: Revolutionskriege (in Europa, insb. Ungarn, Italien, Deutschland).
- 1848–1849: Erster Italienischer Unabhängigkeitskrieg.
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1848–1851: Schleswig-Holsteinischer Krieg (Erster Krieg um Schleswig).
Einigungskriege und späte Kriege (1853–1900)
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1853–1856: Krimkrieg. Russland gegen Osmanisches Reich, Frankreich, Großbritannien, Sardinien.
- 1854–1855: Belagerung von Sewastopol.
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1859: Sardinischer Krieg (Zweiter Italienischer Unabhängigkeitskrieg, Schlacht bei Solferino).
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1864: Deutsch-Dänischer Krieg (Zweiter Schleswig-Holsteinischer Krieg).
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1866: Deutscher Krieg (Österreichisch-Preußischer Krieg, Schlacht bei Königgrätz/Sadowa).
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1870–1871: Deutsch-Französischer Krieg.
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1877–1878: Russisch-Türkischer Krieg.
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1885: Serbo-Bulgarischer Krieg.
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1897: Griechisch-Türkischer Krieg.
Deutschlands Bevölkerung war nicht „bösartig“ ebenso wenig wie andere „Völker“ je von sich aus bösartig würden. Es ist sehr gut historisch nachvollziehbar, wie stark Deutschland das Epizentrum von aristokratischen Ambitionen war, die ganz Europa seit Jahrhunderten im Griff hielten, indem sie gemeinsam mit der katholischen Kirche eine Art Schattenregierungs-Prinzip etablierten und aufbauten. Man schuf kontinuierlich Spannungen und Macht-Vakuum, ohne direkt aktiv sein zu müssen.
Man machte sich zu nutze, dass der Pöbel den man für die wachsenden Ambitionen benötigte, bereits zu dumm und angepasst war, um die größeren Zusammenhänge über die Historie nachzuvollziehen. Insbesondere die Rolle der katholischen Vatikankirche darf hier und kann hier nicht genug überschätzt werden. Es geht aus ihren eigenen historischen Dokumenten hervor, dass sie in Europa die einzigen waren, die Schrift anfertigten und Historie überhaupt aufschrieben. Sie sind die einzige Quelle gewesen, die erlaubt war. Nur Volkstümer, Mythen, Sagen, Märchen, Lieder und Figuren , die in den Familien und von Freunden weitergegeben und erzählt und gemalt und gesungen worden ist, konnte sich der Zensur und den Beschlagnahmungen durch Kirche, Feudalherren und Inquisition widersetzen.
Die Vatikanarchive sind bis heute nicht zugänglich und streng geheim. Der Vatikan ist ein eigener Nationalstaat und genießt juristisch vollständige Immunität. Politisch ebenfalls. Die jahrhundertelang mit beinahe hundertprozentiger Abdeckung betriebene Schrift-Absorption, etablierte eine Dokument-Monopolisierung durch christliche Organisationen in ganz Europa. Sie war und ist bis heute, dass teuerste Pfand, dass man historisch und allgemein wissenschaftlich gegen die gesamte europäische und Weltgeschichte in der Hinterhand hält. Völlig legal. Ohne Militär.
Dritte Epoche: Deutschland 1900–1950 – Die Ära der totalen Entfesselung und des maschinellen Abgrunds
Wenn die vorangegangene Epoche die Feder aufzog, so war dieses halbe Jahrhundert das unkontrollierte, ohrenbetäubende Zurückschnellen des Mechanismus. Das künstlich gezüchtete Konstrukt des Nationalismus, vollgepumpt mit dem unverdauten Trauma der Entfremdung und der technologischen Hybris, fraß seine eigenen Schöpfer und Kinder gleichermaßen.
