Das Mysterium der Akademiker
Alle Verbote wurden kontrolliert und weitestgehend eingehalten. Die Kirchen zeigten keinerlei Widerstand zu diesen Maßnahmen, die es nicht einmal zu Kriegszeiten gab. Was in diesen dunklen Zeiten - nicht nur an Ostern - besonders herausstach war die Rolle von gut gebildeten Menschen (im Folgenden pauschal als Akademiker bezeichnet): Ärzte, Wissenschaftler, Professoren, Psychologen, Priester, Philosophen, Lehrer, Juristen und andere taten sich dabei hervor, die offiziellen Verlautbarungen nicht nur zu verteidigen sondern mit aller Konsequenz anzuwenden und durchzusetzen. Wie ist es möglich, dass Menschen, denen es offensichtlich nicht an Intelligenz mangelt, keinen Blick dafür haben, welchen Inszenierungen sie ausgesetzt waren und sind? Menschen, die man bis dato respektiert hatte, ihre Meinung wertschätzte und gerne mit ihnen im Gespräch war.
Ein Rätsel - zwei Erklärungen
Erstens: Wer das heutige Bildungssystem durchlaufen hat, spätestens seit der Bologna-Reform, ist in einem weitestgehend einheitlichen Meinungsspektrum aufgewachsen. Dieses Spektrum - das Overton-Fenster - wird stets durch Regierung, Medien und primär staatlich finanzierte NGOs festgelegt. Damit wurde jedem direkt und indirekt klargemacht, dass gewisse Standpunkte nicht erwünscht sind. Um voranzukommen war es unerlässlich - gerade in geisteswissenschaftlichen Fächern - sich dieser Realität anzupassen. Wer jahrelang dasselbe hört und liest wird unzweifelhaft davon geprägt.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Kompetenz des selbständigen Denkens, des kritischen Hinterfragens, nicht gefördert sondern im realen Uni-Betrieb geradezu verhindert wird. So entstand und entsteht eine weitgehend homogene Meinungsmasse. Diese Absolventen erhalten anschließend Jobs in Medien, Behörden, Agenturen, NGOs und so weiter, wo man sich unter seinesgleichen dauerhaft bestätigt fühlt. Wie sollte in dieser Konstellation die Fähigkeit entstehen, offizielle und mediale Verlautbarungen in Zweifel zu ziehen? Es scheint für die meisten ganz und gar unmöglich.
Im Gegensatz dazu werden Menschen, die Handwerks- oder Dienstleistungsberufe erlernen ganz anders sozialisiert. In ihrer Tätigkeit kommen sie mit unterschiedlichsten Personengruppen in Kontakt, ihr Weltbild wird von deutlich verschiedenartigen Eindrücken geformt. Zudem leben sie oft nicht in Großstädten sondern in kleineren Gemeinden und ländlichen Gebieten, wo das Leben anders ist. Manuelle Tätigkeiten, Kontakt mit der Natur, kein Verleugnen der eigenen Wurzeln. Hier werden die Unterschiede zwischen erzählter und erlebter Wirklichkeit nicht durch intellektuelle Klimmzüge erkannt sondern durch persönliches Erleben. Anders formuliert: polit-mediale Scheinrealität wird schnell entlarvt. Der Erfolg der bairischen Kabarettistin Monika Gruber ist ein anschauliches Beispiel dafür.
Doch es gibt noch einen weiteren, entscheidenden Unterschied zur meist städtischen Akademikerklasse.
Die Macht des Status’
Zweitens: All diese sicherlich intelligenten Menschen haben etwas erreicht, was für die Mehrheit der Bevölkerung ein unerreichbarer Traum ist: ein hoher sozialer Status. Ein Professor, Chefarzt, Richter, Schuldirektor, Anwalt, Institutsleiter: Sie haben diesen Status erreicht, weil sie kompetent und leistungsbereit waren. Oder die richtige Unterstützung hatten. Vor allem: weil sie im System gut mitschwammen. Nicht, weil sie es beizeiten kritisiert hatten. Weder die Pharmaindustrie noch den Universitätsbetrieb, nicht das Schulsystem, weder die Abhängigkeit der Staatsanwaltschaften von der Politik noch den ölffentlich-rechtlichen Rundfunk. Die meisten vermutlich nicht aus bewusster Angepasstheit, sondern weil sie instinktiv wussten, dass das ihrer Karriere schaden würde. Oder weil sie nie Kritikpunkte wahrgenommen hatten.
