Ein Weihnachtsmärchen? Oskar!

Ein Baum stand schon seit längeren in dem Wohnzimmer,dahinter war sein Korb. Die Augen halb geschlossen, dahin dösendlag er da.

Ein Weihnachtsmärchen? Oskar!

Ein Baum stand schon seit längeren in dem Wohnzimmer,dahinter war sein Korb. Die Augen halb geschlossen, dahin dösendlag er da. Die Luft roch angenehm nach Tanne und dem Paraffinder abgebrannten Kerzen. Durch die halb geschlossen Fensterlädensickerte das trübe Licht des Morgens. Bald war die Zeit zumGassie gehen, dieser Gedanke fü11te Oskars Herz mit Freude. Er träumte von vielen schönen Erlebnissen die er hatte, von seine kleinen Herrchen und dem großen, von Chappieund Hundekuchen, er, hatte wahrhaft eine schöne Zeit verlebtund hatte eine eben solche vor sich, er schmiegte sich enger andie warme Decke in seinem Korb und gab sich ganz seinen Erinnerungenhin, Im Schlafzimmer polterten Schritte, sein Kopf mit den Schlappohrenzuckte Richtung Tür: Das war das Herrchen! Freudig dehnteOskar die Muskeln, sprang aus dem Korb und lief Richtung Zimmertür,Diese schwang auf , Oskar wedelte mit dem Schwanz und sprangihm mit überschwenglicher Freude entgegen. Es streichelteden faltigen Kopf, wehrte die nasse, rauhe Zunge ab, beugte sichherunter und sah Oskar in die feuchten sanften Augen. Streichelnfand Oskar schön. “Oskar, es tut mir leid, ich meine… es tut uns leid, aber wir glauben, für unseren Sohn istes besser, wenn er einen kleinen, jungen Hund bekommt, und …wir haben keinen Platz für zwei Hunde, deshalb …, deshalbmeinen wir daß du gehen mußt. Aber daß verstehstdu doch Oskar ? “Oskar hörte seinen Namen und begannwieder mit dem Schwanz zu wedeln. Er legte seine Pfote in dieHand des Herrchens, wie er es gelernt hatte. “Ich dankedir Oskar!”, es nahm die Plakette von Oskars Halsband, holtezwei wunderbar schmeckende Hundekuchen, ging in die Kücheund holte die Leine, “ ach nein, die brauchen wir nicht.“Oskar freute sich, er konnte wieder frei umherlaufen, vielleichtgingen sie ja in einen Park, Der Schnee war teils gefroren dasmachte Oskar nichts. wenn er zurück war, würde das kleineHerrchen schon auf sein, er freute sich, ein wenig spielen zukönnen. Sie blieben stehen, “Oskar mach Platz!“Oskar machte Platz Und sein Herrchen ging. Er wartete eine langeZeit, das Herrchen kam nicht zurück, ihm wurde kalt und erbekam Hunger. Vielleicht war dem Herrchen etwas passiert ? Soerhob sich Oskar in Sorge und suchte sein Herrchen. Die großefeucht Nase sollte ihm helfen, er nahm die Witterung auf dochdie eigentlich frische Spur war im Schnee kaum zu finden, er irrteherum mit kalten Pfoten und hungrigen Magen. Auf dem weg durchdie Straßen begneten ihm viele Menschen, einige von ihnenwurden böse als er sie beschnupperte und jagten ihn weg,er wollte doch nur sein Herrchen finden. An allen Ecken und Endender Häuser und Bäume hafteten Markierungen von Hunden,wahllos durch die Gegend gespritzt. Oskar fand den Weg nach Hausenicht mehr und seine feuchten Augen wurden noch feuchter, dasHerz anfänglich vo11 Freude, wurde ihm schwer, er war verwirrtund ein klein wenig verzweifelt.