1. Der industrialisierte Rausch des Todes Der Erste Weltkrieg war kein politischer Irrtum, er war die unausweichliche psychologische Entladung einer Gesellschaft, die das Fühlen zugunsten des Funktionierens verlernt hatte. Die Schützengräben von Verdun und an der Somme waren der physische Ausdruck der inneren Verheerung. Die Technologie, zuvor noch als „Heilsbringer“ der Moderne gepriesen, offenbarte ihr wahres, eiskaltes Gesicht: Sie war der gigantische Fleischwolf, in den die Völker Europas von jenen Herrschaftsstrukturen getrieben wurden, die aus sicherer Distanz den Bankrott der alten Weltordnung organisierten. Die Sprache verlor hier endgültig ihre Unschuld; Worte wie „Ehre“ und „Vaterland“ wurden zu hohlen Phrasen, zu reinen Befehls-Algorithmen, die Millionen in das Maschinengewehrfeuer lenkten.
2. Die Perversion des Willens und der große Zusammenbruch Nach der kurzen, fieberhaften Illusion der Weimarer Republik – einem Tanz auf dem Vulkan der Inflation und der völligen Entwurzelung – manifestierte sich die absolute Umkehrung aller organischen Werte im Nationalsozialismus. Hier zeigte sich die vollendete Perversion: Der Schrei der Massen nach einer wahren „Heimat“ und Identität wurde industriell absorbiert und in einen totalitären Todeskult umgeschmiedet. Die Bürokratie, jenes Steckenpferd des Kaiserreiches, wurde nun zur Verwaltung der absoluten Vernichtung eingesetzt. Das Systematische, vor dem Nietzsche so eindringlich warnte, feierte in den Gaskammern seinen schrecklichsten Triumph: Der Mensch war nicht einmal mehr ein Rädchen im Getriebe, er war nur noch Material, Ressource, Asche. Der Staat hatte sich selbst zum Gott erhoben und die Realität dem Wahn unterworfen, bis Deutschland 1945 als rauchendes, seelisch und physisch zertrümmertes Mahnmal der eigenen Hybris in Trümmern lag.
Vierte Epoche: Deutschland 1950–2000 – Die Ära der sterilen Sühne und des betäubten Wohlstands
Das Jahr 1945 war die Stunde Null der Architektur, aber nicht des Geistes. Anstatt einer echten Katharsis und einer schmerzhaften, tiefenpsychologischen Reinigung, wählte das nun zweigeteilte Volk die Flucht nach vorn – in die totale Materie.
1. Das Wirtschaftswunder als kollektive Amnesie Im Westen wurde der Schutt nicht bloß weggeräumt, er wurde mit Beton und Konsumgütern versiegelt. Das „Wirtschaftswunder“ war die massenpsychologische Pille gegen das absolute Trauma. Der Arbeitswahn, der zuvor dem Kaiser und dem Diktator gegolten hatte, wurde nun auf das Fließband, den VW Käfer und den Kühlschrank gerichtet. Der „letzte Mensch“, den Nietzsche voraussah – der Mensch, der nur noch sein kleines Glück, seine Bequemlichkeit und seine saturierte Ruhe sucht –, wurde zum Idealbürger der jungen Bundesrepublik. Man kaufte sich von der Geschichte frei. Die Schuld wurde verrechtlicht, in Reparationen gegossen und damit administrativ ausgelagert, anstatt sie als Abgrund der menschlichen Natur zu begreifen.
2. Zwei Systeme, eine Entmündigung Während der Westen durch den Kapitalismus und den Konsum sediert wurde, wurde der Osten Deutschlands in ein neues, diesmal rot lackiertes Gehäuse der Gehorsamsverweigerung gepresst. Die Diktatur des Proletariats war nur eine neue Maske für die alte preußische Disziplinierungsmaschine, diesmal gespeist von ideologischer Überwachung durch die Stasi, die tief in die Familien und Seelen eindrang. Beide Systeme – Ost wie West – hielten das Individuum klein. Die Wiedervereinigung 1989/1990 war ein Rausch der Emotionen, doch als der Staub sich legte, blieb keine philosophische Neugeburt, sondern lediglich die Eingliederung des Ostens in die konsumistische Betäubung des Westens. Die Frage nach dem „Wer sind wir wirklich?“ blieb ungeklärt, erstickt im Siegeszug des globalen Marktes.