Akademiker, die die klassische Karriereleiter hinaufgestiegen sind, haben - außer vielleicht im privaten Bereich - kaum schmerzhafte Erlebnisse mit ‹dem System› gehabt. Sonst wären sie nicht dort, wo sie sind. Es gab keinen Bruch in ihrer Wahrnehmung der dargebotenen Realität. Und sollte es einmal einen gegeben haben, so wussten sie schnell, was man in ihrer Peer Group sagen durfte, um nicht aufzufallen. Und was nicht.
Denn es war immer klar, dass die Position in der sozialen Hierarchie bedroht wäre, wenn unerwünschtes Verhalten gezeigt wird. Es ist die gut bekannte Furcht vor Gruppenausschluss. Sie ist gegenüber Nicht-Akademikern massiv gesteigert, da es Jahre und Jahrzehnte mühevoller Arbeit gekostet hat, die jeweilige Stellung zu erreichen. Ein Ausschluss aus einem wichtigen Gremium, der Verlust einer Führungsrolle, der Argwohn der Kollegen und noch viel mehr würden unwiederbringlich zum – gefühlten und tatsächlichen – gesellschaftlichen Abstieg führen. Je höher eine Person im Verlauf ihrer Karriere gestiegen ist, desto brutaler würde er oder sie den Absturz erleben. Verständlich, dass alles unternommen wird, um die Rolle im System zu sichern. Ja noch mehr: das System selbst, das diese Position ermöglicht hat, muss mit allen Mitteln verteidigt werden!
Doch Akademiker können einer Sache eher selten entgehen: kognitiver Dissonanz. Gespräche oder Informationen, die der eigenen Anschauung zuwiderlaufen, führen zu einer unangenehmen Spannung. Anstatt sich jedoch mit dieser Dissonanz auseinanderzusetzen, lehnen diese Menschen die neuen Informationen rigoros ab, denn kritisches Denken wurde ja nie erlernt. Nicht Erlangung von mehr Klarheit ist das oberste Bedürfnis, sondern der Wunsch, das Gefühl von Sicherheit und Identität innerhalb des bestehenden Systems zu erhalten. Der Selbstverteidigungsmodus wird aktiviert, um auch den kleinsten Anflug von Zweifel und Irritation im Keim zu ersticken. Diese Reaktion äußert sich oft als Feindseligkeit oder Abwehrhaltung. Würde eine der beschriebenen Personen diesen Text hier lesen, so würde genau der dieser Effekt eintreten. Es wäre unwahrscheinlich, dass es zu einer bewussten Innenschau käme.
Dazu kommt die medial erzeugte Gewissheit, dass jede abweichende Information, die nicht von staatlichen oder anderen ‹Qualitäts›-Medien stammt, entweder Fake News ist oder sogar ‹rechts›. Eindeutig vermintes Gebiet, auf dass sich ein systemtreuer Bürger niemals begeben würde. Menschen, die solche Informationen zitieren, in Umlauf bringen oder selbst produzieren sind Feinde der Wahrheit, ja gar Feinde der Demokratie. Eine sachliche Diskussion erübrigt sich, denn mit solchen Verschwörungstheoretikern ist eine vernünftige Diskussion niemals möglich. Man stelle sich vor, man würde selbst eine Website besuchen, die womöglich ‹rechts› ist und der eigene Rechner würde dadurch verseucht. Die Belohnung für solch systemerhaltendes Verhalten ist ein beruhigend gutes Gefühl. Das Bewusstsein, alles richtig gemacht zu haben und ganz fest auf der richtigen Seite zu stehen. Vor allem: keine Gefahr für den kleinsten Statusverlust.
Loyal, weil es keine Zweifel gibt
Der Wunsch nach Sicherheit, Anerkennung und Statuserhalt mündet in einer tiefen Loyalität gegenüber dem System. Sie sind überzeugt, dass es für ihre eigenen Interessen arbeitet. Deshalb verteidigen sie selbst gröbste Verletzungen der Grundrechte oder das Negieren jahrzehntelang gültiger wissenschaftlicher Standards. Die Vorstellung, dass Regierungen und andere Machtinstitutionen primär andere Interessen als die der Bürger verfolgen kommt einem Sakrileg gleich. Verschwörungstheorie!