Er machte seine letzte Chappie Dose mit seinem SchweizerTaschenmesser auf, “ich weiß gar nicht was die Lautewollen schmeckt doch gar nicht schlecht”, aus der rechtenTasche des zerschlissenen Nadelstreifen Anzugs zog er einegrüne Jägermeister Flasche. “Das Nachspühlenist trotzdem das schönste”, ein Schauer durchrann seinen Wichtartigen Körper, das faltige Gesicht verzog sich. Erfühlt, die Alkwärme sich wohlig in seinem Nagen ausbreiten,Die halb leere Chappie Dose steckte er, wie immer, in die linkeJackentasche. Den speckigen grünen Schal umbindend, am grauenverfilzten Bart zupfend, stand er auf. In seinem schleppendengang, immer leicht nach vorne gebeugt, ging er los. Heute warHeiligabend und mehr Geld als sonst würde seine Taschen füllen.Die Leute waren heute bereit mehr Geld zu geben als sonst. Weihnachtszeitwar eine gute Zeit. Die Wrangelstraße war voller Menschenund füllten viel Geld in die eh schon zu weit ausgebeultenHosentaschen. Eine neue Jägermeister Flasche war bald gekauftund auch vonnöten, es war schließlich kalt, wie sollte\man sich sonst warm halten. Der Tag verging wie alle vergehen,smalltalks mit roten aufgedunsenen Gesichtern, hier ein SchluckRotwein, da ein Schnäpschen. Die Füße waren naßund kalt, die ausgetretenen Schuhe schlappten umher. Er gingum sich einen neuen Schlafplatz zu suchen, das Pennerheim würdeihn heute nicht aufnehmen. Etwas anderes mußte ihm einfallen.Auf jeden fall ging er schon einmal los. Ein rotbraunlicher Hundmit faltigen Gesicht und feuchten Augen folgte ihm.

Oskar roch sein Futter, der Duft ging von einer kleinen,gekrümmten Gestalt aus die Oskar keine Angst machte, Er wußtenicht wohin er gehen sollte, außerdem hatte er Hunger. Sofolgte er ihr eine Zeitlang. Sie kamen an einen Park den Oskarkannte, Wehmut füllte sein kleines pochendes Herz, er hattehier oft mit seinem Herrchen gespielt. Als die Gestalt sich aufeine Bank setzte machte er neben ihr Platz.

Er bemerkte den Hund erst jetzt, dieser schaute ihmtreu in das faltige Gesicht. “Du hast Hunger !” Beganner das Gespräch, holte die Chappie Dose aus der linken Jackentasche,nahm mit seiner linken Hand große Brocken aus der Dose undhielt sie dem Hund hin.

Oskar sah siulettenhaft die Hand ihn zukommen, DerDuft des Futters ließ den Speichel in seinem Mund zusammenfließen,gierig schleckte er das Futter von der haltenden Hand. Es kitzelteals die rauhe Zunge über seine Pergament artige Haut fuhr.So verbrachten beide vergnügte Minuten. Leise töntedas sechs Uhr schlagen der Kirche am Lausitzer Platz herüber.“Um die Uhrzeit haben wir immer Bescherung gemacht. “Seufztedie Gestalt neben Oskar. Am dunklen klaren Himmel ward plötzlichein Licht. Zwei Falten übersäte Gesichter blickten inden Sternen übersäten Nachthimmel dem Lichte entgegen.Aus dem funkelnden Licht wurde das Christkind, das sich niederließ,auf den gefrorenen Boden des Görlitzer Bahnhofs Gelände.Die matt schimmernde Gestalt mit am rücken herausstehendendurchsichtig glänzenden Flügeln sprach : “Ihr seizusammengekommen, treue Seelen seid ihr. Drum sollt ihr belohntwerden. “In Oskar stieg ein feierliches Gefühl vollwärme und Geborgenheit hoch. Das Christkind, nachdem es gesprochen,entschwand wieder im Nachthimmel. Doch an seinem platze, wo esgestanden waren Tausende Chappie Dosen in den unterschiedlichstenGeschmacksrichtungen als Geschenk des Himmels. Die Beiden freunderückten feierlich zusammen und blieben eine Weile noch sitzenehe sie sich an das Festmahl machten.

Es war neun Uhr als er aus seinem Traum erwachte.“Schön … “, eine kurze Weile blieb er nochliegen, ließ Bilder aus dem Traum an seinen Augen vorbeiziehen.Dann stand er auf, machte sein Müsli, las in der Taz, streichelteseinen Hund Oskar. “Er ist zu groß für unsereWohnung”, dachte er. Nach dem Frühstück nahm erdie Plakette vom faltigen Hals des Hundes, gab ihm zwei Hundekuchenund ging mit ihm Gassie. Auf der Straße, weit genug weg,Schlesische ecke Cuvry sagte er; “Platz und bleibe schönsitzen, es wird dir nichts passieren, heute ist ja Weihnachten.“Dann ging er, über den Umweg einer Zoohandlung, wieder nachHause. Ein rotbräunlicher Hund mit faltigen Gesicht saßeine weile auf seinem Platz, aber das ist eine andere, ganz gewöhnliche Geschichte.


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