Fünfte Epoche: Deutschland 2000–2026 – Die Ära der digitalen Ohnmacht und der Hyper-Abstraktion
Mit dem Anbruch des neuen Jahrtausends betrat die Maschinerie der Macht ihre subtilste und gefährlichste Phase. Die Herrschaft braucht heute keine physischen Grenzen, keine Schlagbäume und oft nicht einmal mehr direkte Gewalt. Sie hat sich in die Köpfe und die Handflächen der Menschen ausgelagert.
1. Das digitale Panoptikum und die freiwillige Knechtschaft Das Smartphone und der Algorithmus sind die konsequenten Weiterentwicklungen der preußischen Stechuhr und der kirchlichen Beichte. Doch die Überwachung wird nicht mehr als Zwang empfunden, sondern als „Bequemlichkeit“ und „Verbindung“ gefeiert. Die Menschen geben ihre tiefsten Geheimnisse, ihre Wünsche, ihre Ängste freiwillig an jene supranationalen Konzerne ab, die heute die Rolle der weltbürgerlichen Monopolisten aus dem 19. Jahrhundert übernommen haben. Die Sprache wurde auf Emojis, Schlagzeilen und 280-Zeichen-Empörungen reduziert. Der Diskurs ist einer permanenten Reizüberflutung gewichen, in der Wahrheit und Lüge zu bloßen Datenpunkten der Aufmerksamkeitsökonomie verkommen sind.
2. Die Erschöpfung des Selbst Das moderne deutsche Individuum ist gefangen in einer unsichtbaren Architektur der ständigen Erreichbarkeit und Selbstoptimierung. Die psychologischen Krisen, die Epidemie der Depressionen und Burn-outs sind die direkten physischen Reaktionen eines Geistes, der sich gegen seine totale Virtualisierung wehrt. Man sucht krampfhaft nach „Achtsamkeit“ und „Identität“, bedient sich aber dabei genau jener standardisierten Lifestyle-Produkte, die das System zur Ruhigstellung anbietet. Die Herrschaft der heutigen Zeit ist die Algorithmus-gesteuerte Anpassung: Jeder wird exakt in seiner eigenen, maßgeschneiderten Filterblase gehalten, unfähig, den großen Bogen der Entfremdung zu erkennen.
Wir stehen heute an dem Punkt, an dem der Mensch droht, sich als metaphysisches, spürbares Wesen selbst abzuschaffen und restlos im System aufzugehen – nicht durch den Knüppel, sondern durch das unendliche Streicheln von Glasbildschirmen. Das Erbe Siegfrieds ist nicht das Schwert, sondern die lückenlose Verzeichnung im digitalen Register der Bedeutungslosigkeit.
Warum tut jemand so etwas?
Es ist das Gesetz des Parasitismus. Ein Parasit möchte seinen Wirt nicht töten (denn dann stirbt er selbst), aber er möchte ihn so schwächen, dass der Wirt sich nicht mehr wehren kann, während der Parasit sich satt frisst.
Die Urheber (die obersten 0,1% der Finanz- und Machteliten) betrachten die Menschheit als Viehbestand. Und ein guter Bauer sorgt dafür, dass seine Rinder gesund genug sind, um Milch zu geben, aber zu eingezäunt, um wegzulaufen.
Das klingt hart. aber die gute Nachricht ist: Ein Zaubertrick funktioniert nur, solange das Publikum an den Zauber glaubt. In dem Moment, in dem du sagst: „Moment mal, das ist ja nur ein billiger Trick!“, verliert das System seine Macht über deinen Geist.
ENDE DER ABHANDLUNG
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Autor: Timogenes (1995-2026) Timogenes@rizful.com