Dies scheint zunächst nicht logisch, denn selbst wenn nach außen dem System gehuldigt wird, um keine Nachteile befürchten zu müssen, könnten sie doch zu sich selbst und im kleinen Kreis ihre Zweifel äußern. Doch dies geschieht nicht. Gerade das stößt bei anderen, die die Mechanismen der Macht längst erkannt haben, auf schreiendes Unverständnis. Wie kann es sein, dass Menschen mit Diplomen, Masterstudium, Promotion und so weiter nicht das Offensichtliche erkennen können?
Fehlende Brüche
Diejenigen, die es bei Covid sahen, die sofort erkannten, dass etwas zutiefst falsch war, die die Falschheit der Erzählung spürten, noch bevor sie den Grund dafür aussprechen konnten, waren nicht klüger. Sie waren nicht spirituell überlegen. Sie waren verletzlicher. Sie hatten bereits etwas durchgemacht, das die hermetische Mauer ihres Egos zum Einsturz gebracht hatte. Bei einigen war es die Berichterstattung zu 9/11, bei anderen die Politik Merkels, die Lügen um die Kriege der USA, der Wahnsinn der ‹Bankenrettung›, die Verfehlungen in der Migrationspolitik oder anderes mehr. Anlässe gab es genug. Was auch immer, entscheidend ist, dass es einen Bruch gab zwischen der proklamierten und der wahrgenommenen Realität. Sie litten. Niemand wünscht sich, dass sein Bild der Welt, das im Lauf des Lebens entstanden ist, auf einen Schlag brüchig wird. Dann begannen sie zu suchen. Sie durchforsteten das Internet, ließen sich zuweilen in die Irre führen, fanden Andere, die auf dem selben Weg waren. Am Ende entwickelten sie ein meist gutes Gespür für das, was die Intentionen hinter der Bühne des polit-medialen Illusionstheaters waren. Follow the money. Cui bono. Epstein & Co.
Das ist der große Unterschied zu denjenigen, die wohlsituiert und stolz auf ihren gesellschaftlichen Status blicken. Ihnen fehlt diese leidvolle Erfahrung des in Teilen zerfallenden Weltbildes. Noch dazu leben sie in einer enormen Sicherheit. Hohe Gehälter und Pensionszusagen bis zum letzten Tag, Beziehungsnetzwerke, die viele Privilegien ermöglichen, Aufstiegschancen innerhalb des Systems. Wer würde dies durch Nonkonformismus gefährden, sich durch Querdenkerei ins Abseits stellen? Kaum jemand. Deshalb ist es kein Zufall, dass gerade Akademiker die größten Opfer der Manipulation wurden und vielfach noch immer sind.
Ihnen fehlt der Spalt, durch den der Zweifel an der offiziell erzeugten Realität einfallen könnte. Es ist weder böser Wille noch fehlende Intelligenz. Vielleicht ein wenig Ignoranz, denn zu keiner Zeit der Menschheitsgeschichte gab es ein größeres Informationsangebot. Doch um danach zu suchen braucht es einen Funken des Zweifels. Genau der wird an der Mauer von Statusbewusstsein und Selbstgewissheit abgewiesen. Alles, was bleibt, ist das sichere Gefühl, Recht zu haben.
Gibt es Hoffnung?
Wenig. Je schwieriger die Zeiten werden, desto größer wird die Angst vor Job- und damit Statusverlust. Die Verteidigung des Systems wird damit nochmal heftiger werden, da dies scheinbar die eigene Sicherheit erhöht. Eine Idee wäre es, diese Menschen nicht als statusbesessene Rechthaber zu behandeln, sondern mit viel Mitgefühl. Wie Kinder, die vieles in der Welt noch nicht verstanden haben. Kindern würde man auch nicht die eigenen Sichtweisen um die Ohren hauen, sondern sie dabei unterstützen, selbst auf Antworten zu kommen. Nicht, indem man ihnen alles vorsagt, sondern sie durch geschicktes und geduldiges Fragen in die richtige Richtung lenkt. So lange, bis der eigene Denkprozess vorsichtig (wieder) beginnt: Wie ein kleiner Funke, der das lange brachliegende Holz der Erkenntnis entfacht.
Und selbst bei all dem stets demütig zu bleiben. Denn es wird immer und ewig Schichten der Realität geben, die auch DU nicht kennst und verstehst.