GrapheneOS bald auch auf Nicht-Google-Smartphones
GrapheneOS gilt allgemein als die sicherste der Google-freien Android-Varianten. Ironischerweise muss man jedoch ausgerechnet auf ein Gerät des omnipotenten Tech-Giganten aus dem Silicon Valley zurückgreifen, wenn man dieses mobile Betriebssystem nutzen möchte.
Wer also Google-Software, -Kontrolle und -Spionage auf seinem Android-Smartphone bestmöglichst vermeiden möchte, muss Google-Hardware verwenden. Kein anderer Hersteller erfüllt scheinbar die strengen Anforderungen des auf Sicherheit und Privatsphäre fokussierten GrapheneOS ähnlich gut. Daher lässt sich das auf dem Android Open Source Project basierende System nur auf Geräten der «Pixel»-Serie installieren.
Zumindest bisher war das so. Allerdings schränkte Google letztes Jahr seine Unterstützung für alternative Android-Versionen (sogenannte Custom-ROMs) ein. Daraufhin kündigten die Entwickler von GrapheneOS zunächst die Suche nach und später die Zusammenarbeit mit einem anderen großen Gerätehersteller an – damals noch, ohne Namen zu nennen.
Auf dem diesjährigen Mobile World Congress in Barcelona wurde letzte Woche eine langfristige Partnerschaft mit Motorola bekanntgegeben, um an zukünftigen Geräten mit GrapheneOS-Kompatibilität zu arbeiten. Das Unternehmen läute damit «eine neue Ära der Smartphone-Sicherheit» ein, hieß es.
In welchem Umfang die Integration umgesetzt wird, bleibt abzuwarten. Ob dies auch eine Vorinstallation von GrapheneOS auf Motorola-Handys beinhaltet und wann das erste Modell auf den Markt kommen wird, ist noch nicht bekannt. Dies könnte aber 2027 passieren.
Beobachter der Szene zeigten sich zum Teil überrascht von der Wahl Motorolas als Partner. Einerseits bekundeten die GrapheneOS-Entwickler noch im Februar dieses Jahres, dass aktuelle Motorola-Geräte ihre Hardware-Anforderungen nicht erfüllten. Andererseits werden Sicherheitsbedenken geäußert, weil Motorola zum chinesischen Lenovo-Konzern gehört.
In jedem Fall dürfte der Mainstream-Deal den Markt etwas aufrütteln und GrapheneOS mehr Reichweite bescheren. Nicht alle Menschen sind mit ihren Standard-Android-Geräten oder iPhones zufrieden, und sicherheitsbewusste Kunden begrüßen vielleicht die Alternative zu Pixel-Geräten. Insofern könnte der Fokus auf Offenheit und Benutzerkontrolle für Motorola Marktanteile bedeuten. Aber auch andere Google-befreite Android-Varianten wie LineageOS, iodéOS, /e/OS oder Volla OS dürften von der Entwicklung profitieren.
Damit wäre dann auch endlich dem Wunsch entsprochen, den der Experte für IT-Sicherheit Mike Kuketz vor einiger Zeit in seinem Blog äußerte. Im Fazit seiner GrapheneOS-Analyse schrieb er im Dezember 2023:
«Es besteht kein Zweifel, dass GrapheneOS derzeit das sicherste und datenschutzfreundlichste Custom-ROM bzw. Android-System ist. Das Sahnehäubchen wäre es, wenn der Zwang, ein Google-Gerät zu verwenden, aufgehoben würde.»
Auf die Möglichkeit, Geräte von Apple ohne Software von Apple zu betreiben, wird man derweil noch lange warten müssen. Der Hersteller ist diesbezüglich sehr restriktiv. Das mag seine Vorteile haben, die Fans der Apfel-Marke sicherlich benennen können. Unter dem Aspekt der Privatsphäre ist es jedoch ein Alptraum.
[Titelbild Vorlage: Wikimedia]
Dieser Beitrag wurde mit dem Pareto-Client geschrieben und ist zuerst auf Transition News erschienen.
https://keepandroidopen.org/
Das sind good news, aber niemand muss noch warten um sein Android-Handy von Google zu befreien. JEDES Gerät lässt sich ohne Google-Konto, Play Services und Play Store verwenden. Apps können von Zapstore, F-Droid oder Aurora-Store (Play Store mit anonymem Zugang) installiert werden, für alle Google-Apps gibt vollwertigen Open Source Ersatz. Nur auf einige Banking Apps und Google Notifications (super Tracker) muss verzichtet werden.